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Der Israelit · 1889-09-09 · Heft 72 (9.9.1889) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 72 (9.9.1889)
Date
1889-09-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1259 Und diese Macht, die das von hinfälligen Menschen fort und fort geübte Unrecht der endlichen Besserung vertrauend erträgt — vnrvDj in p, — diese wahre, in ihrer ganzen Tiefe auch dem erleuchtetsten Menschen unfaßbare, unaussprechliche Liebe Gottes, die den Gegenstand des göttlichen Gebots (Berachoth 7 a) bildet: 'am iBaziw um 'di ’DV3 rw sie ist es, die unser Machsor uns zum Bewußtsein bringen möchte mit den Worten: mnj uv ynr Du hältst den (strafenden) Arm zurück, mit Deiner (liebenden) Macht! (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Buttenwiesen (Bayern). Unsere Gemeinde wurde am my in tiefe Trauer versetzt. Unser langjähriger Gemeindesekretär und Cassicr '-> -onn id’33 bssn wurde unerwartet schnell seiner Familie und der Gemeinde entrissen. Mit ihm ist einer der immer seltener werdenden Männer dahingegangen, der piN “pn Dy min verband. Nach dem Tode unseres verewigten Rabbiners Rabbi Jomtof Sänger war er hier der einzige pob, bei dem man sich noch Raths in religiösen Angelegenheiten holen konnte. Das Studium in der min war auch seine Freude, und mit großer Aufmerksamkeit lauschte an jedem mv ein Kreis von Zuhörern seinen religiösen Borträgen. Ein bescheidener, gottesfürchtiger, friedliebender Mann, von dem man im wahrsten Sinne des Wortes sagen durfte, er habe in feinem Leben Niemandem wehe gethan, im geschäftlichen Verkehr die Ehrlichkeit selbst; wenn es sich um religiöse Angelegenheiten aber handelte, da war er der Mann der festen Ueberzeugung, der muthig, ohne Rücksicht und Furcht die gute Sache verfocht. Wir erfüllen hiermit nur eine Pflicht, wenn wir dem Verstorbenen diesen öffentlichen Nachruf widmen und ohne Uebertreibung sagen: auch unsere Gemeinde hat einen schweren Verlust erlitten. Möge der Allvater der tiefbetrübten Familie Trost schicken! — r. Berlin, 5. September. Wir begegnen häufig in jüdischen Blättern berechtigten Klagen über einen wunden Punkt im jüdisch-religiösen Leben, den ich auch hier berühren möchte. Es ist dies der leider so traurige Umstand, „daß die Zahl der „trefenen" Wirthschaften immer mehr zunimmt. Ich bin beständig auf der Reise, kenne fast in ganz Norddeutschland jedes Restaurant, und jüdisches Restauräuchen, weiß auch Bescheid, wenn keins vorhanden, — man geht zum Gemeindebeamten, oder besucht Bekannte in frommen jüdischen Familien, kurz, ich bin orientirt, und kenne die Schwierigkeiten, die dem gesetzestreuen, jüdischen Reisenden entgegentreten, um rituelle Beköstigung zu erhalten. Auf diesen Reisen machte ich eine Wahrnehmung, die sich von Jahr zu Jahr trostloser gestaltet, die „koscheren" Haushaltungen nehmen immer mehr ab, und hauptsächlich wird angeführt von den Hausfrauen, daß es zu schwierig sei, gesundes und koscheres Fleisch preiswürdig zu beschaffen. Wenn auch nicht in allen Fallen, so ist diese Behauptung doch in dem meisten zutreffend. Der Uebelstand ist in kleineren und mittleren Städten thatsächlich vorhanden, und wir müssen auf Mittel und Wege sinnen, solche zu beseitigen. Nach meinem subjektiven Dafürhalten wird der Uebelstand durch den Umstand herbeigeführt, daß die Corporationen dadurch, daß sie nur bei einem, oder bei zu wenigen Fleischern schlachten lassen, diesen ein Monopol des Koscher-Flcischverkanfs schaffen nnd — daß sie überhaupt Schlachtgeld erheben. Der erstere Umstand hat zur Folge, daß der Fleischer glaubt, es nicht nöthig zu haben, durch reelle Lieferung und durch zuvorkommendes Wesen Käufer zu gewinnen. Er braucht das einfach nicht, das Publikum muß bei ihm kaufen, es kann nicht wo anders seinen Bedarf decken, denn eine Concurrenz ist durch die Maßnahmen des Vorstandes für ihn ausgeschlossen. Er schnellt die Preise beliebig^ hoch, wird barsch und grob, unbekümmert ob man dem religiösen Leben schadet, oder nicht, und in anderer Weise Personen verletzt, er kann sichs ja leisten. Was Wunder, daß Frauen, die sich das Alles nicht gefallen lassen wollen, und denen nicht die feste Energie und Glaubensstärke inne wohnt, daß diese ihre Wirthschaften „trefe" einrichten, und diese trefenen Wirthschaften mehren sich in erschreckender Weise. Thorn z. B. ich nenne absichtlich diese Stadt mit Namen, zählte ja stets zu den frömmsten Gemeinden Westpreußens, und dennoch sind hier mehr als die Hälfte der Wirthschaften seit kurzer Zeit in „trefe" umgewandelt worden. Woher kommt dies? Einzig und allein daher, daß die bereits oben erwähnten Mißftäude in dieser Stadt in besonders hervorragendem Maße vorhanden sind. Im Interesse der Sache entzog ich meiner Berufsthätigkeit einige Tage, besuchte eine stattliche Zahl von Hausfrauen, die ihre früheren koscheren Wirthschaften aufgegeben, und hörte von Allen das Bedauern aussprechen, daß dem so ist Alle entschuldigten sich aber

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