Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 70 (2.9.1889)
- Date
- 1889-09-02
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1220 So ertönt der Lockruf von dem halb aus dem Meere, halb aus den Wolken hervortauchenden Palästina dem an Bord stehenden jüdischen Pilger entgegen, dem das Herz zum Zerspringen voll ist, die Pulse schlagen schneller, als je, hätte er nur Flügel, er möchte hinfliegen und die geliebte, heimathliche Erde mit seinen Thränen benetzen, mit den Thränen der Freude des Wiedersehens nach so langer und banger Trennung, aber auch mit den Thränen der Wehmuth, der Vergangenheit gedenkend und denen des bitteren Schmerzes, der Gegenwart sich erinnernd. Mit dem Hinfliegen ist's jedoch schlecht bestellt, das Meer an den Ufern Jaffas ist seicht. Der Dampfer kann nicht weiter, die Araber kommen mit gierigem Freudengeschrei in Ruderböten herangeschwommen, gierig darnach, den Europäer um einen halben Piaster leichter zu machen, dabei hauen sie sich gegenseitig blutig, denn Einer gönnt dem Andern nicht den Verdienst, das Boot schwankt entsetzlich, die Frauen zittern vor Angst, aber auch uns bemächtigt sich eine heftige Aufregung, bedenklich schaukelt die Barke, die Wellen gehen mannshoch, bald steht das Boot senkrecht und wir halten uns krampfhaft an der andern Seite desselben fest; wie, — so nahe am Ziele — und wir sollten, wie einst Moses im Anblicke des heiligen Landes sterben, das Land von der Ferne gesehen, aber nicht betreten haben?!!!-O, Gott, Hab' Erbarmen! „Warum braust es so?" frage ich meinen Nachbar, „hier hat man Jona ins Meer geworfen!" erklärt er mir. „O, da kann ich Ihnen noch eine andere Erklärung geben", erwidere ich. „Sagen Sic, Herr Gordon, Sie waren doch schon häufig hier, braust hier das Meer immer so, trotzdem fast kein Lüftchen sich bewegt? — „Ja, immer, seit jeher war es so." — O, dann ist es nicht anders, als wie ich gleich gedacht habe. Dieses Wasser ist bereits heilig, es gehört schon Palästina an und folglich beginnt hier bereits auf dem Meere die Verwüstung. Aber die Verwüstung zeigte noch ein erschrecklicheres Bild, als wir dicht an's Land herankamen, da hoch oben lag das Land, das türkische Zollhaus in Jaffa, und hier tief unten standen wir im Boot, keine Brücke, keine Treppe, die hinaufführt. Das ist echte arabische Mißwirthschaft. So lasset Ihr das gute, köstliche Land verkommen!! Da springen sie schließlich in's Wasser, die schmutzigen Gestalten, halb nackt, tragen die Passagiere nach dem Ufer, dort wird man in die Höhe gehoben, und da steht man endlich hochaufathmend auf dem Feftlande. Diese Art zu landen, mußten der Herr Baron und die Frau Baronin Edmund von Rothschild aus Paris, die dem Lande der Väter ein sehr bemerkenswerthes Interesse entgegenbringen, sich ebenso gefallen lassen, als irgend einer der Passagiere, und er- I freut sich Einer von Letzeren des Besitzes eines umfangreichen schweren Körpers, so hat er das Vergnügen, von zwei Arabern 5 Minuten lang im Meere herumgetragen zu werden. Der Eindruck, den man im Lande empfängt, bleibt elend, solange man in der Umgebung der Araber sich befindet; noch wird man von ihnen halb umschmeichelt, halb umdrängt, sich ihnen anzuvertrauen, um von ihnen geführt zu werden, bis man mit dem Schirm um sich schlägt und ihnen gebieterisch „chalass“ cnU gegendonnert, chalass, erledigt, ich bin fertig mit Euch, ich will nichts mehr mit Euch zu thun haben, dann zerstreuen sie sich; ist man aber die Araber endlich los und begibt sich zu den Israeliten, da athmct das Herz erleichtert auf, da bemerkt man sofort Ordnung und Reinlichkeit, im jüdischen Hotel Kaminitz in Jaffa, das wundervoll gelegen, vorn und rückwärts von großen, paradiesischen Lustgärten umgeben, fühlt man sich behaglicher, als in irgend einem Hotel Londons, der Luxus und Aufwand ist hier größer, als in dem Hotel irgend eines fashionablen Badeortes Böhmens, das Essen, lucullusartig verschwenderisch, bezüglich der Reichhaltigkeit und Ausgesuchtheit schmackhafter und delicater, als ich es in Europa jemals genossen. Sehr viele vornehme europäische Christen verkehren in dem Hotel des Herrn Kaminitz in Jaffa, dessen Vater das Hotel Jerusalem in Jerusalem gehört und das ähnliche Vorzüge besitzt. Ich sah Unterschriften von deutschen Grafen und englischen Lords, die im Fremdenbuche des Hotels ihre hohe Befriedigung über das angenehme Wohnen und das delicate und reichhaltige Breakfast ausdrückten. Und das Baden erst in den Küstenplätzen des heiligen Landes! Welcher Hochgenuß, wie erfrischend und belebend! Das mittelländische Meer bei Jaffa — in der Bibel Jom Hagodol geheißen — ist seicht, man tritt in's Wasser, geht gemächlich 2—3 Minuten weiter in's Meer, aber das Wasser reicht Einem kaum bis zu den Knien, dann aber kommt von Weitem her, langsam aber sicher, ein heftiger Wellenschlag, der den ganzen Körper bis zum Kopfe abspühlt, man stellt sich fest hin. sonst liefe man Gefahr umgeworfen zu werden, der Wellenschlag verläßt Einem wieder, um mit der Regelmäßigkeit einer Uhr nach Verlauf von je 5 Minuten wiederzukommen. Gestärkt und erfrischt an allen Gliedern, schlendert man noch eine gehörige Strecke lang in dem an den Ufern aufgehäuften, sehr muschelreichen Meeresstrande herum, besteigt den Esel und befindet sich in kaum 30 Minuten an der wohlbedeckten Tafel des Hotel Kaminitz. Und was die Gärten Jaffa's, diese paradiesischen Lustgefilde betrifft, da lassen Sie sich lieber von dem Munde des Herrn Kaminitz erzählen, einem beredteren, als dem meinigen. L 3 d d ci u I w A stc w, sei Kl vo tie utt bO( m erst fti Zu das Jaj wir aus Sch der Pher soba Rutl Sic Pflat um ehe,