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Der Israelit · 1889-06-24 · Heft 50 (24.6.1889) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 50 (24.6.1889)
Date
1889-06-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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849 Salato Coen herbei, der seine beiden Hände auf den Kopf des Sterbenden legte und mit vor Thränen erstickter Stimme sprach: 'ui 'n iro’: Der Herr segne Dich und behüte Dich. Der Herr lasse Dir sein Antlitz leuchten und sei Dir gnädig. Der Herr wende Dir sein Antlitz zu und schenke Dir den Frieden." Mit dem Worte „Frieden" hauchte der Sterbende seinen Geist aus, und seine reine Seele ging nun in die Wohnung des ewigen Friedens ein. n"»wn. Das Mailänder „Seeolo", sonst ein liberales Blatt, konnte heuer der Lust nicht widerstehen , aus den deutsch - anttsemitschen Blättern einige hübsche Märchen von rituellen Morden und Blutabzapfungen durch die canibalischen Juden zu reproduciren. Das Blatt hat so glänzend bewiesen, daß die Bildung in Mailand auf dem gleichen Niveau steht mit der in Berlin und Wien. In Venedig hat vor einigen Tagen die feierliche Eröffnung des Museums Torcello, das der dortige Banquier C. A. Levi dieser Stadt zum Geschenke gemacht, stattgefunden und wohnte derselben ein zahlreiches distinguirtes Publikum an. Der Cultusvorstand von Livorno hat beschlossen, die dortige große Synagoge durch elektrisches Licht beleuchten zu lassen und frug er nun bei den dortigen Rabbinern an, ob man diese Beleuchtung auch im Hechal (Bundeslade) und vor der Tebah (Betpulte des Cantors) anbringen dürfe. Die Antwort der Rabbiner lautete, daß diese Beleuchtung gegen kein religiöses Gesetz verstoße. Rumänien. Dr. C. Bukarest, 18. Juni. Unter den unzähligen Restriktionen und Ausnahmegesetzen, die das Regime Bratianu mit Bezug auf Israeliten geschaffen hat, befindet sich, wie man aus der Gesetzsammlung in meinen Artikeln „Zehn Jahre" ersehen hat, auch eines das die indirekten Steuern, die von den politischen Gemeinden erhoben werden (Accisen), zum Gegenstand hat und unter ausführlicher Motivirung mit den fabelhaften „Fremden" die Verpachtung der indirekten Einnahmen an solche verbietet und deren Verwaltung in eigener Regie vorschreibt. Das „jungrumänische" Ministerium, welches ein rundes Jahr am Ruder war und am Jahrestage seines Antritts im März l. I. abtrat, hat in diesem Gesetz durch die Kammern eine Aenderung anbringen lassen, die stillschweigend auf den vorantisemitischen Stand zurückgreist, aber doch noch eine Einschränkung festsetzt. Darnach läßt der neue Artikel 4 den Gemeinden die Freiheit ihre Accisen, Liegenschaften, Kommunaletablissements u. dgl. unausgesprochen an wen zu verpachten, wenn davon ein größerer Nutzen zu erwarten (was in Rumänien ganz sicher ist), im Absatz 3 jedoch bestimmt er, daß in den Rural gemeinden die Unternehmer und ihre Bediensteten „Rumänen und Naturalifirte" sein müssen. Da in den ersten 2 Absätzen nicht gesagt wird wo und an wen die freien Verpachtungen geschehen können, so ist darin enthalten, daß es in den Städten und Mangels eines direkten Verbots auch an „Fremde" stattfinden kann. Das Verbot ist somit nur für die Dörfer aufrechterhalten. — Die „FrLtza" (Brüderlichkeit) in Fokschan dankt einigen Herren vom israelitischen „Zion"-Verein, weil sie auf die Bitte des fokschaner Polizeimeisters D. G h e o r g h u i dem städtischen Schutzmanns-Korps 3 Kilo pro Mann, zusammen 240 feinstes Mehl spendeten.— Von den Ausgewiesenen im Herbste 1885, gegen welche die bratianischen Befehle einzelne zurückgenommen wurden, hat, wie ich in Nr. 4 d. Bl. a. c. gemeldet, bis jetzt nur einer, Herr Isaak Auerbach, Verleger der isr. Zeitschrift „Fraternitatea", die Erlaubniß benutzt und ist nach Bukarest zurückgekehrt. Nach getroffenen Vorarbeiten Haler die Wiederherausgabe seiner Zeitung unternommen. Die Nr. 1 der zweiten Serie ist am 5. Mai rumänischen Kalenders erschienen und enthält u. A. auf die Wiederausgabc bezüql. Artikel, sowie die Zusage regelmäßigen Erscheinens. Dies ist — die „Revista Jsraelita" ausgenommen — bei den anderen seit 1879 bis jetzt aufgetauchten israelitischen Zeitschriften „Stindardul" (Die Standarte), „Apärntardul" (Der Vertheidiger), „Voacea DreptLtzei" (Stimme der Gerechtigkeit), „JnfrLtzir^a" (Verbrüderung) u. s. w. unerreichbar gewesen, wie ich in meinen Artikeln „Rumänisch-Israelitische Publizität" (Nr. 38 und 39/40 d. Bl. von 1888) dargelegt habe. Zwei israelitische Zeitungen in Rumänien aber können ganz gut neben einander bestehen, doch scheint es mir vortheilhafter, daß eine derselben i n Jassy erscheinen soll. Von der ersten Serie der „Fraternitatea" muß man sagen, daß sie einen ausgezeichneten und reichhaltigen Nachrichtendienst pflegte, der sowohl Vorkommnisse allgemeiner Art betraf, als auch interne Angelegenheiten. Die Wiedereinrichtung einer solchen ausgedehnten Berichterstattung müßte Hauptvornahme auch der neuen Serie sein und stimulirend das israelitische Leben auch kleinster Orte umfassen. Die „Fraternitatea" ist mit dem 2. (14.) Juni in die fünfte Nr. getreten. — Seit längerer Zeit schon werden die einzelnen Städte Rumäniens von einem gewissen Pinchas C h a n u k a aus Persien bereist, der für die armen Israeliten dieses Landes Almosen sammelt.

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