Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 48 (17.6.1889)
- Date
- 1889-06-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2447947-2447992--28654-2476348- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
gestalten. Schließlich erblicke ich in diesen Vereinen den Anfang zur Konsolidirung und Stabilität des israelitischen Gemeindewesens. Denn Leute, die Disziplin und Subordination während ihrer Dienstzeit gründlich gelernt haben, werden diese gerade den Gemeinden fehlenden Eigenschaften in ihr Civilleben übertragen und bethätigen zum Wohle der Gesammtheit. Ich begrüße daher die neueste Phase in den Vereinsbestrebungen der rumänischen Israeliten mit herzlicher Befriedigung und wünsche ihnen ein fröhliches Gedeihen. Frankreich. Paris. Ein französischer Beamter in Tunis wohnte einer Versammmlung bei, in welcher judenseindliche Reden gehalten wurden. Dem Minister des Aeußern, Herrn Spuller, wnrde von einem Deputirten hievon Kenntniß gegeben, welcher Hierwegen beim Generalkonsul Untersuchung einleiten ließ. Es stellte sich heraus, daß der Beamte von der Tendenz der Versammlung keine Ahnung hotte und nur auf spezielle Einladung eines Freundes gegenwärtig war. Nichtsdestoweniger haben der Beamte und der Generalkonsul ihr Bedauern hierüber ausgesprochen; gleichzeitig theilte Minister Spuller mit, daß die Untersuchung ergeben habe, daß in Tunesien keine antisemitische Bewegung vorhanden sei. England. London, 3. Juni. Die Königin hat dem auch im „Israelit" schon mehrmals rühmlichst erwähnten Bürgermeister und Cultusvorsteher von Melbourne , Herrn Benjamin, die Ritterwürde (Knighthood) verliehen. Herr Benjamin ist ein Sohn unserer Stadt, die er 1844 verließ, um mit seinem Vater nach erstgenannter Stadt auszuwandern, wo dessen zwei Brüder David und Salomon Benjamin schon seit 1838 als Importeure lebten. 1856 vereinigte sich Herr Benjamin mit seinem Schwager Edward Cohen, und Beide betrieben nun gleichfalls ein Importgeschäft. Nach dem Tode seines Schwagers zog sich Herr Benjamin gänzlich vom Geschäfte zurück. Heute fungirt er nur noch als Vorsitzender der Melbourne-Bank. In Chicago ist der bekannte Reformprediger und Feind der Orthodoxie, Dr. Samuel Hirsch, im Alter von 74 Jahren aus dem Leben geschieden. Hier starb in der vergangenen Woche Herr Bernett M y e r s, der durch seinen außerordentlichen Wohlthätigkeitssinn glänzte und hat er auch zum Bau des hiesigen jüdischen Spitals und Waisenhauses den dazu nöthigen Grund und Boden geschenkt. Derselbe gehörte auch für einige Zeit dem Rathe der Vereinigten Synagogen an. Er hat ein Alter von 74 Jahren erreicht. rvasun London, 4. Juni. Wir freuen uns den geehrten Lesern mitzutheilen, daß Herr Isidor Schwab (aus Frankfurt am Main) zum Direktor der hiesigen „Talmud-Thora-Schule" gewählt wurde. Dieser allseitig gebildete junge Mann wird zweifelsohne zur weiteren Prosperität der löblichen Unterrichtsanstalt wesentlich beitragen und hoffentlich nach Kräften dahin wirken, daß der Unterricht fernerhin nicht mehr im „Jargon", sondern in englischer Sprache ertheilt werde, damit den hier Eingebornen ebenfalls Gelegenheit geboten sei, sich am Unterricht zu betheiligen, was schon deßhalb leicht durchführbar sein dürfte, weil doch sämmtliche 300 polnische Kinder, welche die Anstalt besuchen, weit besser englisch als Jargon verstehen. London. Bei dem diesjährigen Festcffen der königlichen Literaturgesellschaft, an welchem der größte Theil des hohen englischen Adels theilnahm, präsidirte Lord Rothschild; auch Herr Rabb. Dr. Hermann Adler war eingeladen und ihm der Toast auf die englische Literatur — die vorzüglichste der offiziellen Reden — übertragen worden. Dr. Adler erklärte aus religiösen Gründen an der Tafel nicht participiren zu können. Daraufhin entschloß man sich, die ganze Mahlzeit streng koscher bereiten zu lassen — und also geschah es. Rußland. Petersburg, 2. Juni. Czar Alexander HL m’ hat soeben einen für die Juden Central-Asiens höchst günstigen Befehl erlassen. Mittelst kaiserlichen Ukases wurde der General-Gouverneur von Turkestan, General Rosenbach, ermächtigt, allen Bewohnern der beiden Khanate Khiwa und Bokhara, welche darum ansuchen sollten, den russischen Schutz zu gewähren. Der Czar wurde zu diesem Schritte veranlaßt durch die häufigen in der letzten Zeit am Sitze des genannten General-Gouverneurs eingelaufenen Klagen khiwesischer und bokharesischer Kausteute und Grundbesitzer, daß sie sich, trotz Kaspibahn ihren Emiren und deren Beamten gegenüber, noch immer nicht ihres Lebens und ihres Vermögens gänzlich sicher fühlen, und dann auch, daß ihnen ihre khiwesische und bokharesifche Staatsangehörigkeit auf ihren Geschäftsreisen nach Persien, Afghanistan, Beludschistan und China keinen genügenden Schutz gewähren kann. Was kümmert sich so ein chinesischer Vicekönig um den kleinen Emir von Bokhara und den von dessen Beamten ausgestellten Reisepaß. Derselbe bekommt