Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 71 (5.9.1889)
- Date
- 1889-09-05
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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1241 zehrte er die kümmerlichen Sparpfennige! Die alte Mutter war außer sich über das Benehlucn ihres Sohnes und war heimlich zu dessen ehemaligen Prinzipalen gegangen, wo sie thronenden Auges bat, doch dem Sohne wieder Beschäftigung zu gewähren. Hier erfuhr sie nun die thatsächlichen Verhältnisse. Entrüstet über den Leichtsinn des Sohnes wandte sie sich an den Bruder ihres verstorbenen Mannes, der das Amt eines Lehrers in einer kleinen Ort« schaft bei Leipzig bekleidet. Dieser schrieb nun au die Firma: „Geehrte Herren! Im Aufträge der Mutter Ihres chcmaligcu Commis Max P .... möchte ich Sic doch recht herzlich bitten, dem thörichten Menschen zu verzeihen. Mein Bruder war ein rechtschaffener Mann; er achtete alle Menschen und hatte viel Hoffnung auf den Jungen, der einst die Stütze seiner Mutter werden sollte, gesetzt. Seit drei Monaten nun hat schon der Max keine Stelle. Ich habe gehört, wie schändlich er sich betragen, wie undankbar er war gegen seine Prinzipale; aber verzeihen Sie das, Max ist in eine Gesellschaft gcrathen, die seine harmlose Gesinnung verdorben. Indem ich Sie bitte, einer armen, ehrbaren Frau nicht die letzte Stütze zu nehmen, hoffe ich davon zu hören, daß Max bald wieder wie früher, Ihre Zufriedenheit erworben." Noch in den ersten Tagen des August war Mar P.... wieder unter den alten Bedingungen bei der Handlung angestellt. Die Prinzipale waren gütig genug, dem jungen Manne Alles zu verzeihen! Karl Wiesenthal. Leipzig. Die Antisemitenführer, welche immer über jüdische Reclame schreien, entwickeln selbst eine Bescheidenheit, die unbedingt Anerkennung und Beachtung verdient! So meint Dr. Böckel im „Reichsherold": Oswald Zimmermann sei ein wahrhaft deutscher Mann, der für seine Sache sich aufgeopfert habe. Also scheint doch etwas Wahres daran zu sein, daß es mit der „Deutschen Wacht" : demnächst zu Ende gehen werde. Gute Nacht, Herr Zimmermann! Egon Pinkert war auch ein solcher Held, der schließlich Druckerei und Papierlicferanten nicht bezahlen konnte! — Noch höher hinaus geht Dr. König in seiner „Weftphälischen Reform". Da heißt es anläßlich einer antisemitischen Versammlung in Stettin: „Meister Sonnenberg sprach: Theodor Fritsch, der verdienstvolle, hervorragende Antisemit und Schriftsteller lejtete die Versammlung ein, die brausend aus tausend Pommerkehlen in ein Hoch auf den deutschen Kaiser einstimmte!" — Die „Stettiner Zeitung" behauptet nun aber, daß nur 200 Personen anwesend waren und Herr von Sonnenberg schwere Angriffe in der Debatte zu bestehen hatte! Man sieht, die Herren verstehen es, sich untereinander hochzubringen, und man sieht auch unter diesen Umständen ein, daß das große Bündniß: „Die deutsche Sieben" dem deutschen Volke nicht länger vorenthalten werden durfte! Obwohl Fritsch jüngst behauptete, ich lüge die Rabbiuerblätter geschäftsmäßig an, so liefere ich doch die Beweise, wie die Herren Antisemiten übertreiben! Karl W i e s e n t h a l. Leipzig. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde zu Halle mußte jüngst erfahren, wie wenig man oft von christlicher Seite geneigt ist, sich durch Friedensliebe der Judcnschaft, den Mitbürgern gern gesehen zu machen. In unmittelbarer Nähe der Synagoge befindet sich eine Böttcherei, die gewöhnlich während des Gottesdienstes sich sehr merkbar! machte und wesentlich dazu beitrug, daß die Andächtigen gestört wurden durch das laute Pochen und Hämmern. Der Vorstand versuchte sich hierauf gütlich mit dem Böttcher zu einigen, doch der Letztere machte nun erst recht alle Anstrengungen, durch Pochen und Hämmern die Gottesdienste zu stören! — Das Amtsgericht zu Halle lehnte die Klage des jüdischen Gemeindcrathes daselbst, wegen absichtlicher Störung ab, gleichso die eingelegte Revision — und ebenso das Reichsgericht! Die Gemeinde kostet diese Klage über zweitausend Mark. Wenn diese Mittheilung, die mir ein Halle'scher Bürger gemacht, auf Wahrheit beruht, so dürfte man gespannt fein, auf das fernere Betragen des Böttchers und das weitere Verhalten der Behörden. Auch in Leipzig wird der Gottesdienst oft auf ähnliche Weise beeinträchtigt, ohne bisher Abhilfe geschafft zu sehen. Karl Wiesenthal. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Ischl. Dem siebenjährigen israel. Pianisten Poldi Spielmann wurde kürzlich in Ischl die Auszeichnung zu Thcil, vor dem Kaiser und dessen beiden Töchtern, Prinzessin Gisela und Erzherzogin Marie Valerie, in der Kaiservilla hier sich zu produziren. Am Samstag wurde der kleine Schützling von der Erzherzogin Valerie abermals in die Kaiservilla beschicken. Die Kammervorsteherin der Erzherzogin empfing Frau Spielmann und ihr Söhnchen, entnahm einem Etui eine sehr werthvolle goldene Uhr sammt goldener Kette und Medaillon und hängte vem Kleinen persönlich Uhr und Kette um.