Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 71 (5.9.1889)
- Date
- 1889-09-05
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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124Ö und ob er von irgend einer Partei herausgegeben ist. Der Herausgeber war wie alle Kalcudereditoreu bemüht, dem Publikum zu nützen und etwas damit zu verdienen; der günstige Erfolg wird ihn unzweifelhdft zu weiteren Unternehmungen ermuntern. Die biographische Sctzze des neuen Oberrabbiners Marcus Hirsch '"-u, die dem Herausgeber freundlichst zur Verfügung gestellt worden ist, war dem Publikum besonders willkommen. Der Passus „Nunmehr begrüben wir ihn als den Unsrigen", gilt doch nicht als von einer Partei ausgesprochen, sondern generell. Der Glücksburger Correspondent allerdings und sein Anhang mögen sich davon ausgenommen wissen wollen. Es dürfte diesen auch schwer fallen, sich das Vertrauen des neuen Oberrabbiners zu erwerben, wenn derselbe erfährt, und erfahren wird er es, wie feindselig selbige dem verstorbenen Oberrabbiuer gegenüber, dessen Wirken unvergessen bleiben wird, aufgetreten sind und wie sie diesem das Leben verbitterten. Solcher Mann und solche Partei hat nicht das Recht, sich an den neuen Oberrabbiner heranzudrängen und dürste eS ihnen auch nicht gelingen, die treuen Anhänger des verklärten Oberrabbiner seinem Amtsnachfolger zu verdächtigen. Auf die beregte Correspondenz weiter eingehend, wird im Uebrigen das religiöse Verhalten des Oberrabbiners nicht durch den Vorstand, der ihn berufen, sondern einzig und allein durch den ir6» •p-iy geregelt. Der Hamburger Oberrabbiuer steht auch kraft seines Amtes in religiöser Beziehung über dem Vorstande, das mögen sich die Herren merken und von einer Bestätigung des Oberrabbiners durch die staatlichen Behörden ist tlach Maßgabe der Statuten, die abseiten des hohen Senats bestätigt sind, nichts bekannt. Sollte der Correspondent der Wochenschrift weiter Lust verspüren, in ähnlicher Weise zu berichten, dann könnte ihm mit Weiterem gedient werden, unter Anderem, wie er und seine Partei es gewesen, die unausgesetzt bemüht gewesen, den Synagogen-Verband, welcher doch den Oberrabbiner anstellt und besoldet, materiell zu schädigen, und daß es nur der verweigerten Mitwirkung des sel. Oberrabbiner Dr. Jsaacsohn zu danken ist, daß die rühmlichst anerkannte Hamburger hüti# damals nicht in Frage gestellt und ihre bedeutenden Einnahmen dem Synagogenverbande nicht verloren gingen. — Um schließlich auch sein Interesse für den Tempel zu bekunden, berichtet der Glücksburger Correspondent weiter — aber ohne Kommentar — über eine Feier im Hamburger Tempel, anläßich der Aufnahme von vier (christlichen) Bräuten (!?) in's Judenthnm, durch Dr. Leimdörfer. Jedenfalls hat von dieser Ausnahme (?), welche, abgesehen von ihrer Ungehörigkeit, angesichts der antisemitischen Bewegung auch noch sehr unzeitgemäß ist, das Judenthum weniger Vortheil davon, als Herr Dr. Leimdörfer, welcher früher solche „Convertirungen" bei seinem verstorbenen College« Dr. Jonas wahrscheinlich aus d'isid nNjp, nicht scharf genug glaubte tadeln zu müssen, und nunmehr selbst damit ein einträgliches Nebengeschäft betreibt. Leipzig, 30. August. Der Antisemitismus hat schon mehrfach Unglück unter die Anhänger dieser Partei selbst gebracht. Ein Beweis hierfür ist folgendes Ereigniß, das sich kürzlich in Leipzig zugetragen hat. Ein junger Mann von 23 Jahren war in einer hiesigen Handlung beschäftigt, wo die Geschäftsinhaber Israeliten sind. Der junge Mann empfing 140 Mark monatlichen Gehalt und mußte von dieser Summe seine alte Mutter miternähren. Im Handlnngshanse waren nun aber auch einige Angestellte israelitischer Confcssion und obwohl das Einvernehmen des Personals ein durchaus gutes war, so bemerkte man jüngst eine auffallende Veränderung im Wesen des obenerwähnten jungen Mannes; er erklärte sich plötzlich seinen Kollegen im Geschäfte als Anhänger der antisemitischen Partei, brachte Dr. Böckels: „Die Juden, die Könige unserer Zeit" und ähnliche Schriften mit in das Geschäft. Selbstverständlich schenkte man diesen Ereignissen keine Anftnerksamkcit, man lachte über die Geschmacksrichtung des jungen Mannes solange, bis derselbe endlich sein Wesen so weit trieb, daß seine Prinzipale hinter das Gebühren kamen. Der junge Mann hatte nämlich mit Hilfe eines Stempels auf allen Waarenpacketen, Pulten und Wänden: „Die Inden sind unser Unglück" abgedruckt! Hierüber zur Rede gestellt, erklärte er, daß er in der That mit voller Ueberzengung Antisemit sei und obwohl er seine Prinzipale als reelle Juden achten müsse, so sei doch die Gesammtheit des Judenthums eine Gefahr für deutsche Entwicklung." Die Prinzipale beschlossen, da sie wußten, der junge Mann müsse die Mutter ernähren, seinem Benehmen keine Beachtung zu schenken. Im April dieses Jahres nahm der junge Antisemit aber Veranlassung an seine Prinzipale zu schreiben, er wolle im Mai seine Stelle aufqeben und in ein christliches Geschäft eintreten! In der That verließ nun der junge Mann Anfang Mai das jüdische Haus mit guten Zeugnissen. Hier wurde er dann regelmäßig Abends in der Gesellschaft einiger bekannter Geschäftsantisemiten gesehen und so verr