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Der Israelit · 1889-09-05 · Heft 71 (5.9.1889) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 71 (5.9.1889)
Date
1889-09-05
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1236 goge wird 1000 Personen fassen (die hiesige jüdische Gemeinde zählt 1600 Seelen) und architektonisch eines der prachtvollsten jüdischen Gotteshäuser Deutschlands werden. Hoffentlich gelingt es, die Einrichtung noch als zu den hohen Festtagen fertig zu stellen. Die Einführung unseres neuen Rabbiners, der sehnsüchtig in unserer Mitte erwartet wird, ist, da derselbe im Bade weilt, auch noch nicht fest bestimmt, doch dürfte sein Amtsantritt spätestens um Mitte September erfolgen. h. Leipzig, 28. August. Vor einige« Tagen weilte der Reichstagsabgeordnete Dr. Böckel in unserer Stadt und zwar in Begleitung seiner gesetzlich angetrauten Frau Gemahlin. Der Empfang war ein sehr kühler; nur fünf Personen waren am Bahnhof. Die Absicht hier zu sprechen, mußte Herr Dr. Böckel aufgeben, da der Vorstand des hiesigen Reform Vereins momentan mit Herrn Dr. Böckel grollt! Von hier fuhr der Herr Abgeordnete nach Dresden, wo er gleichfalls sehr kühl empfangen wurde und nur in Gemeinschaft Zimmermanns und einiger anderer Radaumacher bis nach Mitternacht die Kneipen besuchte, wo sein „Reichs- Herold" gelesen wird! Es ist b e merke ns w erth, daß man auch in Dresden Herrn Dr. Böckel nicht veranlaßte zu sprechen — und die aristokratischen Autisemiteu, wo der Abgeordnete sonst zu Mittage speiste, sich bei Herrn Dr. Böckel gar nicht sehen ließen! Man braucht stch über diese Vorsicht der Vereine nicht zu wundern, wenn man die Ereignisse der letzten Zeit in Betracht bringt! K a r l W i e s e n t h a l. Leipzig, 30. August. Die „Leipziger Nachrichten", das Amtsblatt der kaiserlichen, königlichen und städtischen Behörden, zeigen heute das Konkurs- Verfahren über das Vermögen des Technikers Max Steinbach an. Der genannte Herr behauptete einst in einer Versammlung des konservativen Vereins, daß die Judenfrage schon darum einer schleunigen Erledigung bedürfe, weil täglich in überraschender Weise die Zahlungseinstellungen der Juden eine Gefahr für Handel undGewerbe werde! Der Herr Techniker hat nun selbst nichts an Juden eingebüßt — und doch seine Zahlungen eingestellt; wie reimt sich das zusammen? Er wollte sich die reichen konservativen Hausbesitzer und Fabrikunternehmer zu Kunden erwerben! Karl Wiesenthal. Rumänien. vr. 6. Bukarest, 2. September. Folgende Einzelheiten aus der Stadt Piatra, Hauptstadt des Bezirks Niamz, dürften darum interessiren, weil sie gewissermaßen über das ganze öffentlich-israelitische Leben ein übersichtliches Bild bieten: An Vereine l. „Ach awath Iisroel" zur Unterstützung kranker Mitglieder desselben und zur Beerdigung der verstorbenen. Präsident ist Herr Chajim Labowicz. 2. „Bikur Chol im w e-Talmud Thora." Darüber habe ich schon seinerzeit berichtet und ich will nur noch Nachträgen, daß die Einnahmen desselben 450 Francs monatlich betragen, sowie daß nach den Statuten nur Kaufleute in beit Verein ausgenommen .werden. Die Absonderung nach Klassen und Gewerben, die hauptsächlich in den nach ihnen benannten Synagogen sich abzeichuet, ist sonach auch im Vereins- und sonstigem Leben ausgedrückt. Obwohl der Verein „Bikur Cholim rc." keine kaufmännischen Zwecke, sondern das allgemeine Wohl im Auge hat, nimmt er keine Mitglieder anderer Gewerbe und also auch keine Beiträge an Geld von der Allgemeinheit an, was natürlich seinen Vornahmen nicht gerade zum Vortheil gereicht. 3. Da nun Handwerker in diesen Verein nicht zugelassen werden, so haben dieselben einen ähnlichen Verein für sich errichtet, der denselben Namen trägt, mit der Unterscheidung „für Handwerker". Dieser soll 300 Mitglieder zählen. Demnach — das will ich nebenbei konstatiren — müssen in der etwa 21,000 G e sam m teinwohner 300 israelitische Handwerker vorhanden sein, und zwar mindestens, denn es werden wohl nicht alle Mitglieder des erwähnten Vereins sein; hierzu kämen noch andere schwere Gewerbe. 4. Der „Reservisten-" oder „Krieger-Verein", über welchen ich schon berichtet habe. 5. Der Verein „Kaufmännische Jugend." Derselbe ist aus zugewanderten jungen Kaufleuten, die sich kürzlich hier niedergelassen haben, errichtet worden. Er zählt vorläufig blos 14 Mitglieder; Vorsitzender ist Herr Jsak Altmann. 6. Verein „Tikwah" (Hoffnung), mit dem Zweck ebenfalls die Talmud- Thora zu erhalten, besteht aus 70 jungen Leuten (Geschäftscommis) unter dem Vorsitz des Herrn B. Engelberg und unterhält auch einen Lesesaal. Soviel von den Vereinen, die sowohl in ihren Zwecken verschiedeuarttg, wie auch in stattlicher Anzahl vorhanden find und vor Allem die öffentliche Bestreitung der Hauptbedürfnisse: Schule, Krankenhaus und Bestattung zu ersetzen sich vorgenommen haben. Dazu kommen die beiden Vereine anderer Art. Was die Schule (Talmudthora) anbetrifft, so sind von

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