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Der Israelit · 1889-09-09 · Heft 72 (9.9.1889) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 72 (9.9.1889)
Date
1889-09-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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thronenden Auges, daß sie zu diesem Schritt durch die örtlichen Verhältnisse gezwungen wurden. Selbst die Dienstboten wollen sich die beleidigende und wegwerfende Behandlung nicht gefallen lassen, sie verweigern den Gehorsam, wenn es sich darum handelt, zu dem Fleischer nach koscherem Fleisch zu gehen. Weßhalb der Thorner Gemeindevorstand, dem diese Verhältnisse sehr wohl bekannt sind, nicht Remedur schafft, ist mir unerfindlich, mehr aber noch das passive Verhalten des dortigen Rabbinats. Wenn solche Uebelstände nicht aufhören, so muß das jüdisch-religiöse Leben immer mehr in die Brüche gehen. Eine schleunige Abhilfe thäte sehr noth, sie würde in dem Augenblick eintreten, wo die Gemeinde mehrere Fleischer zum Koscherschlachten herbetzöge, und das wäre doch bei ernstem Willem des Rabbinats und des Vorstandes sehr leicht durchzusetzen. Mir erklärten mehrere Fleischer, daß sie gern bereit wären, koscher schlachten zu lassen. Und wie hier in großem Maßftabe diese Uebelstände in Thorn vorhanden, so existiren solche auch in vielen anderen Gemeinden. Möchte dieser Appell nicht lautlos verhallen, möchten die Thorner, und mit ihr alle andern Gemeinden sich aufraffen, und Zustände schaffen, die als selbstverständlich vorausgesetzt werden dort, wo, wie in Thorn der Ruf allbewährter Religiosität vorhanden ist. Frankfurt a. M., 2. September. In völliger körperlicher und geistiger Rüstigkeit feierte gestern, am 1. September, das Ehepaar Jsaac May (Sandweg 123) seine goldene Hochzeit im Kreise seiner Kinder und Enkel. Im Auftrag des Herrn Polizeipräsidenten überreichte nach einer feierlichen Ansprache Herr Rabbiner Dr. Horovitz dem Jubelpaar ein Glückwunsch-Schreiben aus dem kaiserlichen Civilkabinet und die von Sr. Majestät demselben verliehene Ehejubiläums-Medaille. Auch der Vorstand der israelitischen Gemeinde brachte seine Gratulation dar. Die Zahl der Freunde, welche persönlich und schriftlich ihre Theilnahme bezeugten, war eine sehr große. Leipzig. Das amtliche Organ der sächsischen Regierung, die „Leipziger Zeitung", welche auf dem Etat des sächsigen Stadthaushalts steht, bringt antisemitische Artikel aus einem Ostsecbade, welche, nach der „Freis. Z.", in gemeiner Hetze Alles übersteigen, was von der niedrigsten Sorte der Antisemiten geleistet wird. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Szenicz, 6. September. Mittwoch den 4. dieses verstarb hier die allseits geachtete Frau Chana Silberberg, Mutter des rühmlichst bekannten verewigten Rabbiners zu Pleschen (Posen) Dr. Elias Silberberg. Die Verewigte war!m wahren «Sinne des Wortes eine n«w*, die trotz ihres Wittwenstandes und ihrer sehr beschränkten Mittel alles ihr Mögliche, darauf verwendete, ihre Kinder in streng religiösem Sinne zu erziehen. Daß dies ihr gelungen, dafür war der Beweis, daß sie einen solchen Sohn hatte, der eine wahre Zierde des Judenthums war. Seit dem vor zwei Jahren erfolgten Ableben dieses bedeutenden Mannes war die gottergebene Frau immer leideud; endlich erlöste sie der Tod von ihren Schmerzen und sanft entschlummerte sie in ein besseres Jenseits, wo sie sich mit ihrem einzig geliebten Sohne wiederfinden wird. Bei der zeigte es sich, wie beliebt die Verewigte war. Die ganze Gemeinde, Groß und Klein, Männer und Frauen, Alles traf ein, um diesem Musterweibe in die letzte Ehre zu bezeigen. Herr Bezirksrabbiner I. L. Marmorftein schilderte in rührenden Worten das edle Wirken und Schaffen dieser nty« ronm und diese beredten Worte machte einen tiefen Eindruck auf die anwesende Trauerversammlung. Auch der Rabbinatsassessor Herr M. Feuer hielt ihr einen warmen Nachruf , worauf die irdischen Ueberreste dieser tugendhaften Frau der Muttererde übergeben worden. n"a«n Podjaee (Galizien), im August. In Folge der Verwendung des hiesigen Bürgermeisters Herrn v. Borowski und dessen Stellvertreters Herrn Isidor Lilienfeld hat Baron Hirsch für die hiesigen Abbrändler neuerdings den namhaften Betrag von fünfzig Tausend Francs gespendet. Dieser Betrag wurde auch in den letzten Tagen unter 761 arme Abbrändler ohne Unterschied der Eonfession gänzlich vertheilt. England. London. Herr F. D. Mocatta hat vom Oberrabbiner in Bagdad telegraphische Nachricht erhalten, wonach daselbst die Cholera herrsche, die unter der jüdischen Bevölkerung schrecklich hause. Das Unglück ist um so größer, als die Gemeinde nicht die Mittel besitzt für die armen Kranken zu sorgen nnd die Tobten zu begraben. Hilfe von europäischen Glaubensgenossen ist dringend und rasch nöthig. Baron von Hirsch in Paris hat 20,000 Fr. geschickt. Die Gemeinde zählt 26,000 Seelen. Syrien. Beyruth. Unser Glaubensgenoffe Dr. Jsaac Molcho Pascha, Brigadegeneral und General-Jnspector der Marinehospitäler, ist gegenwärtig auf einer Jnspectionsreise in Syrien angelangt. Derselbe hat vom Oberrabbiner in Konstantinopel gern den Auftrag übernommen, bei dieser Gelegenheit auf die Lage der Israeliten in Palästina seine Aufmerksamkeit zu lenken.

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