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Der Israelit · 1889-09-02 · Heft 70 (2.9.1889) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 70 (2.9.1889)
Date
1889-09-02
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXX. Jahrgang. Beilage M^70i>es„I8r»ellt^L„IrschurM Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Görlitz, 29. August. Geschäftsreisende aus Schlesien, jüdischer Konfession, sind in den jüngsten Tagen aus Rußland ausgewiesen worden, weil ausländische Juden in Rußland keine Geschäfte machen dürfen. Amerika. New-Aork Unser Glaubensgenosse, Herr Louis Salzbacher, wurde zum Oberrichter der amerikanischen Provinz Neu-Mexiko ernannt. Wie berichtet wird, ist Herr Salzbacher nicht nur ein pflichttreuer Beamter, sondern auch ein Wohlthäter der Armen und vor allem ein glaubensfester Jude, der sich dem anierikanischen Reform-Schwindel nicht angeschlossen hat. Feuilleton. Erste Eindlüstlk vom tzl.MSk, sobalö Jaffa i« Sicht. Mitgetheilt von Siegmund Fischer in Hamburg. „Hören Sie, diese wildromantischen Landschaften Palästinas, diese Colossal-Felsblöcke, die dort Jahrtausende schon die Erde bedecken niögen, sind so unnatürlich, auf der ganzen weiten Welt ist derartiges nicht zu finden, daß ich fast glaube, die müssen vom Himmel herabgefallen sein!" so sprach zu mir ein christlicher Gärtner aus Tyrol, der im Aufträge eines deutschen Naturforschers seltene Pflanzen in Persien und auf dem Libanon sammeln sollte, und den ich auf der Rückfahrt in Port-Said am Suezkanal kennen lernte. „Und warum nicht? erwidere ich ihm, „Palästina war das Land der Wunder und bleibt das Land der Wunder. Früher ereignete sich dort Vieles, was Menschenverstand nicht erfassen kann, was nicht in den Gesetzen der Natur begründet lag, der Regen fiel im Winter zur Erde nieder (im Sommer regnet's dort überhaupt nicht, bloß einmal zu Zeiten Samuel's und damals galt es gerade deßhalb als ein unerhörtes Wunder), aber die Flammen des Altars, der unter freiem Himmel stand, wurdemicht dadurch verlöscht; in Alexandrien sah ich ein kleines nacktes Araberkind in den Bazaren liegend, das von den Fliegen, ohne die man sich den Orient nicht denken kann, buchstäblich am ganzen Körper schwarz besät war; im Schlachthause beim früheren Tempel in Jerusalem aber, wo die Opferstücke aufbewahrt lagen, wurde im heißesten Sommer nicht eine einzige Fliege bemerkt. Jetzt freilich ist das Land verödet, aber selbst die Ocde ist unnatürlich, hier hat die Gottheit persönlich eingegriffen, um ein Bild entsetzlicher Verwüstung hervorzuzanbern. Bemerkten ^ie nicht auf der Fahrt von Port-Said nach Jaffa, wie so Wunderbares das Meer darbot? Auf dem Mittelländischen Meere herrscht bei gutem Wetter fast vollständig unbewegliche See, auf spiegelblanker Fläche fährt der Dampfer dahin, als befände er sich in der Alster in Hamburg, mit e in e m Male, 1—2 Stunden vor Jaffa, fängt das Meer heftig zu brausen an, sobald der Küstenstrich Palästinas in Sicht kommt und das Auge des Passagiers voll Entzücken die Spitzen der Berge des heißgeliebten Landes erblickt, des Landes, in dem jeder Stein den jüdischen Pilger so zutraulich anheimelt, als wollte er sagen: Du, Dich kenne ich, hier sind Deine Urahnen dahingewandelt, hier werben auch einst Deine Kinder bis in späteste Zeiten wandeln. Küsse mich, denn ich bin Dein Eigenthum, der allmächtige Gott, der die ganze Welt in's Leben gerufen, hat dieses köstliche Land extra für Dich und Deine Kinder und Kindeskinder geschaffen, und es Dir zugeschworen für ewige Zeiten. Gehe nicht von mir, das Land liebt Dich, und geht Dir erst das Herz auf, so liebst auch Du es, hat Dein Fuß erst einmal den heiligen Boden betreten, so wirkt er wie ein Magnet auf Dich ein, Du kehrest bestimmt wieder. Sieh, hier ist .jeder Fußbreit Erde heilig, diesen Boden hat der Prophet Jona betreten, um vor Gott nach Tarschisch zu flüchten, dort nahm der Stamm Dan seinen Besitz, da gibt es keine Schlangen, der Segen Jakobs wirkt auf die Natur ein; komm her, verlaß mich nicht! — Wie doch in den Arabervierteln die Lust verpestet ist, die Luft, die sonst so rein und klar, da sie rechts von dem Meere, links von den hohen Bergen Jerusalems kommt. Ihr Reichen, aus Israel, ziehet hierher, hier könnt Ihr besser und genußreicher leben, als in dem durch die Ueberarbeitung sich selbst aufreibenden Europa und dabei ist das Leben hier weit billiger als dort. Ihr Reichen, ziehet her und unterstützet die jüdischen Armen Europa's, daß auch sie endlich das Angesicht der alten trauernden Mutter wiederschauen. Kommt her, Euer Herz gehört hierher, wo ehemals Eure Wiege stand!"

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