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Der Israelit · 1889-09-09 · Heft 72 (9.9.1889) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 72 (9.9.1889)
Date
1889-09-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1261 Holland. Haag, 31. August. Der heutige Geburtstag der Kronprinzessin Wilhelmine ist gegenüber den Vorjahren von Seiten der Bevölkerung mit ungewöhnlicher Begeisterung gefeiert worden. Am Mittag fand Parade statt; am Abend war die Residenz prachtvoll illuminirt und mit Transparenten sowie Emblemen geschmückt. Aus Rücksicht für die isr. Kinder wurde der Schülerzug zu einer Zeit angeordnet, in welcher diese die Sabbatruhe nicht zu stören genöthigt waren. Hiaöbk Mieser Aschkeilast. i. In einer der jüngsten Nummern dieser Zeitschrift wurde ein überaus tiefer Gedanke des großen Mannes, den unsere Ueberschrift nennt, wiedergegeben. (In dem Aufsatze „Aus dem Machsor" von Dr. Ehrmann.) Die wenigen Werke, die wir von ihm besitzen, sind voll großer, tiefer Gedanken. Der weltberühmte Rabbi Josua von Krakau rühmt von ihm, daß er ein Weiser in allen Wissenschaften gewesen, daß er über alle seine Zeitgenossen emporragte und daß alle großen Männer seiner Zeit seinen Rath und seine Entscheidung begehrten, daß er viele werthvolle Werke verfaßt habe, von denen jedoch nur zwei, Maaße Haschern und Lekach Joseph, durch den Druck veröffentlicht worden sind. Die jüdischen Geschichtschreiber der älteren Zeit *) wissen von ihm nicht mehr als das oben Gesagte zu erzählen und fügen nur noch hinzu, daß er Rabbiner in Posen gewesen, diese Stelle aber aufgegeben habe und im Jahre 5346 oder 47 (1586 oder 87) in Krakau gestorben sei. Sein voller Name war Rabbi Elieser Aschkenasi, Sohn des Arztes Rabbi Elija. Sein Werk, Maaße Haschem, wurde noch bei seinen Lebzeiten im Jahre 5343 in Venedig gedruckt. — Das ist Alles, was wir Zuverlässiges über Rabbi Elieser Aschkenasi wissen. Was wir in Folgendem aus dem Leben des großen Mannes mittheilen wollen, beruht auf mündlicher Ueberlie- *) Grätz nennt unseres Wissens nicht einmal seinen Namen. ferung; eine andere Quelle dafür ist uns nicht bekannt. Wie alle Wissenschaften hatte der junge Elieser, so wird erzählt, auch die Arzneikunde, namentlich an den italienischen Universitäten, eifrig studirt. Sein großer Wissensdurst erlaubte ihm jedoch nicht, sich ein Haus zu gründen, um diese Wissenschaft praktisch auszuüben; er sehnte sich vielmehr darnach, fremde Länder zu besuchen, fremde Völker kennen zu lernen, um so sein Wissen nach allen Seiten hin zu vermehren. Nach einer langen und beschwerlichen Wanderung kam er nach Jfpahan, der damaligen Hauptstadt des persischen Reiches. Hier vernahm er, daß der Schah schwer krank sei, und daß dessen Acrzte jede Hoffnung, das Leben des Königs zu erhalten, aufgegeben hätten. Rabbi Elieser ließ sich sofort in der Königsburg melden und verlangte, zu dem kranken Könige geführt zu werden. Nach unsäglichen Schwierigkeiten gelang es ihm, dieses Ziel zu erreichen. Sofort gewahrte er, daß die Aerzte die Krankheit des Königs nicht richtig erkannt und daher auch nicht die rechten Mittel angewandt hatten. Der kranke König faßte Vertrauen zu dem fremden Arzte und befahl, daß dieser allein die Behandlung zu leiten habe. Rabbi Elieser bereitete selbst die Heilmittel, die er dem Könige reichte. Alsbald trat eine Besserung in dem Zustande des Kranken ein, der nach wenigen Wochen, vollkommen genesen, das Krankenlager verlassen durfte. Die Dankbarkeit des Königs war grenzenlos. Er schenkte seinem Arzte einen Palast und Sklaven und Felder und Gärten und Silber und Gold, er zog ihn bei allen wichtigen Staatsangelegenheiten zu Rathe und ernannte ihn im Laufe der Zeit zu seinem Großvezier. Nun begann eine Periode des Glückes und des Wohlstandes für das persische Reich. Mißbräuche wurden abgeschafft, bestechliche und gewaltthätige Beamte wurden aus ihren Aemtern entlassen und durch redliche und wohlmeinende Männer ersetzt, dem unter schwerem Drucke seufzenden Volke wurden seine Lasten erleichtert. Gerechtigkeit und Milde wurden die Grundsätze der Verwaltung und der Rechtsübung. Das Volk jubelte und pries den König und seinen Großvezier. Allein, die Großen des Landes grollten in ihren Herzen und wurden die erbittertsten Gegner des neuen Machthabers. Sie haßten in ihm den Ungläubigen, den Juden, den Emporkömmling und vor allen Dingen den Schmälerer ihrer vermeintlichen Rechte, den Hinderer ihrer Gewaltthaten. Alle diese unzufriedenen Elemente schaarten sich um den ältesten Sohn des Königs, den Thronfolger. Dieser war von Natur zu Gewalt-

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