Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 71 (5.9.1889)
- Date
- 1889-09-05
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1237 130 Schülern, die sie hatten, nur 60 verblieben, weil der staatliche Schulinspector 70 derselben aus Mangel an Raum zu'streichen befahl. Die Lehrer für Rumänisch versehen ihre Stellen unentgeltlich. Der alte Friedhof ist in Gefahr von den Stadtbehörden eiugezogen zn werden, weil Mangels einer Organisation, man für zehn Jahre den Grundzins schuldet, deren Zahlung er unterliegt. Und der Magistrat hat große Lust den Friedhof wegzunehmen. Das Bad der Gemeinde ist, wie schon seit 1887 bekannt, s. Z. in fremde Hände übergcgangen, wegen einer geringfügigen Schuld, welche darauf lastete und weil den Regierungsbehörden gegenüber eine Gemeinde, beziehungsweise rechtsgiltige Vertreter derselben nicht anerkannt werden, auch wenn sie vorhanden sind. Der Piatraer Erzpriester Nicolaje Conta hat nun vor einiger Zeit eine neue Badeanstalt erbauen lassen und sich erboten acht Francs wöchentlich für Talmud-Thora und Bikur Cholim beizufteueru, um dadurch die Israeliten, welche das in der Nähe liegende früher gemeindischc Bad besuchen, zu sich herüberzuziehen. Ob er dies erreicht, weiß ich freilich nicht; allenfalls hat die israelitische Gemeinschaft jetzt keine eigene Badeanstalt und keine Einnahmen davon. Das Projekt zur Errichtung eines eigenen Krankenhauses ist vor Kurzem in's Auge gefaßt worden und sofern in Ausführung begriffen, als hierfür nun ein spezielles Comite funktionirt. Unter den Mitgliedern soll sich auch eine Persönlichkeit aus der hohen christlichen Gesellschaft Piatras befinden. Feuilleton. Schuld und Sühne. Erzählung von Friedrich Rott. (Schluß.) Löwenstein stieß einen Schrei des Entsetzens aus, kein Zweifel, sein Haus stand in Flammen! und sein Weib war Wöchnerin! und sein Kind. — In Todesangst wollte er hinuntereilen, Weib und Kind zu retten. — Doch ein Blick auf die geängsteten Kinder, die ihn umklammerten, die im von ihren Eltern anvertraut waren, deren Sicherheit gefährdet war, wenn er sie sich selbst überließ — Nein, er durfte sie nicht verlassen — mußte Weib und Kind der Fürsorge Gottes überlassen — mochte auch das Herz ihm brechen, seiner Pflicht konnte er nicht untreu werden. Höher und höher sah er die Flammen zum Firmament sich emporzüngeln, die Feuerglocke läutete, das Schreien und Toben der Plünderer ward immer unheimlicher und im Geiste sah er seine Frau mit dem Neugeborenen im Arm in dem flammenerfüllteu Raum unter den entsetzlichsten Qualen ersticken. Und dabei bemühte er sich unablässig, der nahezu zu Tode geängsteten Kinderschaar Muth zuzusprechen. Er hatte viel gelitten in seinem schmerzensreichen Leben; doch was er in jenen Momenten gelitten, übertraf nahezu alles Frühere. Plötzlich erdröhnte lautes Pochen gegen die Hausthür und gleich darauf ließen sich Schritte auf der Stiege vernehmen und Stimmen wurden laut. Aber cs waren nicht Stimmen von Plünderern, es waren Stimmen mehrerer Väler, die die Namen ihrer Kinder rtefeir. Laut jubelnd sprangen die Gerufenen ihnen entgegen. Und die Männer berichteten, daß soeben Militär die Schenke umzingele, die Plünderer unschädlich mache, und daß jede Gefahr vorüber. „Aber das Feuer!" stammelte Löwenftein, „mein Haus brennt! —" Voll Entsetzen blickten ihn die Männer an, das hatten sie nicht gewußt, denn ihre Wohnungen lagen nicht in der Nähe der Brandstätte. „Eilen Sie zu Ihrer Frau," sagte der Eine, „wir werden hier für die Kinder sorgen." Mit einem Satze war Löwenstein über die Stiege hinunter der Hausthür zugeeilt. Doch diese mußte er erst öffnen, denn die Väter, die zu ihren Kindern geeilt waren, waren durch die geöffneten Fenster in das Haus gedrungen. Trotzdem die Situation jetzt als gefahrlos bezeichnet war, herrschte in den Straßen noch wüstes Leben, Lärmen und Toben und ein widriger Alkoholgeruch erfüllte die Luft. Löwenstein blickte weder nach links noch nach rechts, mit nahezu übermenschlicher Auftreugnng drängte er sich durch die Menge, die vor der Schenke die ganze Breite der Straße einnahm und diese nahezu unpassirbar machte. Aber er mußte hindurch, koste es, was es wolle. — Und weiter eilte er, immer weiter, während ihm der kalte Schweiß von der Stirn herniederrann — und endlich hatte er die Straße erreicht, in der seine Wohnung sich befand, auch hier herrschte Lärmen und Schreien und die Menschen drängten einander — aber — ein Freudenschrei entrang sich Löwenfteins Brust — sein Haus lag unversehrt, das Brandobject befand sich vis ä vis von demselben.