Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 51 (27.6.1889)
- Date
- 1889-06-27
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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-.; pny*r>v,r^.’ XXX. Jahrgang. &Vftt Beilage juj$51 des „3srn elil" & „Jefdjurun Leitender Artikel. KandwerK und schwere Arbeit bei den Israeliten Rumäniens. Vergleichende Studie zu deren Bildungsstand und -Bedürfniß. Von Dr. Elysee X. Corrnan. *) VI. Die Konstatirung der Seelenzahl der israelitischen Ackerbauer Rumäniens aber ist äußerst wichtig, denn wie mein tdoma probandum dahin geht, was ich schon seit Jahren versichere: „es gibt in Rumänien mehr als genug Handwerker und schwere Gewerbe unter den Israeliten" — und man soll ihnen in anderer Richtung beistehen — ist die nach Seelen zu berechnende Zahl auch dann nothwendig, wenn diese Beschäftigungen nicht gerade von der „ganzen" Familie, sondern nur vom Oberhaupt ausgeübt würde. Denn Zahl gegen Zahl genommen und da die Gesammtbevölkerung des Landes sowohl, als der Israeliten, doch auch in Seelen ausgedrückt ist, ergibt sich aus dieser Berechnung, daß je mehr Seelen sich innerhalb der manuellen und niederen Beschäftigungen befinden, desto weniger bleiben dann für den als Vorwurf benutzten „Handel" und für die Bildung; desto mehr ist es klar, daß die Kinder von Familienhäuptern niederer Stände, wenn sie nicht das Gewerbe ihres Vaters beibehalten, nur zum nächsthöheren, aber noch immer genug niedrigen Gewerbe greifen, daher der Mangel an gebildeten Elementen immerfort unveränderlich bleibt. Diesem Mangel allein aber ist abzuhelfen und er ist durch Jnitiativmittel abzuändern; die Fortentwickelung in den primitiven Gewerben geht schon von selbst ihren natürlichen Gang durch das eiserne Gesetz des materiellen Zwanges! * * * Wir haben bis hierher gesehen, daß und in welch hohen Prozenten die Handwerke und verwandte Tätigkeiten von den rumänischen Israeliten ausgeübt werden. Daß sie nun Mangel an Schulen leiden, ist ganz unzweifelhaft; allein Schulen für die Handwerke sind es nicht, auf die man sein Augenmerk in erster Reihe zu richten hat. Nicht *) Ohne volle Ueberschrift ist jede Reproduktion untersagt. nur die in Ueberfluß vorhandenen Handwerker konkuriren sich schon jetzt gegenseitig, während Arbeit in der zu dem Verhältniß erforderlichen Menge gar nicht vorräthig, so daß viele schon zu allen Zeiten abwechselnd brotlos sind: würde durch israelitische Schulen für Handwerke der Haß und die Verfolgung noch mehr geschürt werden. Schon seit lange wüthen die Rumänen in allen Tonarten, wie bezüglich des Handels, daß die „Juden" alle Handwerke an sich gebracht haben und keine Rumänen — die es gar nicht werden wollen *) — — aufkommen lassen^); wenn man aber noch Schulen hierfür errichten würde, so würde das Geschrei nicht eben verstummen. Nicht nur also eS hieße Wasser ins Meer gießen durch eine Vermehrung, die nicht nöthig, sondern auch es hieße Oel in's Feuer. Die Errichtung solcher Schulen für Israeliten und die Forciruug nicht zum Ausüben, sondern zum Lernen ist in Rumänien nicht nur keine Wohlthat, sondern wäre höchst unvechtändig und ein Verderben geradezu. Denn es nützt zu Nichts, daß die jungen Leute buchmäßig, nach allen Regeln der Mathematik und der Geometrie beispielsweise die Schuhmacherei erlernen, wenn bei dem Mißverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage, zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, sie keine Gelegenheit finden das Erlernte auszuüben. Man kann freilich nichts dagegen einzuwenden haben, daß den Handwerkern für ihr Fach systematisches Wissen beigebracht werde, allein was hierzu gehört, sind wenigstens in Rumänien — und ich 1) Auf dem am 10. März a. c. stattgefundenen „Oekonomischen Kongreß" hielt der Ingenieur Urlatzeanu einenDortrag, in welchem er unter Anderem sagte: „Man hat Schulen für Ackerbau und eine Kunstgewerbeschule errichtet (zu unterscheiden von Handwerkerschulen), aber diese Schulen scheinen nur dem Namen nach zu existiren. Die Studienrichtung ist gefälscht und die Handwerke sind bei uns als etwas Unwürdiges, Erniedrigendes angesehen." 2) Nicht weiter als vergangene Woche schrieb in dem bratianisch-antisemitischen bottuschaner Blatt „Libertatea* (Die „Freiheit") der Lehrer für Logik am Gymnasium „Laurian", ein gewisser N. Giurgea, einen offenen Brief, in welchem er die Aushebung der bottuschaner Handwerkerschule beklagt und u. A. wörtlich sagt: Diesen Stand (dar Handwerk) haben „wir" heutzutage nicht, denn er ist, wie ich gesagt habe, von den Juden besetzt. Die Juden haben uns, insbesondere uns Moldauer, sowohl mit der Manufakten-Jndustrie, als auch mit der ackerbauenden überfluthet, welch' letztere der einzige (?) Zweig war, der dem Rumänen zum Leben noch übrig geblieben. . . ." Dgl. „Voacea Dreptatei“ Nr. 104—1889.