Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 49 (20.6.1889)
- Date
- 1889-06-20
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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839 Polizei. Gefährlicher waren die Unordnungen auf der Peterburgskaja, wo zwei jüdische Schankwirthschaften demolirt wurden und der jüdische Verkäufer tödtlich durch einen Revolverschuß verwundet wurde. Glücklicher Weise vermochte die Polizei auch hier bald Ruhe zu schaffen. An der Holzbörse mußte militärische Hilfe requirirt werden. Auf den Straßen bewegten sich Patrouillen und standen militärische Posten. Der Tumult bei der Holzbörse entstand einer Lumperei wegen aus einem Streite um ein Paar Pferderiemen. P a l ä st i n a. Jerusalem. Der Rechenschaftsbericht der Hochschule Beth Meir und Beth Jacob, gegründet zum ewigen Andenken des seligen Oberrabbiners Rabbiner Meir Auerbach, Oberrabbiner der Aschkenasim Gemeinden in Jerusalem, weist in dem Zeitraum von Beginn des Jahres lonn bis t'n Born eine Einnahme von 38,710 Piaster und eine Ausgabe von 42470 P., somit ein Deficit von 3760 P. auf. Die fromme Thätigkeit und das segensreiche Wirken dieser trefflichen und vorzüglichen Hochschule ist genügend bekannt. Es ist daher sehr wünschenswert!), daß Freunde des Thorastudiums im Auslande dieselbe reichlich unterstützen möchten, damit deren Bestand gesichert werde. Spenden wolle man an den Hauptvorsteher Rabbiner M. R. Auerbach (für Jeschiwat Beth Meir und Beth Jacob) in Jerusalem (Palästina) richten. Amerika. New-Aork. Dem Beispiele der russischen Juden folgend, haben die galizischen Glaubensgenossen einen Rabbiner aus ihrer Heimath berufen. Rabbi Moses Rappoport in Lisencz hat den Posten eines Oberrabbiners bereits angenommen und wird dahier demnächst eintreffen. Prediger Dr. Krauskopf in Philadelphia wurde vom Gouverneur Beaver zum Commissionsmitglied des Staates Pennsylvania bei der Pariser Ausstellung ernannt. Feuilleton. Zur Krkkäruug des Wortes vrbs. Der Artikel „Das Etymon in Nr. 44 und 45 Ihres gesch. Blattes veranlaßt mich wieder zu einigen Gegenbemerkungen, die ich wie die ersten der geneigten Beurtheilung der geschätzten Leser empfehle. Ob die Synagogenhalleu gewöhnlich nach mehreren Seiten offene Vorhallen sind, (wodurch die Ableitung von „öffnen" zu rechtfertigen wäre), will ich nicht entscheiden; es ist mir aus meiner Anschauung nicht bekannt. — Daß man den Namen der Synagogenvorhalle von »tann „sich wälzen" entlehnt haben soll, klingt mir sehr wenig annehmbar, da man im Allgemeinen bei Nomenclaturen im jüdischen Leben das Bestreben finden wird, jede Erinnerung an Trauer oder an Unangenehmes überhaupt zu vermeiden. Wenn man den Begräbnißplatz nur selten nnapn rvn nannte und sich statt dessen ähnlicher Bezeichnungen wie tr»n rvn, rva u. s. w. bediente, wird man wohl kaum den Synagogenvorraum, der nur in letzter Linie als Aufenthaltsort für Trauernde diente, aus diesem Grunde genannt haben. — Die Ableitung von pns ’W -nns ist ein „feines Wörtchen", aber auch nur ein solches. Warum hat man das bedeutsamste Wort des Satzes (jns) bei der Abkürzung vergessen? Warum hat man das kleine Wörtchen 'h ganz in die Abbreviatur ausgenommen, während man die beiden anderen, größeren Worte so stiefmütterlich behandelt und nur einen Buchstaben von jedem beibehalten hat? — Warum wm der Verfasser (?) der Handschrift, die ich nach Rabbinowitzsch citirte, sein soll, sehe ich nicht ein. Wenn der gesch. Herr Einsender das in seinem Artikel von nn Citirte für eine Lesart in der joöj hält, so erlaube ich mir, ihn darüber eines Besseren belehren zu wollen. — Er hat den Kommentar des m (wie er z. B. in der neuen Wilnaer v^-Ausgabe bei der betreffenden Seite steht), citirt, und dieser Commentar des nn beweist, daß in der That die in 'pnpn nnsio angeführte Lesart, die, wie ich vermuthete, auch dem Verfasser “}ny Vorgelegen hat, die ursprünglichere und richtigere ist, da aus dem n"-in '♦£> ganz deutlich hervorgeht, daß auch er die qu. Stelle in dieser Form und nicht in der in unseren Talmudausgaben vorliegenden Gestalt gekannt hat. — Die Frage, „woher aus dem Talmud die Beweise für die veränderte Lesart des tzx^n wan zu entnehmen sind, ist somit 6v ipso hinfällig. Rabb. Chananel hat keine andere Lesart als der Talmud; die seiner Erklärung zu Grunde liegende Gestalt der betreffenden Stelle ist die, die ihm im Talmud vorlag. — Was übrigens das Wort selbst betrifft, halte ich noch immer seine Ableitung von nvfa's für die wahrscheinlichste, die ich mit einer kleinen Abweichung von dem Einsender des ersten Artikels in meinen ersten Zeilen vermuthete. 2. v. v.