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Der Israelit · 1889-09-05 · Heft 71 (5.9.1889) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 71 (5.9.1889)
Date
1889-09-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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%XX. Jahrgang. M TL Zsraelü »«*Ieschurun. Wüft |ur FSrdenul- M. (Stiftes und D. ftbens ln gm. Geweinbe und KGlt. GenLrak-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Herausgegeben von Dr. Lehmann in Mainz. - i -- - -- . — Donnerstag, den 5. September 5649 (1889). Leitende Artikel. Die Sprüche der Wüter. Viertes Buch. XXI. Mainz, 2. September. „Gar sehr, gar sehr suche die Bewegung der Seelenkräfte zu bemeistern und glaube niemals, daß du diese Herrschaft über dich selbst schon vollkommen erlangt habest, sondern fahre stets fort, dich in der Beherrschung deiner selbst zu üben, denn diese Eigenschaft ist die Schatzkammer aller köstlichen Kleinodien; durch sie wirst du erlangen die Gotteslehre und die Weisheit, durch sie wirst du sie bewahren in deinem Herzen, durch sie wird die Weisheit Wurzel fassen in deinem Innern und dich lehren, all dein Thun den Vorschriften der Weisheit gemäß zu gestalten, bis du so glücklich sein wirst, ein Weiser, ein Vernunftvoller, ein Gottesfürchtiger zu werden. Es gibt keine kostbarere Eigenschaft und die ihr entgegengesetzte, daß nämlich die Bewegung der Seelenkräfte, ungezügelt und ungehindert, die Herrschaft über dich gewinnt, ist die schlimmste, die Quelle des Hochmuths, des Stolzes, des Uebermuths, des Ehrgeizes, der Habsucht — die Ursache aller bösen Thaten. Um nun die köstliche Eigenschaft der Selbstbeherrschung zu erlangen, zu vervollkommenen und zu erhalten, muß man stets bedenken: bojn mprw Wir können nach Rabbi Herz Wesel auch diese Schlußworte unserer Mischna nicht ohne weiteres übersetzen, sondern müssen sie erst erklären: Gewöhnlich übersetzt man: „Denn die Hoffnung des Menschen ist der Wurm." Wir haben bereits erwähnt, daß die Commentatoren unserer Maßechta an dieser Ausdrucksweise Anstoß nehmen, denn welcher Mensch! wird erhoffen, daß sein Leib von den Würmern I verzehrt werde? Wir haben ferner erwähnt, daß Rabbi Ltppmann Heller das Wort mpn in der Bedeutung „Meßschuur" genommen wissen will. Rabbi Herz Wesel belehrt uns, daß die Grundbedeutung des Wortes mpn, welches wir gewöhnlich mit „Hoffnung" und Josua, Cap. 2, V. 18 mit „Meßschnur" übersetzen eine und dieselbe sei. Die Begriffe mpn und „Hoffnung" decken sich nicht vollständig. Das hebräische Wort bedeutet vielmehr die Vergeltung, die man für sein Thun erwartet, was man allerdings vielfach mit „hoffen" wiedergeben kann. Daß dem so ist, geht deutlich aus Jjob, Cap. 7, V. 2 hervor: itys mp' tdboi „und wie ein Tagelöhner erhoffen wird sein Thun", das heißt: wie ein Tagelöhner erwartet den Lohn für seine Arbeit. In diesem Sinne kann man auch den von Rabbi Lippmanu Heller angeführten Vers (Mischle, Cap. 11, V. 23) erklären: .mzjy dwi mpn -jn npny nwn Die Sehnsucht des Frommen ist, Weisheit, Erkeuntniß und Gottesnähe zu erringen, der Bösewicht hingegen will nur genießen und seine Leidenschaft befriedigen. Beide erlangen, was sie wollen: der Fromme die ewige Seligkeit im künftigen Leben, der Frevler den Zorn des allgerechten Gottes und die Strafe für das frevle Thun. Wir können demnach den Ausspruch des weisen Königs übersetzen: „Die Sehnsucht der Frommen ist das ewige Gut, die Bösewichter dürfen nur Zorn erwarten." So hat auch unser Vater Jakob gesprochen (1. B. M., Cap. 49, V. 18): 'i >mip -jnwi? „ich habe all mein Thun mein ganzes Leben hindurch derart zu gestalten mich bemüht, daß ich Deinen Beistand, mein Gott, erwarten durfte." Alle irdischen Güter, alle Freuden, alle Vergnügungen, alle Neigungen und Leidenschaften hören

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