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Der Israelit · 1889-06-20 · Heft 49 (20.6.1889) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 49 (20.6.1889)
Date
1889-06-20
Page
– (sequence 10)
Language
German
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838 und Gemeinderabbiner Herr M. Br oh ’"j aus Berlin seine Antrittsrede. Die von zahlreichen sinnigen Midraschdeutungen durchwobene Predigt, in welcher er die treue Pflichterfüllung seines heiligen Berufes der Gemeinde und namentlich der Jugend gegenüber gelobte, übte einen tiefhaltigen Eindruck auf die Zuhörer, und stärkte die Sympathien, welche unser geehrter Rabbiner durch sein gewinnendes Wesen sich schon bei seiner Ankunft erobert hatte. V. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Wien, 9. Juni. Wie man die Thora und ihre berufensten Vertreter ehrt, hat sich gestern hier in glänzender Weise geoffenbart. Herr Rabbiner Dr. Hildesheimer aus Berlin weilt seit einigen Tagen in Wien, und hatte schon das Bekanntwerden seiner Anwesenheit genügt, um zahlreiche Schüler und Verehrer zu vereinen, so gab der am gestrigen Sabbat stattgehabte Vortrag dieses Gelehrten Gelegenheit zu einer rührenden Kundgebung, ja man kann sagen zu einer Huldigung ergreifendster Art. Der Vorstand des Vereins „Ohawe Thora“ hatte Herrn Rabbiner Dr. Hildesheimer zu einem Vorträge eingeladen und der Vorsitzende der „Talmud- Thoraschule", Herr Heinrich Berger, die Vereinssynagoge zur Verfügung gestellt. Eine nach vielen Hunderten zählende Menge von Männern und Frauen war erschienen, um den allverehrten Mann zu sehen und zu hören. Der jugendkräftige Greis fesselte die Hörerschaft durch mehr als einstündigen, geistvollen Vortrag, welcher Halachisches und Hagadisches in kunstvoller Weise vereinte und von Begeisterung für Thorapflege und innige Frömmigkeit durchglüht war. Alt und Jung erwartete den Vortragenden, als er die Synagoge verließ, um ihn zu begrüßen, und ein herzbewegender Anblick war es, Greise sich beugen zu sehen, um dem theuren Lehrer ehrfurchtsvoll die Hände zu küssen. Und nicht dem Gelehrten allein galten die Ehrenbezeugungen, dem edlen Menschenfreunde und Jugendbildner nicht minder, dessen Ruf in die fernsten Lande gedrungen ist. Mögen die Worte, die Herr Rabb. Dr. Hildesheimer gesprochen, Wurzel fassen in den Herzen Derer, die sie vernommen, insbesondere der jungen Männer, denen die Ehre zu Theil ward, ihn als Vortragenden in ihrem wackeren Vereine zu sehen. (Jüd. Presse.) Pesth. Der verstorbene Lederfabrikant Julius Wolfner, hat in seinem Testamente 50,000 fl. zu wohlthätigen Zwecken bestimmt. Budapest. Herr Baron Albert v. Rothschild sandte aus Wien an die Gemahlin des kön. ung. Ministerpräsidenten Koloman v. Tisza als Spende für den Kinderbewahrverein 1000 fl. Aus Ungarn. Graf GozaTeleki, der künftige Minister des Innern, der die Feiertage im Szatmarer Komitat zubrachte, hat gestern eine Deputation der Nagy,omkuter Jsraelitengemeinde empfangen, in deren Namen der emeritirte Rabbiner Horowitz eine ungarische Begrüßungsansprache an den Grafen hielt. In einer halbstündigen Rede dankte dieser für die Ovation und bemerkte u. A., daß die ungarischen Juden in jeder Beziehung mehrfach bewiesen haben, daß sie treue Söhne dieses Landes und opferbereite, pflichteifrige Staatsbürger seien. Nicht nur meinerseits, sagte er, sondern auch seitens der ganzen Regierung kann ich Ihnen die Versicherung geben, daß Sie stets auf den wirksamen Schutz und aus die Würdigung seitens der Regierung zählen können. Diese Enunziation rief große Begeisterung hervor. Nach dem Empfange sprach Graf Teleki noch längere Zeit freundlich mit den Deputations-Mitgliedern. Italien. Mailand. Die jüngst verstorbene Signora Rachel Bertolaca hat verschiedenen hiesigen Wohlthätigkeitsanstalten 500,000 Lire vermacht. Frankreich. Paris. Die von Baron v. Hirsch zu Gunsten russischer Glaubensgenossen beabsichtigte Millionenftiftung ist annullirt worden. Diesbezügliche mit der russischen Negierung stattgehabte Verhandlungen haben Baron Hirsch dargethan, daß die zur Ausführung seines Planes nothwendige Unterstützung der ruff. Regierung nicht zu erlangen ist. Rußland. Petersburg. In Jekaterinosslaw ist wieder einmal der Versuch zu einer Judenhetze gemacht worden. Der Tumult begann auf drei Stellen: auf dem Oftroshny-Platz, der Peterburgskaja-Straße und bei der Holzbörse. Auf dem Ostroshny-Platz hatte der Cirkus Suhr ein Schaureiten veranstaltet und sich hierzu ein Haufen Zuschauer versammelt, inmitten welcher plötzlich der Ruf erschallte: „Der Jude hat mir das Geld gestohlen." Der Schrei kam von einem Knaben, der auf seinen Nachbar, einen Judenjungen, losschlug. Für den Juden trat ein Soldat ein und das genügte, daß über den ganzen Platz hin das Geschrei ertönte: „Man schlägt die Unseren der Juden halber!" Und die Rauferei begann. Das Reiten wurde sofort eingestellt und der Tumult legte sich Dank den Anordnungen der

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