Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 50 (24.6.1889)
- Date
- 1889-06-24
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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854 Weniger kann es nicht dabei ankommen. Ein Weniger wäre hier übrigens sichtbar das Verschulden der rumänischen Regierung, von welcher man ja weiß, daß sie nicht nur das Niederlassen von Israeliten auf dem Lande verhindert, sondern auch mit den gewaltthättgsten Mitteln von Ureltern daselbst geborene vertrieben hat. Es müssen indeß doch nach allem in der Umgegend der bukowinaer (österreichischen) Grenze, ungefähr um Foltitscheny, Dolhaska, Wereschti, Litani, Lespezi u. s. w. lebenden Israeliten mit Ackerbau und den schweren Gewerben sich beschäftigen, wie z. B. als Flößer, Nutzholzarbeiter u. s. w. Als letztere gibt es auch in anderen, entfernteren Bezirken, an den Gewässern der Bistritza und der Moldau entlang Israeliten, namentlich im Bezirk Ptatra-Niamtz. Wie wir ferner in der Aufstellung des „Central-Comitb's" gesehen, sind die Ackerbau oder Feldarbeit treibenden Israeliten in den verschieden st en Bezirken — allerdings nur der Moldau — anzutreffen. Wohlgemerkt 1882! Seitdem sind aber so viele Israeliten von der drakonischen Gesetzgebung ruinirt worden, daß diejenigen, die auf dem Lande wohnten und nicht gerade vertrieben wurden, sicher zum Feldbau in Pacht oder Tagelohn gegriffen haben werden, während von den Schänkern und Krämern in den Dörfern der Moldau, deren es eine Anzahl Naturalisirter als ehemalige Soldaten aus dem Kriege 1877/78 gibt, schon jeder seine eigene kleine Parzelle kultivirt. Bleiben wir aber bei der Mindestzahl, die ich einzeln aufgeführt, so ergibt sich daraus die allein immerhin stattliche Gesammtzahl von 284 Familien israelitischer Feldbauer — just in der von den Antisemiten am meisten verschrieenen Moldau — in welchen selbst die erstangeführten Fuhrleute im Bel zirk Bakau, die in den Weinbergen und die wohl ihrer Intelligenz wegen bei landwirthschaftlichen Maschinen Beschäftigten, sowie die Bearbeiter eigener Felder bei Stefaneschti und Biwolari, deren aller Zahlen nicht angegeben, nicht innbegriffen sind. 284 Familien nun sind nach gewöhnlicher Rechnung 1420 Seelen, eine an sich schon ansehnliche Kopfzahl. Die Multiplikation mit 5 stellt indeß nur den statistischen D ur ch sch n itt vor; erfahrungsmäßig wissen wir, daß in Wahrheit in den unteren Ständen die Fruchtbarkeit eine viel größere ist, daß Handwerker und Bauern die mefften, und nicht blos „drei", welche die Statistik ihnen anweist, sondern oft gleich eip ganzes Dutzend Kinder haben. Da ich hier eben blos von Handwerkern und von Bauern spreche und obendrein von Israeliten, deren Fekundität notorisch und in allen Ländern oft mit Neid konstatirt worden ist, so ist es wohl auch angebracht, nicht nach dem absoluten statistischen Durchschnitt, der auch Städte und alle Stände umfaßt, zu rechnen, sondern nach der effektiven Durchschnittsproduktion der in Rede stehenden beiden Klassen in annäherenden Ueberschlag. Ich will mich in Spekulationen und Anschlägen nicht verlieren, was nach allen Berechnungen und Rücksichtnahmen die wirkliche Seelenzahl der israelitischen Ackerbauer in Rumänien ganz zuletzt ausmachen würde. Ich begnüge mich mit den obigen Hinweisen und glaube mit Recht annehmen zu können, daß danach nicht nur die als fest gegebene Familienzahl durch die in anderen Bezirken noch mehr vorhanden sein müssende isr. Feldarbeiter viel größer werden muß, sondern daß auch schon allein die Zahl 1420 mehrfach größer sein muß, um wieviel mehr dann die Gesammtziffer aller zu konstatirenden israel. Feldarbeiter. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Teterow i. M. Am Sonnabend, den 15. d. M. beging unsere Gemeinde die Gedächtnißfeier für Kaiser Friedrich III. Auf Anregung eines Gemeindemitgliedes wurden vor einigen Wochen freiwillige Beiträge gesammelt, zur Errichtung einer Gedenktafel für Kaiser Friedrich in unserer Synagoge. Dieselbe ist aus schwarzem Marmor, worauf u. A. die uns ewig unvergeßlichen Worte aus seinem hochedlen Erlaß: „Ich will, daß der seit Jahrhunderten in meinem Hause heilig gehaltene Grundsatz der religiösen Duldung" rc. vergoldet eingravirt sind. Die Tafel hängt oben vorn über, und wird durch Schnüre gehalten, welche mit Seide in den deutschen Nationalfarben umsponnen, zu beiden Enden Trotteln herabhängen läßt. Unten ruht sie auf einem schwarzpolirten Holzsockel und sind zu beiden Seiten der Tafel schöne Palmzweige angebracht. — Beim Morgengottesdienst wurde diese Gedenktafel von unserm Prediger, Herrn S o b e rs ki, dem Schutze der Gemeinde übergeben, wobei Letzterer eine wohldurchdachte und tiefergreifende Gedächtnißrede für den hohen Verblichenen hielt. — Möge solch' Gedächtnißtafel in vielen Gemeinden Deutschlands Nachahmung finden. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 18. Juni. Der Nuntius G al imb erti äußerte dieser Tage anläßlich seines Aufenthaltes in Fünfkirchen zum Vertreter der dortigen Juden-