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Der Israelit · 1889-09-05 · Heft 71 (5.9.1889) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 71 (5.9.1889)
Date
1889-09-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
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1235 Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin. Im „Militär. Wochenblatt" eifert ein „alter Offizier" gegen die Entheiligung der kirchlichen Ruhetage. Selbst während der bevorstehenden Manöverzeit sollte der Sonntag dienstfrei bleiben. Wir finden diese Kundgebung eines alten Soldaten sehr beherzigenswerth, — wie wir überhaupt jeder religiösen Empfindung unsere Achtung und Werthschätzung zollen —; wollte Gott, daß auch unsere heiligen Gefühle von unfern nichtjüoischen Brüdern geziemende Würdigung fänden. Wir begnügen uns mit der bescheidenen Forderung unfern jüdischen Soldaten das Feiern der Festtage in Friedenszeilen zu ermöglichen. Wir hoffen auch, daß Rabbiner und Vorstände aller Orten rechtzeitig die zu den Uebungcn cingerufenen Reservisten ermahnen werden bei den betreffenden Vorgesetzten den erforderlichen dreitägigen Urlaub nachzusuchen, bezw. denselben unterstützen und für rituelle Beköstigung sorgen werden. Unsere Brüder in Waffen bitten wir die Gcwissensbedenkcn nicht in dem guten Glauben zu verscheuchen, daß unter dem Waffcnrock alle religiösen Gefühle verstummen inüssen. Vaterlandsliebe und Treue zum angestammten Glauben lasten sich recht gut mit einander vereinigen, und da eine Beurlaubung einiger Soldaten auf drei Tage in Friedenszeiten, der Sicherheit des Staates keinen Abbruch thun wird, so darf selbst die glühendste Vatersliebe der Religion Israels dieses kleine Opfer bringen. Auf die gutgesinnten Kameraden wie auf den biedern Vorgesetzten wird dieses religiöse Pflichtbewußtsein nur einen angenehmen Eindruck machen, mit andern Faktoren zu rechnen, verlohnt sich nicht der Mühe. — Unser berühmte Stammesgenosse, der Orientalist Vambery |tn Budapest begrüßte den Schah von Persien bei dessen Eintritt in die Akademie der Wissenschaft in persischer Sprache. Der geistvolle Gelehrte erfreute sich des Vorzuges, mit dem asiatischen Potentaten in seiner Muttersprache reden zu können und hatte sonach die beste Gelegenheit für seine hartbedrängten Glaubensbrüder ein Wörtlein zu wagen. Wir zweifeln nicht, daß der gründliche Kenner persischer Verhältnisse den günstigen Moment zum Frommen seiner- Glaubensgenossen wahrgenommen hat. *)-Die Tischkarte zu dem großen Festmahl, das König Oscar *) Der Herr Korrespondent scheint nicht zu wissen, daß Prof. Vambery, ehemals Bamberger, schon vor vielen Jahren unserer heiligen Religion untreu geworden. — Red. von Schweden den Mitgliedern des Orientalistenkongreffes zu Ehren geben wird, ist bereits fertig gestellt, — eine in sprachwissenschaftlicher Beziehung wie ihres köstlichen Humors wegen gleich bemerkenswerte Arbeit. Die Verfasser der Karte sind die berühmtesten Orientalisten unseres Erdtheiles. Graf Landberg empfiehlt das schwedische Butterbrod in der Kairo-Arabischen Volkssprache, die Suppe wird von Schlegl auf Chinesisch gepriesen, die Fleischpastetcn begleitet Dillmann mit einem Lobgesang in der Geez-Sprache. Möller rühmt die Eigenschaften des Lachs in Sanskrit und verschiedene Zwischengerichte werden in syrischer, japanesischer, mandschurischer und hebräischer Sprache empfohlen. Am Schluffe folgt das Bentschen in — persischer Mundart. — Von den Neuerwerbungen, welche die egyptische Abtheilung der hiesigen königlichen Museen in jüngster Zeit gemacht hat, heben wir einen Abguß der.'althebräischen Siloahinschrift hervor; die königliche Nationalgallerie erwarb eine Bleistiftzeichnung Schadow's, „Josef im Gcfängniß" darstellend. N. D. Ratibor, 30. August. Der „Obcrschlesischc Anzeiger", das amtliche Organ für das Kretslandgericht Ratibor, schreibt heute Folgendes: „Der Tag der Einweihung der neu erbauten SYnag o g e der hiesigen jüdischen Gemeinde ist noch nicht bestimmt. Ursprünglich war der 23. September in Aussicht genommen. Unter Umständen wird jedoch die Einweihung bis Mitte Oktober hinausgeschoben werden müssen. Zur Zeit ist Herr Cantor Rosenthal bereits damit beschäftigt, die in der Synagoge während der Einweihungs-Feierlichkeit zur Aufführung gelangenden Gesangspiecen mit dem Chor einzuüben. Die Aufführung selbst wird, da Herr Cantor Rosenthal durch den Cultus in Anspruch genommen ist, Herr Kaufmann Wachsmann, Mitglied der jüd. Gemeinde, leiten. Es werden vier Piecen gesungen. Sollte vor dem Portal der Synagoge ein feierlicher Akt stattfinden, so werden Psalmen zur Aufführung gelangen. Eine Orgel wird in der Synagoge mit Rücksicht auf die strenge Richtung des neuen Rabbiners Or. Blumenthal nicht aufgestellt werden." Diese Mittheilungen des genannten Blattes sind in einem Punkte nicht ganz correct. Allerdings war bisher als der Tag der Synagogeneinwcihung der 23. September bestimmt, doch hofft man auch, an diesem Termine vorläufig noch festhalten zu dürfen. Der nun schon fast zwei Jahre währende Bau ist bereits vollendet, und wird an der inneren Einrichtung rastlos mit allen vorhandenen Kräften gearbeitet. Die Shna-

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