Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 70 (2.9.1889)
- Date
- 1889-09-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1212 gerade d er Mensch an dem Ehren-Throne Gottes hat. — Ov'm» nddi. Denn so hoch erhaben — d-) — dieser Gottesthron unser ganzes Denken und Wissen auch überragt, er ist dennoch kbu, er wird getragen, er Hat seine Träger auf Erden, ja wir selber, jeder einzelne von uns, jedes Thun, jedes Wort, das von uns ausgeht, dient dieser Trägerschast, wird zum Verkünder und Herold des Göttlichen auf Erden! Dönnn on«" »m durch den Mund des Redlichen wirst Du erhoben! Mehr als durch dasjenige, was die Menschen gewöhnlich Gottesdienst nennen, mehr als durch die Prachtbauten, die sie zur Ehre Gottes errichten, wird doch Gott durch das wahre, gerade, ehrliche Wort eines jeden redlichen Menschen erkannt und anerkannt. In einer Zeit gar wie die unsrige, in der die tönende Phrase herrscht, in welcher die „conventionellen Lügen" solche Bedeutung erlangt haben, daß die bessere Elemente der Gesellschaft bereits die Nothwendigkeit erkannt haben, sich dagegen zu erheben, in welcher derjenige als beschränkt und einfältig gilt, der das täuschende Lippenspiel und den gesellschaftlichen Ton verschmäht, welcher dies alles als zeitgemäß und salonfähig erklärt, in einer solchen Zeit fällt doch die Redlichkeit der Redlichen doppelt ins Gewicht auf einer Wage unbestechlicher Gewissenhaftigkeit, die sich nicht nur auf die That beschränkt, sondern auch das bloße, gesprochene und zurückgehaltene Wort umfaßt. Der Redliche, welcher bescheiden zurücksteht, der keinen Theil haben möchte, an der Zungenfertigkeit, die zur bloßen Kurzweil, das Theuerste des Menschen, seinen Namen, seine Ehre, sein Gut und Blut in den Staub zieht, der Redliche, der auch als guter Gesellschafter, als tüchtiger Geschäftsmann, glänzen und groß scheinen könnte, wenn er das Wort, das geistige Band, das alle verbindet, in den Dienst der Schmeichelei, der Täuschung und des Trugs stellen wollte, und der alle diese Künste verachtet, weil er Denjenigen fürchtet, der gesprochen: „Wer Lügen redet, wird keinen Bestand vor meinen Augen haben;" dieser Redliche, welcher Gott und die von ihm gebotene Wahrheit höher als die gesellschaftliche Connivenz stellt, dieser Redliche hat durch das Reden und Schweigen seines Mundes, in der That Gott nnd die ehrfurchtsvolle Rücksichtsnahme auf ihn himmelhoch über die Niederungen des täglichen Lebens gehoben. Nur die Redlichkeit im 'Wort führt zu jener Gerechtigkeit in der That, die allen Ansprüchen nach dem Maßstabe des göttlichen Willens gemessen, genügt. Der redliche Wille muß die Lippe beherrschen, der das gerechte Wort entströmen soll. Und während das täuschende, unehrliche Wort überall denen, die es sprechen und an die es sich richtet, zum fluchbeladenen Verderben wird, werden die Worte der Gerechten, die rückhaltlos die Dinge nennen und beurteilen, wie sie Gottes Wille genannt und beurtheilt wissen will, zur lauten Manifestation heilbringenden Gottessegens, im Kreise Gerechtigkeit liebender Menschen pann D’pns nroi. Und doch ist die scharfe Grenzlinie, welche Redlichkeit und Gerechtigkeit unserem Wort und unserer That ziehen, erst die Vorstufe jener vollendeten Liebeshingebung, die in der Uebung alles Wahren und Guten keine Grenze kennt, die alle Norm und Schranke aus innerem Drange weit überflügelt, die ihre Pflicht erst erfüllt glaubt, wenn sie mehr alS ihre Pflicht gethan, die mit nuitr und np*iä d. h. mit pri mw beginnt und mit niTDn d. h. pn mw o'3si) zu enden. Wie man die Tugend des nn'vji nach ihrer zahllosen Anwendung und Verwirklichung im täglichen Leben auch erklären möge, sie wird, wie die Ableitung von idd lehrt, sich immer in der Liebe documentiren, die aus freiem Antriebe mehr als das gesetzlich Gebotene erfüllen möchte. Wenn von dieser grenzen- und selbstlosen Liebe das Herz erfüllt ist, und der Griffel des Herzens, die Zunge, der treue Dollmetsch alles menschlichen Empfindens, die Sprache, diese rückhaltlose Liebeshingebung an Gott mit jedem Ausdruck bekundet, dann wirkt diese Kundgebung in den Gemüthern die Ahnung von dem göttlichen Heiltgkeitsideal, zu dem diese begeisterte Selbstlosigkeit immer höher und höher emporstrebt und verwirklicht, so das Wort: tnpnn o’Ton Der vollendetste Abglanz dieses Heiligkeits-Ideals Gottes auf Erden, ruht jedoch nicht auf den Aeußerungen derer, die noch kämpfen und ringen um es zu erreichen, sondern es feiert seinen höchsten Triumph tief im Innern derjenigen, die dieses Ideal bereits erreicht haben, soweit es dem sterblichen Menschen zu erreichen beschieden ist. Im Innern der Heiligen, wo der Kampf mit der Leidenschaft längst ausgekämpft ist, wo sich keine unlautere Neigung mehr regt, wo jede Regung und Empfindung rückhaltlos dem Guten und Wahren entgegenwallt und im Dienst-» Gottes und seines heiligen Willens steht, mp- ^nnn owp im inneren Seelenleben heiliger Mk schen strahlst Du o l Gott in Deiner ganzen Wu dergröße wieder! Damit uns jedoch diese, die ganze Lebenso schauung umgestaltende Wahrheit, von dem Siü barwerden Gottes in dem Leben der zu ihm empo strebenden Menschen kein wesenloses, religionsphitt