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Der Israelit · 1889-06-20 · Heft 49 (20.6.1889) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 49 (20.6.1889)
Date
1889-06-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
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mmmmmmrn 834 dem Bericht der Staatsbürgerzeitung. An der Mittagstafel gelangte eine Adresse an den „Ritter von" Schönerer zur Annahme, dann wurde getoastet, gesungen, gegessen (diverse Semiten in pikanter Sauce, damit diese ihnen nicht zu schwer im Magen liegen), dann wurde der Tag geschlossen, und dann wurde es Nacht, tiefe germanische Nacht. Und die „etwa" 300 Miiglieder packten sich und ihren Sachen, und sie fuhren zurück ins Mittelalter und zu ihren Familien, und ein Bochumer Semit war so dreist, wie die „Staatsbürgerin" meldet, einem mit mächtiger Reisetasche versehenen Germanenhäuptling zuzurufen: „Eine ganzeReisetasche mit unbezahlten Rechnungen?" Und der 15. Juni kam heran, der Todestag des edelsten aller Erdenfürsten, die deutschen Juden lasen die Berichte, über den Bochumer Antisemttentag, und sie lasen die Proklamation Kaiser Friedrichs und — sie lächelten. Breslau. Am Donnerstag, den 6. Juni beging die unter Leitung des Herrn Rabbiner Dr. Neustadt stehende „Hebräische Unterrichtsanstalt" im Anschluß an die Prüfung der Zöglinge die Feier ihres sünfundzwanzigjährigen Bestehens, zu welcher sich im Saale der städtischen katholischen höheren Bürgerschule die Schulcommission, der Vorstand des Jugendgottesdienstes, Deputirte von Synagogen und Corporationen, sowie auch der Herr Rabbiner Dr. Rosenthal und der Stadtschulinspektor Herr Dr. Handloß eingefunden hatten. Nachdem von den sieben Knabenklassen 4 Klassen durch 4 Lehrer geprüft waren, schloß hieran der Dirigent der Anstalt, Herr Dr. P. Neustadt die Festrede, in der er der Geschichte der Jubelanstalt Worte der Erinnerung weihte. Hervorgehoben zu werden verdient, daß es dem rastlosen Eifer des Leiters der Anstalt gelungen ist, dieselbe aus kleinen Anfängen in dem verflossenen Zeittaume zu einer zehnklassigen Schule (7 Knaben- und 3 Mädchenklaffeu) zu erheben, an welcher 5 Lehrer und 2 Lehrerinnen wirken, während durch Unterrichtslokale in drei Stadttheilen den Schülern Ersparniß an Weg und Zeit für ihre Schularbeit gewährt wird. Endlich wird auch der besonders gepflegte Jugendgottesdienst noch in diesem Jahre in einer bereits im Bau befindlichen Anstalts-Synagoge seine Heimstätte finden. Spezielle Kassen sorgen für die verschiedensten Zwecke der Ausbildung von befähigten Schülern. Auch der zahlreichen Gönner wurde dankend gedacht, während für die bereits verstorbenen ein Gebet zum Vortrag gelangte. Namens der beiden Commissionen für die Schule und den Jugendgottesdienst überreichte hierauf Herr S. Oelsner dem Leiter der Anstalt, der bereits 1882 sein 40jähriges Lehrerjubiläum gefeiert hat und nunmehr mit dem Jubiläum der Anstalt zugleich die Dauer der 25jährigen Direction beging, ein kostbares Geschenk. Bereits vorher hatte ein Comitö ehemaliger Schüler der Anstalt den Jubilar in seiner Wohnung durch eine Adresse und werthvolles Angebinde beglückwünscht. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Wien. Die österreichische Regierung hat bisher gegenüber dem Antisemitismus, welcher namentlich in Wien wahre Orgien feiert, eine auffällige Lauhheit bekundet. Nun, thatkräftig tritt das Kabinet Taaffe auch jetzt nicht auf, aber das bedenkliche Treiben der antisemitischen Hetzer scheint die Regierung doch endlich stutzig zu machen. Anläßlich der von antisemitischer Seite gebrachten, ebenso unsinnigen, wie böswilligen Meldungen wegen „ritueller Morde" hat, wie aus Wien nach Prag berichtet wird, das österreichische Justizministerium in jedem einzelnen Falle Erhebungen eingeleitet; in einem speziellen Falle, wo es sich um eine solche Nachricht aus Ungarn handelte, sogar das Einvernehmen mit der ungarischen Regierung gepflogen; in allen Fällen wurde die völlige Grundlosigkeit dieser Meldungen amtlich konstatirt. Hidolmas. (Siebenbürgen.) Auf Anregung unseres allverehrten Rabbiners hat sich dahier ein n-on dw gebildet, die die Erbauung eines icrnon rva, beabsichtigt; die einzelnen '2dd wurden unter 60 Mitglieder vertheilt, die sie bis nächsten tjn beendet haben sollen. Der Verein zählt auch viele blos zahlende Mitglieder. Türkei. Konftantirropel, 10. Juni. Der britische Konsularagent in Jaffa erwähnt in seinem Bericht über den Handel seines Bezirkes, daß der Sultan einem türkischen Unterthanen Namens Joseph Navon für 71 Jahre eine Koncession für den Bau einer Eisenbahn von Jaffa nach Jerusalem gewährt habe. Zur Ausführung des Projekts hat sich eine englischfranzösische Gesellschaft gebildet und der Bau der Bahn soll bald in Angriff genommen werden. Der Konsul erwähnt gleichzeitig, daß die jüdischen Kolonien in Palästina sich wesentlich bessern; eine derselben, Richon le Zion genannt, hat etwa 2,000,000 Weinstöcke gepflanzt, die alle vielversprechend sind. Die Kolonisten, größtentheils türkische Unterthanen, sind gute Arbeiter.

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