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Der Israelit · 1889-06-20 · Heft 49 (20.6.1889) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 49 (20.6.1889)
Date
1889-06-20
Page
– (sequence 9)
Language
German
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v; - - _XXX. Jahrgang. KeilageM^L4gi>es„Israelit"L„Ikschurun". Leitender Artikel. Literarischer Wericht. Die Zionsharfe. Eine Anthologie der neuhebräischen Dichtungen in deutschen Uebertragungen. Herausgegeben von G u st a v K a r P e l es. Leipzig 1889. Verlag von Roßberg. 300 Seiten. Preis brochirt 4 M., elegant gebunden mit Goldschnitt 5 M. 50 Ps. 81. Das vorliegende Werk ist ein Verdienst, eine That. So dürr und mager auch die jüdische Jugendliteratur im Allgemeinen ist, am schwersten haben wir stets ihren Mangel in den poetischen Ueberlieferungen der jüdischen Dichter empfunden; der jüdische Primaner konnte wohl seine griechischen Oden und seinen sophokle'ischen Ajax declamiren, die israelitische Pensionstochter mochte wohl ihren Göthe, ihren Racine, und wenn es hoch kam, ihren Dante citiren, jüdische Dichtung blieb ihnen allen ein unbekanntes Land in märchenhafter Ferne. Der nur allzu berechtigte Wunsch, unsere Jugend in die Lektüre der herrlichen Originale einzusühren, darf wohl vorläufig leider nur als ein „frommer Wunsch" bezeichnet werden, und so ist denn der Versuch, in trefflichen Uebersetzungen die Meisterwerke der dichterischen Größen vorzulegen, mit lebhafter, ungetheilter Freude zu begrüßen. Ich stehe nicht an, die Anthologie des Dr. Karpeles, nicht allein für eine der vortrefflichsten aller derartigen Sammlungen zu erklären, sondern in ihr auch ein ausgezeichnetes Hilfsmittel zu erkennen, welches die Großen und die Kleinen mit den neuhebräischen Dichtungen bekannt machen und sie mit Liebe und Begeisterung für diese erhabenen Schöpfungen erfüllen wird. „Zum ersten Male", so schreibt der Verfasser, „werden hier diese Stimmen der Klage und des Elends, aber auch der Freude und der nimmer rastenden Liebe gesammelt; zum ersten Mal werden sie, in deutschem Geiste nachgebildet, dem Geschlecht, dem es beschieden war, diesen neuen Morgen zu schauen, treu und bescheiden übergeben." In einer trefflichen Einleitung gibt Dr. Karpeles ein Skizze der Geschichte der neuhebräischen Poesie, um dann von den ältesten Zeiten bis auf die Neuzeit Uebertragungen aller jüdischen Dichter zu geben. Wir finden hier die ergreifendsten und entzückendsten Gesänge eines Jose ben Jose, Jamai, Eleasar b. Kalir, Saadia b. Josef, Menachem b. Seruk, Dunasch b. Labrath, Hai Gaon, Samuel hanagid, Josef b. Jsak ibn Abitur, Salomo ibn Gabirol, Bechai b. Josef, Jsak b. Reuben, Jsak b. Ghajjat, Jehuda halewi, Moses ibn Esra, Abraham ibn Esra, Salomo b. Jehuda, Meschulam b. Kalonymos,', Gerschon b. Jehuda, Simon b. Jsak, Kalonymos b. Jehuda, Josef b. Samuel Tobelam, Benjamin b. Serach, Amitai b. Schefatja, Jsak Hakohen, Mordechai b. Schabtai, Mose b. Nachman, Jehuda b. Samuel, Elasar b. Jehuda, Ephraim b. Jsak, Nahum, Ehalfon, Charisi, Jmanuel, Luzzatto, Wessely, Mopurgo, Lettens, Labansohn, Gordon, Samuely, Mandelkern und vieler anderer. Die Uebersetzungen von Zunz, Sachs, Geiger, Heller, Löwenstein, A. Frank, Kristeller, A. Budwig. Leopold Stein, M. Lewin, Fürst, Plaizeck, Kämpf, Schönberger u. a. Die Dichtungen sind mit Geschmack ausgesucht und fast durchweg recht gut übertragen. Wir zweifeln nicht daran, daß diese wohlfeile Werk bald ein erlesenes Festgeschenk bilden und auf keinem Büchertisch fehlen wird. Möge die Zionsharfe von Neuem erklingen, und mögen ihr Saitenspiel Liebe und Versöhnung wecken und Israels Jugend für die altheiligen Klänge aus ^Judas Dichterhain begeistern! *) Zeitungsnachrichten und (Korrespondenzen. Deutschland. Oberhausen, im Juni. Herr Staatsanwalt Schulz in Bochum erläßt in mehreren Zeitungen die Bekanntmuchung, daß er gegen seinen Willen von Dr. König-Witten als Reichstags-Candidat ausgestellt sei, und daß er gar nicht die Absicht hege, ein Mandat für die Reichstagswahlen anzunehmen. Auch protestirt derselbe Herr gegen die Beschuldigung, daß er der Verfasser der im Jahre 1878 in Breslau erschienenen Broschüre der „jüdische Referendar" sei, indem er zur damaligen Zeit im Kammergericht in Berlin angesteüt gewesen fei und überhaupt habe er sich nie mit derartigen Schriften befaßt. Abr. Stern, Lehrer. Gollantsch, (Provinz Posen.) Am vergangenen heiligen mp^^-Fefte hielt unser neuer Klaus- *) Wir behalten uns vor, das eine oder andere Gedicht in der nächsten belletristischen Beilage zum Abdruck zu bringen. — Red.

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