Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 48 (17.6.1889)
- Date
- 1889-06-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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816 (Arbeiterbezw. Handwerker-) Associationen, die auch in anderen Städten nach einer Schablone von oben her durch den bekannten D. Butculescu eingerichtet wurden, ist alles, was die christlichen Bevölkerungen an „Vereinen" aufzuweisen haben. Aber einen Stock und die Vorbilder für Vereine haben sie in denen der Israeliten vor Augen und diese werden im Laufe der Zeit Nachahmung finden, wie auch schon hier und da einzelnen Regungen dazu bei den christlichen Bewohnern beobachtet werden können, namentlich seitdem in neuester Zeit — seit dem Sturze des antisemitischen Ministeriums — israelitische Veranstaltungen von Christen besucht werden, was ich ja gelegentlich an dieser Stelle berichtete. Das israelitische Vereinswesen ist daher trotz seiner Unstabilität und Mängel ein nicht zu unterschätzender Faktor im rumänischen Kulturleben und hat sich schon bis jetzt nach dieser Richtung hin bedeutende Verdienste erworben. Während aber dasselbe zu längerer Dauer oder nur für ein momentanes Bedürfniß bestimmte Vereinigungen bislang auf die eigene Glaubensgenossenschaft richtete, ist das Vereinswesen der rumänischen Israeliten seit einiger Zeit aus diesem Nahmen herausgetreten und hat auf neue Ziele sein Augenmerk geworfen, die wie schon ihre bisherigen rein inneren Bestrebungen noch mehr geeignet sind den anderen Landesbewohnern als Muster und Anregung zu dienen. Von dem Entstehen von Nachtasylen, die, meines Wissens Israeliten nicht brauchen, darum nur christlichen Nothleidenden zu dienen bestimmt sind, aber von Israeliten geschaffen wurden, habe ich ja seinerzeit berichtet. Seit Anfang dieses Jahres ist eine andere Art Vereine seitens Israeliten und zunächst ausschließlich von den Ihrigen bestehend in's Leben gerufen worden. Es sind dies „Reservisten-" d. h. „Krieger-Vereine". Nach meinerKenntniß sind bis jetzt kameradschaftliche Vereine ehemaliger Soldaten in Rumänien noch unbekannt, also bei den Christen nicht vorhanden. Obwohl gewöhnlich den Israeliten vorgeworfen wird, daß sie sich dem Militärdienst zu entziehen suchen, ist es eine leicht zu konstatirende Wahrheit, daß der Durchfchnittsrumäne den Militärdienst mindestens ebenso ungern macht, und daß er froh ist, wenn er ihn hinter sich hat. Die Israeliten aber drängen sich jetzt geradezu zum Dienst, weil sie nach allen anderen Steuern mit Entrichtung der allerletzten, der Blutsteuer bis jetzt erfolglos, hoffen doch noch die vorenthaltene Gleichberechtigung dadurch zu erlangen. Und da ihnen seit 1887 die Eigenschaft als „Schutzgenossen" ausländischer Staaten en bloc genommen wurde, so haben sie auch gar nicht die Möglichkeit sich vor dem Militärdienst zu schützen. Der Rumäne ist ferner nicht monarchisch und nicht dynastisch gesinnt und hat vor solchen Begriffen gar keinen Respekt, während Israeliten überall gewohnt sind sich vor der öffentlichen Gewalt zu beugen, darum die straffere monarchische Regicrungsform hoch in Ehren halten. Dies gesagt, wird man begreiflich finden, daß es viele israelitische Militärreervisten gibt und daß sie das Bedürfniß empfinden sich zu einem zunächst materiellen, in seinen Folgen aber idealen Zweck zu vereinigen. Der Anstoß ging diesmal von einer kleineren Provinzstadt aus. Der erste Verein neuester Tendenz ist unter dem Namen „Ostasul« (Ostaschul — der Kriegsmann) in der Stadt Verlad errichtet worden. Nach §. 2 der Statuten hat er zum Zweck: „Vereinigung der israelitischen Jugend. die gegen Vaterland und Thron ihre Pflicht erfüllt hat und zur pekuniären Unterstützung seiner Mitglieder, derjenigen Reservisten, die infolge von Concentrirungen zu Manövern oder Krieg ihre Stellungen verloren haben oder Invalide geworden sind, sowie derjenigen, die nach Beendigung des aktiven Dienstes nicht sogleich eine Beschäftigung finden, um sich ernähren zu können." Diese Humanitären Zwecke will er weiter verbreiten und für die Vereinigung aller Reservisten des Landes wirken. Präsident ist Herr M. Rosenbln m. Nach dem Muster dieses Vereins sind gleich darauf in B a c ä u der israelitische Kriegerverein „Patria" (Das Vaterland — Präs. S. Adelst ein), in Piatra-Niamtz der „Reservistul" (100 Mitglieder — Präs. Aisik Hermann), in W a ß l u j der „Ostasul" (Präs. I. Sega!) errichtet worden. Indirekten Mittheilungen zufolge gibt es nun auch schon in Fokschan, RLmnic-Separat, Buttuschan u. s. w. solche israelitische Militär-Associationen und cs sind Anregungen an alle Bezirke ergangen, um in allen Orten des Landes solche zu errichten und unter eine einheitliche Leitung in Bukarest zu bringen. Ich glaube, man braucht nicht gerade ein feiner Beobachter und Pulsfühler des öffentlichen Lebens zu sein, um die eminente Bedeutung solcher von Israeliten ansgehenden Vereine in Rumänien zu erkennen. Ein Mal sind sie ein Beweis patriotischen Fühlens, indem sie das Militärleben und diesem inhärenten Erfordernisse Patriotismus, Dynastizismus, Respekt vor der Staatsordnung u. s. w. — im Civilftand fortsetzen. Sodann geben sie den christlichen Kameraden Beispiel und Anregung sich entweder ebenfalls zu solchen Vereinen separat zu konstituiren oder aber sich ihnen anzuschließen — und dadurch werden mit der Zeit die Beziehungen zwischen Christen und Israeliten sich freundlicher