Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 70 (2.9.1889)
- Date
- 1889-09-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXX. Sahrgang. J\$ 7Ö+ Israelit««-. Zeschurun Mschrist m MdMU Md. Geistes unö Md. Kebens in Mus. Gemlniir udd Klyllle. Kentrat-Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. Herausgegeben von 6)r. Lehmann in Mainz. Montag, den 2. September 5649 (1889). Leitende Artikel. Aus dem Wachsor für die D’tf-nn □’»' von Bezirks - Rabbiner vr. E h r m a n n in Baden (Schweiz). II. Wie tritt doch dieser trübseligen, unjüdischen Passionsstimmung unser Machsor sofort mit seinen ersten Worten entgegen, und geht uns an die Hand, jene bedeutsame Anforderung an jeden wahren Gottesdienst rruna zu verwirklichen, welche gerade aus dem tiefsten Ernst die lauteste Freude erblühen lassen möchte! Gottes erhabene Königsmajestät, ruhend auf chochgetragenem Throne, dessen bloßer Name in seiner Erhabenheit und Heiligkeit aller Ewigkeit umfaßt, bildet zwar die Signatur der ernsten Weihestunden an der Schwelle des Jahres und bleibt der Grundton der Stimmung und Gesinnung während der furchtbaren, heiligen Tage. — Aber wie diese Gottesgedanken nichts Beengendes und Niederdrückendes haben, wie sie imGegentheil zur Quelle lauten Jubels und heiteren Sanges für diejenigen werden, welche die rechte Consequenz daraus ziehen, wie man nur gerecht und gerade zu sein brauche, um bei diesem bloßen Bewußtsein von Gottes über uns waltender Größe in Helles Lied xd Lob aufzujauchzen, das wird uns durch das Hort beigefügte Psalmwort nahe gelegt: un uinm n niNj 'na D’pns. Daß Gott nicht nur der Lenker unserer Geschicke, dern auch der Regler unserer Lebensnorm, nicht! unser Vater, uon, sondern zuallernächst unser Gnig, ist, ja daß wir die gnädige Lenkung seres Geschicks nur insofern von ihm erbitten und erhoffen dürfen, als wir ihm rückhaltslos huldigen und ihm die königliche Machtvollkommenheit einräumen uns das Gesetz unseres Lebens vorzuschreiben, bedingungslose Unterstellung unseres ganzen Daseins unter Gottes Hoheit sprechen wir aus, indem wir mit dem Gedanken: die gehobensten Momente des Jahres einleiten. Das ganze, große Universum, vom Jsop an der Wand bis zur Ceder auf dem Libanon, vom strahlenden Sonnenball aui Firmament bis zum letzten Staubatom im dunklen Erdenschacht, diese ganze gigantische Masse von Erscheinungen, Kräften, Trieben und Gesetzen, sie alle zusammen bilden den Thron, auf welchem Gottes Herrlichkeiten für unsere Wahrnehmung ruht. Auch die Menschheit, ja jede einzelne Menschenseele, also auch diejenige, die sich mit der Huldigung -fim intern Herrn mb Meister naht, liefert nicht nur ihren Beitrag zu diesem Thron, sondern das vollendete, höchste Menschenideal, das treu und ungetrübt den in ihm waltenden Gotteshauch - zum Ausdruck bringt, ist die vollkommenste,' klarste Ausprägung der Gottesherrlichkeit auf Himmel und Erde, ist der Schlußstein, die letzte und höchste" Vollendung, welche dieser Gottesthron repräsentirt. mai bv^ rbynba vby chn nN*iD3 mon «D3n. Wenn in ihrem Gebet uns Hanna am ersten Rosch-Haschono-Tage Gott in den gegensätzlichsten Erscheinungen des Menschenlebens zeigt, wie Er der Sender des Todes und der Spender des Lebens ist, wie Er jeden Grabesgang leitet und jeden Aufschwung bewirkt, wie Er arm und reich, nieder und hoch macht, dann lehrt sie uns in dem Armen, den Er aus dem Staub und dem Dürftigen, den Er aus der Erniedrigung gehoben, um ihnen unter den Edelsten einen Sitz anzuweisen; aus diesen durch Gottes Wundermacht bewirkten Erhebung lehrt sie uns das Bewußtsein von dem unverdienten Antheil gewinnen, den