Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 49 (20.6.1889)
- Date
- 1889-06-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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831 der Großen dieser Erde im Vergleiche mit der sichern Aussicht, geehrt zu werden vom König der Könige, vom Schöpfer des Weltalls? (Fortsetzung folgt.) Gin Mahnruf. (Fortsetzung.) Daß in der jüdischen Race eine unleugbare Disposition zum Jrrsinnn besteht oder sich in letzter Zeit herausgebildet hat, ist bereits aus den in der Einleitung gegebenen Mittheilungen ersichtlich geworden. Wie sie gerade zu diesem traurigen Vorzug kommt, wollen wir später erwähnen. Hier folgen wir zuvörderst den Ausführungen Ebings. Als prädisponirende Ursache gilt diesem Autor zunächst die Civilisation. „Man hat die fortschreitende Civilisation für die Zunahme der Geisteskrankheiten verantwortlich gemacht und darauf hingewiesen, daß bei den un- oder halbcivilisirten Völkern der alten und neuen Welt Irresein eine höchst seltene Erscheinung sei, während tatsächlich auf 500 Individuen einer hochcivilisirten Nation mindestens ein Geisteskranker kommt." Interessant ist jedenfalls die Aeußerung eines französischen Forschers und in ihr steckt viel Wahres, so daß auch diese der Erwähnung werth erscheint. Im rapport du Service des alienßs de 1874 sagt Dumesnil: „l’alißnation, dans sa frequence, suit la civilisation; eile en est le parasite; eile vit et s’accroit avec eile et ä ses depens.“ x) „Aber selbst wenn wir die Thatsache der Zunahme des Irreseins in der modernen Gesellschaft zugebend, in Faktoren dieser, die unter dem Schlagwort der Civilisation zusammengefaßt werden, jene Zunahme begründet finden, so bleibt nichts übrig, als sofort diesen Begriff wieder in seine Einzelfaktoren aufzulösen und eine Reihe von ätiologischen Detailfragen aufzuwerfen, deren Beantwortung schwierig ist und nur an der Hand einer sorgfältigen und großartigen Statistik versucht werden könnte." Unstreitig hat die fortschreitende Civilisation Faktoren in sich, die der Entstehung von Geisteskrankheit geradezu ungünstig sind. Dahin sind unbedingt zu rechnen die bessere Nahrung, Kleidung und Wohnung, feinere Bildung und größere Sittlichkeit. Aber neben diesen regenertrenden Momenten finden sich bedenkliche, für die 1) Der Irrsinn in seiner Verbreitung ist eine Folge der Civilisation; er ist der Parasit derselben; er lebt und wächst mit der Civilisation und auf deren Kosten. Entstehung von Irresein zweifellos wichtige Auswüchse der Civilisation. Dahin gehören das riesenhafte Anschwellen der großstädtischen Bevölkernng mit den daraus resultirendeu Schäden in hygienischer (Tuberculose, Scrophulose, Anämie) und moralischer Hinsicht, die Anhäufung eines geistig und leiblich verkommenen Proletariats, der Pauperismus, das Fabrikleben, die Ehelosigkeit, die intellektuell aufreibende und moralisch deteriorende Sucht nach Reichthum und Wohlleben. Aber alle diese Momente werden an Bedeutung überwogen durch den Umstand, daß die fortschreitende Civilisation verfeinerte und complicirtere Lebensbedingungen und Bedürfnisse schafft und damit den Kampf ums Dasein steigert. Diesen Kampf um ein behaglicheres aber bedürfnißreicheresDasein muß das Gehirn kämpfen. Es wird in diesem Kampf verfeinert in seiner Organisation und damit erfindungsreicher aber zugleich vulnerabler,^) zugleich ist es Reizen ausgesetzt, die nur zu leicht zur Ueberreizung führen und damit zur Erschöpfung, Krankheit, Degeneration. Wo immer ein Organ funktionell zu einer vermehrten Leistung genöthigt ist, erkrankt es auch leichter, wird es schneller abgenützt und seine Anstrengung nur zu leicht zur Ueberanstrengung. Diese gesteigerten Anforderungen im Kampfe ums Dasein treten heutzutage an das Gehirn des Einzelnen schon auf der Schulbank heran und die Concurrenz auf allen Gebieten der Kunst, Wissenschaft und Industrie, der Drang nach Genuß und Reichthum erhalten einen großen Theil der modernen Gesellschaft in einem Zustand beständiger Anspannung der Nervenkräfte und nervöser Erregung. Dazu kommt als weiterer wichtiger Faktor das dem gesteigerten Verbrauch von Nervenkraft parallel gehende Bedürfniß nach gewissen Genußmitteln, die geeignet sind, die Hirnthätigkeit künstlich zu steigern. (Kaffee, Thee, Tabak, Alkohol.) Alle Erfahrungen sprechen mit hoher Wahrscheinlichkeit dafür, daß das Irresein in der modernen Gesellschaft eine immer häufiger werdende Erscheinung ist und seine Entstehung einer Ueberreizung des Gehirns durch Ueberanstrengung und übermäßigen Gebrauch von Genußmitteln verdankt. Diese Schädlichkeiten geben sich zunächst in der Ueberhandnahme der neuropathischen2 3) Constitution 2) b. h. leichter verwundbar. 3) neuropathisch nervenkrank. Neurose bedeutet im Allgemeinen Nervenkrankheit und zu solchen geneigt.