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Der Israelit · 1889-09-02 · Heft 70 (2.9.1889) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 70 (2.9.1889)
Date
1889-09-02
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1221 Kommen Sie, ich will Sie in den Garten des Baron Ostnach führen; ich habe unumschränkte Vollmacht über den Garten, außerdem befindet sich jetzt der Baron mit seiner jungen Frau auf den schneeigen Höhen des Libanon, da stört uns Niemand. Sehen Sie, diesen Baum da, den konnte ich vor 14 Tagen circa, noch umarmen, heute geht es nicht mehr, in den 14 Tagen ist er nocheinmal so dick geworden. Bitte, mein Herr, nennen Sie mir irgend eine Blume, irgend einen seltenen Baum, meinetwegen von den Ufern des Ganges! Alles können Sie sehen." — „Ich bitte 1000 mal pardon, ich bin nicht so bewandert in der Botanik." — „Dann will i ch Ihnen zeigen." Und da packt er mich am Arme. „Schauen Sie, hier haben Sie die Jndigoftaude, die haben wir von Jericho und den Ufern des Jordan hier eingeführt. Und was riecht hier so scharf? Das ist al Nane, die Pfeffermünze, dort die Raute, die ganze Strecke lang, die Sie hier sehen, lauter Melonen-, Feigen-, Citronen-, Akazien-, Maulbeer-, Lorbeer-, Granatäpfel-, Oliven-, Dattel-, Ethrogim-, Mandel-Bäume. Die Einfriedigungen des Gartens, die bestehen aus Evasfeigcnbäumen, nach Meinung der Araber, aber das ist nicht wahr, das ist ganz etwas Anderes (leider habe ich den Namen vergessen). Und hier, welch köstliches Aroma, das ist Jasmin (wer denkt nicht an Rahel und Rüben), woraus sie in Paris die feinsten Parfüms machen. Alles wächst hier. Das ist al Warak, die Papierstaude, hier sehen Sie Baumwolle, Hanf und Tabak wachsen, das haben wir von Schehem hergeholt, sehen Sie, wie das Alles gedeiht, ein gottgesegnetes Klima" — und dabei schaute er mit einem Blicke voll Dankbarkeit und Gottseligkeit zum Himmel. „Sehen Sie, wie wolkenlos der Himmel, solches tiefdunkles Blau suchen Sie in Italien vergebens und des Abends, welch sternbesäter Himmel, da ist doch kein Fleckchen frei, — an die Verheißung an Abraham werde ich jeden Abend erinnert, und d i e j erfüllt uns stets mit neuen Hoffnungen, Israel st ir b t nicht aus! Und was ist das? Das ist Zuckerrohr, so mannshoch wie hier, schauen Sie das nirgends in der Welt, das ist unser Stolz in Jaffa, damit erfreuen wir unfern Gaumen, denn wir saugen den süßen Saft bloß mit dem Munde aus und die dünnen Röhren gebrauchen wir zu Schreibfedern; hier sehen Sie die Terebinthe, aus der das Terpentin gewonnen wird, dort das Gopherholz, das werden Sie noch mehr wachsen sehen, sobald Sie sich am Grabe Jschai, Obi, David und Ruth Hannewiah in Hebron befinden, hier haben Sie eine Zeder vom Libanon, die wir hierhergepflanzt, und nicht zu vergessen, dort, die stolze, vielleicht tausendjährige Zypresse. Wenn ich d i e sehe, muß ich immer weinen, denn wenn Sie nach Jerusalem kommen, dann wird Sie doch wohl Ihr erster Gang zur Koßel Maarowt führen. Diese besteht aus 23 Steinfchtchten, von denen aber nur die untern 9 Reihen der davidisch-salomonischen Zeit angehören, sehen Sie dann hoch oben hinauf, dort, wo die Höhe der westlichen Mauer, die ja nur Jesod-Grundmauer bildet, die man später erst bloßgelegt hat, aufhört, der Fußboden des Har-Habajith, unseres ehemaligen Tempels, erst beginnt, so erblicken Sie in der Gegend innerhalb der j Mauer, aber dicht daran, also auf unserem Har Habajith, mehrere außerordentlich hohe Cyprefsenbäume, von Arabern htngepflanzt; diese Cypress e n nennen die Juden A s ch e r o t h, und mit Recht, weil die Bomoth, die Haine der phönizischen Götter, viel mit Cypressen bepflanzt waren, die man wegen ihrer Höhe und Schönheit heilig verehrte. Wer diese auf unserm Tempelplatze jetzt stehen sieht, (und die Betenden vor der Koßel Maarowi haben sie leider täglich vor Augen) dem zieht sich das Herz krampfhaft zusammen, o Gott, warum duldest Du die Unreinheit auf Deinem Heiligthum, warum ist der Berg, ascher chamad lau elohim leschiwto, so entweiht? Schaut zu den Ascheroth hinauf, hier habt Ihr das Sinnbild des Abfalls vom jüdischen Gottesgesetz! lautet die tiefernste Antwort, weil die Könige Juda's, mit wenigen Ausnahmen, anstatt im Tempel allein, sich niederwerfend, den Weltenkönig anzubeten, auch an den Ascheroth der anliegenden Anhöhen, dem Har-Hamaschchith bis zum Gey ben Hinnom, den Nachbarvölkern nachahmend, Opfer und Weihrauch darbrachten.-Aber wenn Israel seine Mission zu Ende geführt haben wird, dann werden wir die Cypressen auf dem Morijaberg ausrotten, daß auch keine Spur mehr davon übrig bleiben wird, die Al-Sachra der Moslims wird nicht mehr die Achsa und die Achsa nicht mehr die Al-Sachra schauen, der Berg Zion im Süden, jetzt verunreinigt, wird wieder heilig werden, der Name Har-Hamaschchith wird verschwinden und das ganze Gebirge im Osten und Südosten wird nur Har-Hasesim heißen, auf dem Gottes Füße an jenem Tage stehen werden. Und welcher Völkerstrom wälzt sich dort das Kidronthal entlang? Das sind die Abgesandten aller Völker der Erde, die, an dem Rockzipfel irgend eines jüdischen Mannes sich anfassend, hinpilgern zum Moriaberge, um dem Gotte Israels als einig-einzigen König der Welt zu huldigen: Gott wird ewiglich regieren! Wochen - Kalender. §reitag, 6. Sept., io. Elul. amstag, 7. Sept., 11. Elul NäH *3 Sabbat-AuSgang 7 Uhr 25 Min. (Mainzer Uhr.)

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