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Der Israelit · 1889-06-12 · Heft 46-47 (12.6.1889) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 46-47 (12.6.1889)
Date
1889-06-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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792 Wenn wir dasselbe nicht gedankenlos begangen, wenn es nicht ein leerer Lippenhall gewesen, als wir es urrnn ino pr, das Fest der Offenbarung unseres Gesetzes, nannten, wenn wir in Wirklichkeit uns mit unseren Vätern am Sinai eins fühlten und mit ihnen den hehren Augenblick durchlebten, da Gott uns Seinen heiligen Willen kundgab, Sein Gesetz unseren Händen anvertraute uns und unsere spätesten Enkel auf den unverbrüchlichsten Gehorsam gegen dasselbe in Pflicht nahm —, wenn wir Alle, Alle, Söhne und Töchter Israels auf weitem Erdkreise, die Wahrheit der Thatsache beherzigt hätten, daß Gott es ist, der die Thora gegeben, daß Er sie uns gegeben, und daß unseres ganzen Daseins voller Inhalt, von der Wiege bis zum Grabe, und unseres Lebens einzige Aufgabe sich in der unabweisbaren und unauflöslichen Verpflichtung zur Erfüllung dieser Thora sich erschöpft — wahrlich dann würden Jrrthum, Wahn und Zweifel aus unserer Brust schwinden, dann würde es licht werden in Israels Kreisen, dann würden wir den Dünkel fahren lasten, in welchem wir unserer Eitelkeit, unserer Bequemlichkeit, unserm Eigennutz Altäre errichten, dann würden wir die Götzen, denen wir dienen, aus unserer Mitte bannen und zu unserm und der Gesammtmenschheit Heil als das nnx *u, als das in seinem Dienste Gottes einzige Volk des Einig-Einzigen uns bewähren. Wie weit sind wir noch an dieser Erkenntniß unseres einzigen Lebensberufs! Wohl erheben sich überall von jüdischen Händen errichtete Tempel, aber wie viele von ihnen sind nicht der einzigen jüdischen Wahrheit, sondern dem Wahne und der Lüge geweiht. Wohl vereinigen sich überall jüdische Männer zu Gemeinden, aber wie viele dieser Gemeinden haben ein anderes als das volle und unverfälschte Judenthum zu ihrem Prinzipe sich erwählt. Wohl lehren und predigen überall Rabbiner, Prediger und Lehrer, aber wie viele unter ihnen lehren den Abfall und predigen durch Wort und Beispiel den Treubruch. Wohl gibt es Hochschulen jüdischer Wissenschaft zur Heranbildung von Lehrern und Rabbinern, aber wie manche von ihnen pflegen eine falsche Lehre und eine trügerische Wissenschaft, sind miro v'w rtoo und inenn »bh bv nnawa. Wohl treten überall Juden zu gemeinsamen Bestrebungen zusammen, aber wie manche dieser Versammlungen verbreiten die Lüge und wie manche dieser Genossenschaften und Bunde stellen sich in den Dienst der Propaganda für nwo und niDIlp’DN?? Blicken wir doch einmal hierin in die Tempel der ganzen und halben Reform, die auch am jüngstvergangenen Feste mit der „Andächtigen Schaare" sich gefüllt hatten. Auch sie hatten sich in reichem Blumenflor geschmückt, ja sie gerade zeichneten sich vielleicht mehr als die anderen Gotteshäuser durch Pracht und Herrlichkeit aus. In den der weiter „vorangeschrittenen" Synagogen ertönten die mächtigen Klänge der von dem jüdischen Religionsgesetze verpönten Orgel, erschallten die Chöre des nach dem jüdischenReligionsgesetzeunzulässigenFrauengesanges, nach allen Regeln der Kunst intonirend. In den noch nicht der ausschweifenden Reform huldigenden Gemeinden begnügte man sich mit der gesetzwidrigen Verkürzung und Ummodelung der Liturgie. Unter Orgelklang und Frauengesang dort, unter Jubeltiedern hier haben die Kantoren die heiligen Gesetzesrollen aus dem Schrein gehoben und den Abschnitt daraus verlesen, welcher die Offenbarung am Sinai zum Inhalte hat. Und auch hier spricht man den Segen über die Thora und preist Gott, der uns das Gesetz gegeben und dadurch ewiges Leben in unsere Mitte gepflanzt hat. Und dann schreiten sie vor, die jugendlichen Gestalten der Knaben und Mädchen, um am Feste der Gesetzgebung sich von dem Prediger „konfirmiren" zu lassen oder „die Neligionsweihe" zu empfangen. Sie sagen die „dreizehn Glaubensartikel" her, oder rezitiren die „Zchugebote" und sprechen ein Glaubensgelöbniß ans und tragen Gebete vor, und der Prediger redet gar erbaulich und ergreifend zu der jugendlichen Schaar, die er heute in den Glaubensbund Israels einführt, die Jünglinge und Jungfrauen aber sind höchst gerührt und die Eltern, Geschwister, Großeltern, Onkel, Tanten, Vettern und Basen trocknen die in Zähren glänzenden Augen. Ist es Wahrheit und Ernst, die sich in diesem festlichen Gepränge ausdrückeu? Ist dem ministrirenöeit Geistlichen baß Judenthum Ernst und Wahrheit, ist es der Gemeinde Ernst und Wahrheit, haben die „Konfirmanden" den Ernst und die Wahrheit des Judenthums begriffen, ja ist ihnen auch eine Ahnung davon zum Bewußtsein gebracht worden? „In der That dürfte sich schwer begreifen lassen" , also schrieb Samson Raphael Hirsch im Siwan-Hefte des Jeschurun 5618, „wie in unseren modernen Tempeln am Tage des Gesetzoffenbarungsfestes auch nur die Zehngebote vorgelesen und auf die Zchngebote die Jugend konfirmirt werden könnte, in diesen Tempeln, in welchen nicht die Unterwerfung des Lebens unter das Gesetz, sondern die Akkomodation des Gesetzes an das Leben als leitendes Princip dasteht und selbst die Zehngebote — im jüdischen Kreise keine höhere Geltung als alle übrigen Gesetze beanspruchend — nicht ohne

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