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Der Israelit · 1889-06-12 · Heft 46-47 (12.6.1889) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 46-47 (12.6.1889)
Date
1889-06-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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794 Schulze aus Bochum als Kandidaten a ufzuftell en. Dieser Herr verfolgt, wie verschiedene Zeitungen betonen, antisemitische Tendenzen. Wenn dies die verstorbenen Reichstagsabgeordneten Twesten und Laster, welche bekanntlich die bedeutendsten Führer der nationalliberalen Fraktion waren, erlebt hätten — ob sie mit diesem Vündniß einverstanden wären? Die Lohnbewegungen der Bergknappen in Rheinland-Westfalen, welche überall jetzt Stoff zum Tagesgespräch bieten, zeichnen sich für uns Juden besonders dadurch aus, daß die Grubenarbeiter, an den wenig Orten, wo es zu Ausschreitungen kam, wie in Gelsenkirchen und Bochum, die Juden völlig verschont ließen und denselben weder Fenster noch Läden, wie dies bei der Strike der Tramway - Kutscher in Wien geschah, demolirten. Die deutschen Arbeiter wissen ganz gut, daß den Juden nicht die schlimme Lage der wirtschaftlichen Verhältnisse unseres Vaterlandes in die Schuhe geschoben werden kann und lassen sich nicht durch die Worte des westfälischen Antisemitenhauptmanns irreleiten. A. St. Bochum, 4. Juni. Infolge Verhandlung des Regierungspräsidenten von Ros en mit Dr. Kö n ig- Witten wurde das Programm des deutschen Antisemitentages inVochum dahin geändert, daß amPfingstmontage statt einer Versammlung mit Vorträgen ein einfaches Volksfest stattfinden solle. Andernfalls würde der Antisemitentag verboten werden. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Pefth. Im israelitischen Landes-Taubstummen-Jnstitut fand gestern im Beisein eines sehr zahlreichen Publikums die Schlußprüfung statt, bei welcher die Zöglinge des Instituts Beispiele von überraschender Fertigkeit, Intelligenz und Wohlerzogenheit lieferten. Lange vor Beginn der Prüfung war der große Prüfungssaal derart von Gästen überfüllt, daß die Späterkommenden nur im anstoßenden Lehrsaale Platz finden konnten. Anwesend waren unter Anderen: Ober-Bürgermeister Karl RLth, Reichstags-Abgeordneter Moritz Wahrmann, Universitäts-Professor Dr. Julius Böke, Schul-Jnspektor Dr. Karl Veredy, der Direktor des Taubstummen - Instituts in Waitzen Franz Krenedits, Prediger Dr. Samuel Kohn und mehrere Mitglieder der Jnstitutsleitung. Nach einem kurzen Gebete, welches ein kleines Mädchen van einer Tafel herablas, nahm die Prüfung ihren Anfang. Die Zöglinge der verschiedenen Klassen — es sind ihrer 89 in sechs Klassen — entledigten sich ihrer Aufgabe mit der größten Sicherheit, sie antworteten auf die an sie gestellten Fragen prompt und mit größter Deutlichkeit. In allen Gegenständen, welche in den Volksschulen unterrichtet werden, zeigten sie sich gleich bewandert. Zum Schlüsse sprach einer der aus dem Institute scheidenden Zöglinge in einer kurzen Rede der Leitung und dem Professorenkörper den Dank seiner Mitschüler für die empfangenen Wohlthaten und die liebevolle Behandlung aus, worauf Schulinspector Dr. Vöredy mit dem Ausdruck der Freude das erzielte, schöne Resultat konstatirte und sich lobend über das Gesehene und Gehörte aussprach. Pefth. Anläßlich der im Israelitischen Landes- Taubstummen-Jnstitut stattgehabten Prüfung theilt man uns die folgenden, diese Anstalt betreffenden Daten mit: Dieselbe zählt zur Zeit 86 Zöglinge 38 Mädchen und 48 Knaben. Diese werden unter der Leitung eines Direktors von acht Lehrern in ebenso vielen Abtheilungen unterrichtet. Die Unterrichtssprache ist die ungarische. In den oberen Abtheilungen wird auch deutsche Sprache als Lehrgegenstand unterrichtet' Der Unterricht umfaßt alle jene Gegenstände, welche als Vorbereitung für das bürgerliche Leben von jedem erwerbsfähigen Bürger verlangt werden. Das Hauptgewicht wird auf die moralische Erziehung gelegt, denn es handelt sich bei der leitenden Körperschaft weniger darum, aus den armen Unglücklichen Vielwisser oder Künstler zu bilden, als vielmehr sie zu einfachen, arbeitsamen nüchternen Menschen zu erziehen, welche in der Reihe ihrer Mitbürger als selbstständige, ehrenfeste Leute ihr Auskommen finden. Alles in der Anstalt deutet klar auf dieses zielbewußte Vorgehen hin. Der sprachliche Verkehr der Lehrer mit den Zöglingen ist ein leichter, die Antworten erfolgten in vernehmbarer, geläufiger Sprache. Die Zöglinge des ersten Jahrganges machen nicht mehr den Eindruck von Stummen, denn sie haben bereits Schreiben, Lesen, Ablesen vom Munde und Sprechen über die Gegenstände ihrer nächsten Umgebung gelernt. Feuilleton. Schuld und Sühne. Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzung.) „Meine lieben, theuren Eltern! Hoffentlich habt Ihr, theure Eltern, Eure Reise glücklich und bei bestem Wohlsein zurückgelegt und werden wir recht bald durch gute Nachricht von Euch erfreut. Gute Nachricht von Euch ist das Einzige,

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