Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 49 (20.6.1889)
- Date
- 1889-06-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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^WWWMWWMWWWWWWU 830 Stromes: Chiddekel, angedeutet, bp ,nn „scharf, leicht. *wt* nonp ^inn wn diese Wissenschaften sind ein Ergebniß der Sinneswahrnehmung und namentlich des Auges. Nicht mit dem tiefen Denken haben es diese Wissenschaften zu thun, nicht führen sie den Menschen auf den Weg der Gottinnigkeit; wer sich mit ihnen ausschließlich beschäftigt, der wandelt nur seinen Augen nach rmp *^inn wn -inw, wie es heißt uwh myam — „Und der vierte Strom ist der Phrat." '»mi 'ns vb6d me Die größte Leidenschaft ist die des geschlechtlichen Triebes, und viele Menschen werden durch sie zu Grunde gerichtet. — Der übelangewandte Reichthum, die Ehrsucht, die auf Irrwege gerathene Weisheit, die Leidenschaft des geschlechtlichen Triebes, das sind die vier Hauptströme, die den Menschen hinwegreißen von dem Eden der Gottinnigkeit, bis er versinkt in des Meeres tiefsten Abgrund. Diese vier Hauptströme will ben Soma in unserer Mischna in die richtige Bahn lenken, auf daß sie zum Segen und nicht zum Fluche gereichen. — Strebst du nach Wissen, so bietet dir die Thora ein reiches Feld; lerne nur von Jedem, wer es auch sei, verzichte auf Stolz und Uebermuth, und bedenke, daß es Gottes Zeugnisse sind, die aus ihr zu uns reden. — Den größten Heldenmuth muß der Mensch entfalten, welcher die eigene Leidenschaft bezwingen will. Wie der Kriegsheld das Kriegshandwerk erlernen muß, so soll auch der Mensch lernen, seine Leidenschaft zu bezwingen. Sehen wir doch kleine Knaben in Soldatenuniformen einherwandeln. Das sind die Schüler der Kriegsschulen, aus deren Mitte die Anführer im Kriege hervorgehen. Schon als Kinder werden sie in den Waffen geübt, damit sie als Männer siegreich den Feind bekämpfen können. Gibt es einen heftigeren Kampf, einen schwierigeren Krieg als gegen den Feind in der eigenen Brust? Die Hauptaufgabe der Erziehung ist es, in diesem Kampfe die jungen Gemüther zu stählen und zu kräftigen, die Kinder zu lehren, daß sie ihren Neigungen nicht nachgeben, daß vielmehr die getreue Erfüllung der Pflicht allem Anderem vorgeht. Groß ist die Neigung zur Lüge, zur Trägheit, zum kindischen Spiele. Die Liebe zur Wahrheit und zur ersprießlichen Thätigkeit muß den Kindern anerzogen werden; sie müssen namentlich gewöhnt werden, daß sie lernen, sich selbst zu erziehen. Diese Selbsterziehung darf nicht aufhören bis zum letzten Athemzuge. Verführerisch tritt die Sünde nicht nur an die Jugend, sondern auch dem Alter gegenüber. Wer es gelernt hat, seine Leidenschaften zu bezwingen, stets Herr seiner selbst zu sein und zu bleiben, der ist der größte Held. — Der Reichthum, der so verführerisch für die meisten Menschen ist, bedeutet eigentlich weiter nichts als Ueberfluß. Nicht kann der Reiche zweimal zu Mittag effen, im Gegentheile, dem armen Arbeiter schmeckt meistens seine einfache Kost besser als dem Reichen sein lucullisches Mahl; er schläft nach Harrer Arbeit weit besser als der reiche Müssiggänger; er ist weit weniger Krankheiten ausgesetzt, die ja häufig die Folgen eines üppigen Lebens sind; viele Sorgen und Kümmernisse der Reichen sind ihm unbekannt. Der wahrhaft Reiche ist nur der, welcher sich seines Antheils freuet, welcher selbst genießt, was er erringt, der, wenn er ein großes Vermögen besitzt, es nicht zu üppiger Schwelgerei und derlei Dingen, sondern zum Wohle der Mitmenschen verwendet. „Dann ist das Gold desselbigen Landes gut", dann wird der Reiche strahlen in dieser Welt gleich dem Bedolachsteine und in der künftigen Welt gleich dem Schohamfteine, welcher das Brustschild des Hohenpriesters zierte. Nicht derjenige, dessen Herz von der Ehrsucht befangen ist, wird die wahrhafte Ehre erreichen. Wer die Lehre unserer Mischna beherzigt, wird häufig auf die äußere Ehre verzichten müssen. Dle Thoraweisheit wird vielfach gering geschätzt. Wie unbedeutend ist ihr Ruhm im Vergleiche mit den Ehren und den Lorbeeren, welche den Männern der profanen Wissenschaften erblühen. Kein König zeichnet den Thorakundigen aus, keine Akademie läßt ihm ein Ehrendiplom überreichen, nicht werden ihm Fackelzüge und Serenaden gebracht. Der Ruhm desjenigen, der seine Leidenschaften bezwingt, wird nicht in den Büchern der Geschichte verzeichnet; gar oft muß der Langmüthige Hohn und Schmach und Schimpf über sich ergehen lassen, und statt mit Ehre wird er mit Schande überhäuft. Ja, die Leute, die seinen Langmuth kennen, werden sich nicht fürchten, ihn zu beleidigen und ihn zu schmähen. Ebenso muß derjenige, welcher den Reichthum nicht erstrebt, sondern mit seinem Theile sich freuet, auf all die Ehrerbietung verzichten, die dem Besitzer großer Schätze entgegengebracht wird. Und trotzdem ist die Ehre, die ihm zu Theil wird, mehr als alle Ehren, welche Jene erringen. Er wandelt in den Wegen Gottes, forscht in der von Gott uns verliehenen Thora, bezwingt seine Leidenschaften, um stets der Wahrheit und der Tugend treu zu bleiben, freut sich mit dem, was Gott ihm beschieden, und durch alles dieses ehrt er die Schöpfung Gottes, erhebt sich wahrhaft zu der Schöpfung Meisterwerk, zugleich den Schöpfer ehrend, der da verheißen hat: „Denn die Mich ehren, werbe Ich ehren." Was sind alle Orden, Titel, Belohnungen