Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 48 (17.6.1889)
- Date
- 1889-06-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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815 ber mit Unterschriften versehen, Anfang Oktober nach Dresden an das Ministerium gesandt werden soll. Hervorragende Männer dieser Stadt werden unterschreiben, der Vorstand der hiesigen Gemeinde voraussichtlich gleichfalls. Nach den Festtagen reise ich nach Delitsch, behufs zur Sache gehörender Angelegenheiten. KarlWiesenthal. Dierrze (Lothringen), 8. Juni. Die israelitische Gemeinde unserer Stadt hat ein Grundstück erworben und die erforderliche Genehmigung behördlicherseits erlangt zur Anlegung eines eigenen Friedhofes. Bisher mußten sie ihre verstorbenen Glaubensgenossen sehr weit, beispielsweise nach Finstingen, Delme u. s. w., bringen lassen, also entspricht der Plan einem längst gefühlten Bedürfniß. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Wien, 7. Juni. Der Ministerpräsident Graf Taaffe empfing gestern in Lemberg auch den Vorstand der jüdischen Kultusgemeinde und sagte: Mit Vergnügen habe er die Wahrnehmung gemacht, daß in diesem Lande der Antisemitismus nicht in solchem Grade aufgetreten sei, wie in einem anderen Kronlande, wo, ihnen bekannt, bedauernswerthe Ausschreitungen vorgekommen seien; aber auch dort sei diese Störung nicht so sehr auf Judenhaß zurückzuführen, als vielmehr daraus, daß der Antisemitismus einigen kleinen Fraktionen als Deckmantel für ihre mannigfache Bestrebungen diene. Uebrigens habe diese Strömung auch dort ihren Höhepunkt bereits erreicht. Man habe der Regierung nahe gelegt, die antisemitische Bewegung durch Ausnahmsmaßregeln zu bekämpfen; aber sie würden einsehen, daß mit solchen Mitteln gegen den Antisemitismus nichts ausgerichtet werden könnte. Auch in Böhmen habe diese antisemitische Bewegung, Dank dem Takte der Judenschaft, keine große Ausdehnung genommen. „Nehmen Sie die Versicherung entgegen", so schloß der Ministerpräsident, „daß die Regierung darauf bedacht ist, Ihnen die staatsgrundgesetzlich gewährten Rechte zu schützen." Rumänien. Dr. C. Bukarest, 9. Juni. Man wird vielleicht geneigt sein, es als eine Uebertreibung anzusehen, aber es bleibt doch wahr, was ich sagen will, daß in unserem Lande so viele gute, schöne und, den Verfolgungen zum Trotz patriotische Anregungen von Israeliten allein ausgehen. Die Feststellung dieser Thatsache wird mir nahegelegt, wenn ich einen Blick auf das Vereins wesen und auf die augenblicklichen Vereinigungen in Rumänien, richtiger: bei den rumänischen Israeliten werfe. Im Laufe der Jahre habe ich ja schon öfter Gelegenheit gehabt über unser Vereinsleben zu berichten und ich habe auch mit meiner im Allgemeinen abfälligen Meinung darüber nicht hinter den Bergen gehalten. Ich habe es nicht verschwiegen, daß Vereine ihr Entstehen oft einer schlaflosen, größenträumerischen Nacht ihres nachmaligen Präsidenten rc. verdanken, daß sie nicht immer einem dringenden Bedürfnisse entsprechen, daß sie in der Regel nicht lange Dauer haben und das Interesse namentlich mit dem Einzahlenmüffen aufhört und daß vor Allem gerade der wichtigste und nothwendigste aller Vereine. der G e m e i n d e-Verein vernachlässigt wird. Dies Alles, welches auf die Existenz und Lebensfähigkeit schon vorhandener Vereine, die meistens für einzelne Zwecke der Ersatz der Gemeinde sind, sich bezieht, hat indeß nichts zu thun mit dem Trieb und der Initiative zur Begründung solcher. Welche immer die Beweggründe der Errichtung, sowie der Verlauf der Vereine ist, der Assoctationsgeist ist bei unseren Israeliten sehr stark vorhanden und er ist im sieten Schaffen begriffen: wenn heute ein Verein eingegangen, so entsteht morgen ein anderer; und dieser bringt immer Abwechselung und Neues in den Vornahmen, so daß dem großen Publikum dadurch immermehr erstrebenswerthe Ziele bekannt werden. Diesen Trieb sich zu edlem Thun zu vereinigen, kann ich bis zu den 70er Jahren hinauf konstatiren und glaube nicht fehlzugehen in der Annahme, daß es 1875 war, daß das Vergesellschaften unter den Israeliten einen raschen und glänzenden Aufschwung nahm. Wie Pilze schossen Vereine aus der Erde und die Zwecke, die sie sich stellten, waren ebenso mannigfaltig, in der ersten Zeit jedoch vorwiegend Krankenpflege- und Beerdigungsvereine. Die Hauptorte der Vereinsbildungen waren und sind, wie natürlich, die beiden größten Städte des Landes, Bukarest und Jassy — von letzterer ging das Beispiel aus — aber auch in den anderen Städten, sogar in sehr kleinen, ist der Trieb sich zu bestimmten Zwecken zusammenzuthun stets rege gewesen. Bei den christlichen Bewohnern Rumäniens, gleichgiltig ob sie der Urbevölkerung des Landes oder den meist vom Orient eingewanderten Nationalitäten angehören, ist der totale Mangel an Geselligkeit stark in die Augen stechend und von einem Vereinsleben, namentlich zum Zweck des Wohlthuns an Andere, noch nichts zu sehen. Einige wenige Klubs und „Noblesse"-Vereinigungen zu Sport und Aehnlichem in bcn Hauptcentren, Bukarest und Jassy, sowie eine Anzahl „Kooperativ"-