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Der Israelit · 1889-09-09 · Heft 72 (9.9.1889) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 72 (9.9.1889)
Date
1889-09-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1257 die Schranken treten, um seinen Geschöpfen, die Er in das Dasein gebracht hat, das Sein zu ermöglichen. Daher wird auch die Erhaltung des Armen so strenge gefordert und ihre Unterlassung für die schwerste aller Sünden in Bibel und Talmud betrachtet: „Wer es unterläßt, Mildthätigkeit zu üben, ist, wie wenn er den einzigen Gott verleugnete und Götzendienst triebe." (Baba Bathra 10 a)3); die Ausübung der Mildthätigkeit aber wird als die höchste Tugend gepriesen, von der es heißt: „Wer Mildthätigkeit im Geheimen übt, steht höher als Moses, unser Lehrer" (daselbst 9d). *) Darum sind auch alle Gebote, welche die heilige Schrift über Mildthätigkeit vorschreibt, nicht als einfache Morallehren, sondern als strenge Gesetze zu betrachten. Strenge wird in erster Reihe gefordert, den Armen, die Wittwe und die Waise nicht zu unterdrücken oder zu beleidigen; wird dies nicht befolgt, so wird sogar mit dem Tode gedroht (Exodus, Cap. 22, B. 20, 21, 22, 23). Ferner: Wenn du dem Armen Geld leihest auf ein Pfand, so sollst du ihm dasselbe, wenn es ein Kleid ist, am Abend wieder zurückgeben, damit er darauf ausruhen kann; wird dies unterlassen, so erhöre Ich (Gott) sein Wehklagen, denn Ich (Gott) bin barmherzig (daselbst V. 24, 25, 26). „Beuge nicht das Recht des Armen" (daselbst Cap. 23, V. 6). „Behalte nicht den Lohn des Taglöhners bei dir bis zum Morgen" (Leviticus, Cap. 19, B. 13). „Wenn dein Bruder verarmt, so sollst du ihn aufnehmen bei dir, ihn unterstützen, daß er zu leben hat" (daselbst Cap. 25, B. 35). „Jede drei Jahre sollst du aussondern alle Zehnten des Ertrages dieses Jahres und es soll kommen der Levite, der Fremdling, die Wittwe und die Waise und essen und sich sättigen" (Deutron. Cap. 14, B. 28, 29). (Fortsetzung folgt.) Aus dem Machsor fü» die D'NTOH D’ö’ von Bezirks - Rabbiner vr. E h r m a n n in Baden (Schweiz). IV. König! gegürtet mit Macht! rnn) -mx Groß ist Deine Name durch Macht! n->nn 12^ Bei Dir verbleibt der Arm mit seiner ____ Macht! miMDyynrp Mit diesen drei Zeilen leitet das Machsor für s i enro een) n'b'bx -niy np-isn jö wy D^yon (M"y '* pp. die ü’N-mn o’D’ ein. Alle Waltungen, in denen uns Gottes Königsmajestät in Natur, Geschichte und im eigenen täglichen Leben entgegentritt, werden an unserem geistigen Auge in einer Bildersprache vorüber geführt, deren Kühnheit uns oft die Unmöglichkeit vergeffen läßt, Unendliches in endlichen Formen darzustellen. Die Heiligkeit der Sprache, der Feuergeist in den Worten der Propheten und ihre sinnige Deutung durch die Weisheit unserer Weisen, alles dieses wirkt zusammen, um unsere Pijutim zu der unübertroffenen, ja unerreichten Gotteshuldigung zu machen, die jeden fortreißt, der ihnen „Ohr und Herz" öffnet. Die Eigenart der heiligen Sprache zunächst! Sie hat für „Gewänder" und „Eigenschaften" ein und dasselbe Wort nnv und darf daher ohne mißverstanden zu werden von den Gewändern, in die sich Gottes Majestät hüllt sprechen, wenn sie die Waltungen und Eigenschaften Gottes zum Ausdruck bringen möchte. Sie regt durch die Gemeinsamkeit des Ausdrucks für zwei scheinbar ganz verschiedene Dinge zum Nachdenken über das beiden gemeinsame Moment an und führt dann ganz von selbst dazu, daß das Kleid für den damit Bekleideten als ganz dasselbe erscheint, was die Eigenschaft für den Charakter ist. Wenn Kleider Leute machen, weil sie einen Maßstab für den Geschmack und die Geschmacklosigkeit, den Reichthum und die Dürftigkeit u. a. m. abgeben, so machen es Eigenschaften in noch viel höherem Grade, nur mit dem Unterschiede, daß jene mehr äußerliche und diese mehr innere Eigenthümlichkeiten bekunden. Die Eigenschaften der Kraft und Macht, der Hilfe und Hoheit sind für uns abstracte Begriffe, aber die Gewänder der Kraft und Macht nehmen bestimmte Form an, welche die Gefahr unser Gottesbewußtsein in hohlen Gedankenformen zu verflüchtigen, sofort ausschließt. Es ist nun ungemein charakteristisch, wie in dieser Bildersprache, von der man fürchten sollte, daß jeder Zug die Gefahr einer Bersinnlichung des Göttlichen schaffe, sich ein Gottesbegriff entwickelt, dessen Erhabenheit und Lauterkeit nirgends sonst erreicht wird. Die Kühnheit dieser Sprache schreckt nicht davor zurück, die einzelnen Gotteseigenschaften auf die verschiedenen Gewandstücke zu vertheilen'und so jene durch diese zu symbolisiren. Aber die Art und Weise der Bertheilung bekundet unverkennbar wie tief die Bertheiler in das Geheimniß Gottes eingedrungen und wie glücklich sie in der Wahl dieser Symbolsprache waren, wo die bloße, dürftige 4) umrwDD nnr nnDZj njny nttnyn bai ntyta 'i nos (X"]/ '0 rp QV).

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