Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 50 (24.6.1889)
- Date
- 1889-06-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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848 schaft zeigt sich aber, daß sie mit dem Schächten gerade das Gegentheil von dem bewirkten, was sie beabsichtigen, nämlich das geschächtete Thier vollständig vom Blute zu entleeren. Das rituell, vorschriftsmäßig, geschächtete, nicht nachgeschnittene Thier blutet im Gegentheil nicht so gut aus, wie das betäubte und unmittelbar darauf gestochene Thier, und das Fleisch desselben geht rascher in Fäulniß über. Ebenso wird die Thoravorschrist, kein Fleisch von erstickten Thieren zu essen, illusorisch, da beim Schächten die Durchschneidung der beiden unteren Kehlkopfnerven Erstickung bewirkt. Redner verliest einen Artikel der „Deutschen Fleischerzeitung", welcher die interessanten Untersuchungen des Physiologen Du Bois-Reymond über die Veränderungen im Blute gequälter Thiere behandelt. Redner glaubt, es würde wohl die meisten Israeliten einverstanden sein, daß in dieser Sache eine Eoncession an die Anschauungen und das Sittlichkeitsgefühl (!) der modernen Welt gemacht werden müsse, um so mehr, als durch das Schächten ohne Betäubung dem Geiste des mosaischen Gesetzes, das Thierquälerei verbietet, zuwider gehandelt werde. Schließlich wurde einstimmig eine Resolu tion angenommen, deren letzter Satz lautet: „Endlich richten wir an alle Israeliten, die Werth darauf legen, sich nicht in Widersprnch zu setzen mit den sittlichen Anschauungen und Förderungen ihrer christlichen Mitbürger, die Bitte, sie mögen ihren Einfluß auf ihre Religionsgenossen aufbieten, damit die auch beim rituellen Schächten so dringend nöthige Reform angebahnt und der Widerstand beseitigt werde, der von einem Theil ihrer Glaubensgenossen unseren Bestrebungen zur Herbeiführung einer gesetzlichen Reform des Schichtbetriebes eittgegengesetzt wird." Wir haben natürlich diese Sätze nicht zum erneuten Abdruck gebracht, um dagegen zu polemisiren; gegen die Verbohrtheiten des sog. Thierschutzes läßt sich nicht ankämpfen. Wahrhaft rührend ist nur die Kühnheit, mit der die tausendmal widerlegten Unwahrheiten von Neuem aufgetischt werden. Die gefeiertsten Fachautoritäten Europas erklären das Schächten für die schmerzloseste Tödtungsmethode — Herr B e ringe r-Berlin erklärt sie für eine Thierquälerei; Hunderte jüd. Gemeinden und Rabbiner erklären das Schächten für eine strengreligtöse Satzung — Herr B eringer-Berlin hält sie dem Geiste des mosaischen Gesetzes widersprechend. Wer ist denn überhaupt Herr Beringer-Berlin? Wer sind seine Schlächter, die das Schächten eine Grausamkeit nannten, wer seine Rabbiner, welche das Schächten als nicht geboten erachteten? Wir rathen dem internationalen Thierschutzcongreß, es zu unterlassen, falls er sich nicht lächerlich machen will, an die sittlichen Anschauungen zu appelliren, wir rufen denCougreß zu den ersten Gesetzen der Wissenschaft und Humanität. Unsere Glaubensgenossen aber mahnen wir — und deßhalb allein erwähnten wir jene Auslassung — allezeit auf der Hut zu sein vor den unermüdlichen Angriffen der ungelehrigen Thierschützler auf das jüdische Gesetz. Siegburg, 13. Juni. Dem „Siegburger . Kretsblatt" wird von hier geschrieben: Gestern wurde hier ein außerordentliches Fest begangen, indem die beiden Ehepaare S. D anne n b erg und S. Marx ihre goldene Hochzeit feierten. Schon am Abend vorher hatte die ganze Holzgasse, woselbst die Jubilare wohnen, ein festliches Gewand angelegt. Als es dunkelte, fand Illumination und Feuerwerk statt, und der hiesige Männergesangverein brachte den Jubelpaaren eine trefflich ausgeführte Serenade, welche eine große Menschenmenge angelockt hatte, die in festlicher Stimmung durch die Holzgasse wogte. Am Festtage selbst fanden sich morgens viele Deputationen, unter andern der Vorstand der israel. Synagogengemeinde ein, um ihre Freude über das ungewöhnliche Ereigniß auszudrücken und die herzlichsten Glückwünsche darzubringen. Um zwölf Uhr wurden die beiden Ehepaare von ihrer zahlreich erschienenen Familie zur festlich geschmückten Synagoge geleitet, wo nach dem Absingen eines Chorals, Herr Dr. Frank aus Cöln die Weiherede (?) hielt, welche auf die große Zuhörerschaft einen überaus erhebenden Eindruck machte. Hierauf überbrachte der erste Beigeordnete, Herr Dobbelmann, in Vertretung des Herrn Bürgermeisters die Glückwünsche der Stadt. Ein Choral beendigte die kirchliche (?) Feier. An diese schloß sich ein im Herrengarten abgehaltenes Festessen an. Aus Nah und Fern liefen zahlreiche Telegramme von den Verwandten und Bekannten der Jubilare ein. Schildberg (Posen.) Herr Rabbiner Dr. Eppenstein aus Krotoschin, welcher vor Kurzem das Hildesheimersche Seminar verlassen hat, ist hier einstimmig als Rabbiner auf 3 Jahre gewählt worden. Der Corp.-Vorstand. Dresden, 18. Juni. Am Vormittag empfing König Albert den Rabbiner Dr. Winter und die drei Vorstände der israelitischen Reltgionsgemeinde, B anquier Bondi, Rechtsanwalt Emil Lehmann und Generalkonsul Mankiewicz, welche außer einer kostbaren Adresse eine Stiftung von 15000 Mark für das Carola-Krankenhaus überreichten. Italien. Rom. Ueber die letzten Augenblicke des unvergeßlichen und unersetzlichen Samuele Alatri muß noch Folgendes nachgetragen werden. Derselbe blickt dem Tode, den er raschen Schrittes herannahen sah, mit vollster Beruhigung und Fassung entgegen. Als die Chebrahleute beim Herannahen der Agonie die Sterbegebete zu recitiren anfingen, sagte er dieselben Wort für Wort nach. Hierauf äußerte er noch den Wunsch, die ro-o (Priestersegen) zu erhalten. Man holte daher schnell Herrn