Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 71 (5.9.1889)
- Date
- 1889-09-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1232 auf mit dem Tode, wie es heißt (Mischte, Cap. 11, V. 7): mpn -pNn van di« moa „mit dem Tode des frevelhaften Menschen wird verloren der Endzweck seines Strebens"; denn, weil sein Thun nur darauf gerichtet war, die Genüsse dieser Welt zu erlangen, so ist der Tod für ihn das Ende, während der Fromme im Gegentheil im Tode die Grenze erreicht, jenseits welcher er die Vergeltung für sein edles Thun erwarten darf. Die hebräische Sprache hat für die deutschen Worte: Mann, Mensch vier Bezeichnungen: ,d*w ,"oa »tc'us. Das Wort chn, von now, bedeutet „Erdensohn"; tjnjx von „schwach sein", ist der schwache Mensch; naa, von "iaa „stark sein", ist der starke Mann; wh, der vollkommne Manu, wie es heißt: ferner on^Nn btn „der Mann Gottes." Und nun werden wir den Ausspruch des Rabbi Lewitas verstehen: „Gar sehr, gar sehr suche die Bewegung der Seelenkräfte zu bemeistern, denn, was der schwache Mensch, der die Bewegung seiner Scelenkräste nicht zu bemeistern versteht, sondern allen Leidenschaften die Zügel schießen läßt, im günstigsten Falle als Entgelt für sein verfehltes Thun hieniedcn erwarten darf, ist, daß sein Leib nach dem Tode von den Würmern verzehrt wird. Einst, so erzählen die Weisen*), hatte ein jugendlicher Held den Thron seiner Väter bestiegen und war der Beherrscher eines großen Reiches geworden. Alles, was er unternahm, gelang, und er verstand es, seine Feinde zu unterwerfen, ja, uoch mehr, er wußte die Unterworfenen und Besiegten durch Güte und Milde in treue und ergebene Freunde umzuwandeln. In Weisheit und Gerechtigkeit herrschte er über seine Unterthancn, so daß sie ihm in Liebe anhingen, und ihm von allen Seiten die größte Verehrung entgegengebracht wurde. So nahm cr täglich zu an Ruhm und Ehre, an Macht und Reichthum. Da bemächtigte sich der Stolz seines Herzens, und cr sprach in seinem Innern: „Wer gleicht mir auf dem ganzen Erdenrunde? Ich bin mehr als ein Mensch, ich bin ein göttliches Wesen!" — In einsamen Stunden jedoch bemerkte der König, daß der Hochmuth, der ihn erfaßt hatte, eine Krankheit sei, die ihm gefährlich werden könnte. Er suchte dagegen anzukämpfen, allein der Schmeichler Schaar gab der Krankheit stets neue Nahrung. — In dem Reiche dieses Königs lebte fern von der Residenz ein berühmter Weiser. *) Aus HD“)3 mJ3 nach „Mecholath Hamachanjim" aus einem handschriftlichen Werke des Rabbenu Moscheh Kordovero. Zu ihm schickte der König einen vertrauten Boten, und bat, ihm die Mittel anzugeben, wie er dem aufkeimenden Stolze entgegentreten könne. Der Weise ließ ihm sagen: Vermindere deinen Hofstaat und verbanne die Schmeichler aus deiner Nähe. — Der König that also; allein, die Krankheit hatte bereits zu sehr Wurzel gefaßt. Der König schickte abermals zu dem Weisen, und dieser gab ihm den Rath, die königlichen Gewänder abzulegen und auf jede Pracht zu verzichten. Der König befolgte auch diesen Rath, jedoch wiederum ohne Erfolg. Als er zum dritten Male die Hilfe des Weisen erbitten ließ, entschloß sich dieser, nach der Residenz zu gehen, um persönlich mit dem Könige zu reden. Der König empfing den Weisen mit großer Freundlichkeit. Es war ein schöner, aber heißer Frühlingstag, und der König forderte den Weisen auf, mit ihm im Schloßgarten zu lustwandeln. War das ein herrlicher Park! Blühende Bäume und prachtvolle Blumen füllten die Luft mit Wohlgeruch, kostbare Springbrunnen, Meisterwerke der Kunst, verbreiteten angenehme Kühle, mächtige Bäume gewährten erquickenden Schatten, während die Vögel des Himmels, die lieblichen Säuger der Lüfte, ihr fröhliches Gezwitscher erschallen ließen. Der König und der Weise schritten durch den Garten, und die Zeit verflog schnell bei dem Austausch der Gedanken. So waren sie unvermerkt in einen entlegenen Winkel gelangt, welchen der Gärtner zur Aufnahme von Dingen bestimmt hatte, die dem Moder anheim gegeben wurden und später als Dünger benutzt werden sollten. Hier blieb der Weise stehn und blickte gedankenvoll auf die modernden Ueberreste. Der König aber wurde ungeduldig und sprach: Warum verweilst Du an diesem Orte, dessen Anblick Ekel erregt und der die Luft mit üblen Gerüchen erfüllt? — Mein Herr und König, antwortete der Weise, ich habe an die vermodernden Stoffe eine gewichtige Frage gerichtet: warum, fragte ich, seid ihr so umwandelt, ihr Stoffe, die ihr noch vor kurzer Zeit die Menschen durch euren herrlichen Anblick und durch euren köstlichen Duft erfreut habt? — O, rief der König, du brauchst mir die Antwort nicht mitzutheilen, ich weiß wie sie lautet; wahrlich, auch ich in aller meiner Pracht und Herrlichkeit, werde eines Tages der Vermoderung und Verwesung anheimfallen. — Wohl dir, sprach der Weise, daß du selbst, o König, diese Schlußfolgerung gezogen! So hat auch Rabbi Lewitas aus Jabneh gesagt: Gar sehr, gar sehr halte niedrig deinen für den Hochmuth empfänglichen Geist, denn es wird kommen der Tag, an welchem Würmer und Maden deinen Leib verzehren. Beherzige