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Der Israelit · 1889-06-03 · Heft 44-45 (3.6.1889) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 44-45 (3.6.1889)
Date
1889-06-03
Page
– (sequence 11)
Language
German
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775 die kleine Zahl ihrer Vertreter eine sehr beschränkte, ihre Zahl beträgt vielleicht nicht einmal so viele Dutzende, wie die der Juden Taufende und Zehntausende. Von diesen Gesichtspunkten geleitet, können wir v. Krafft-Ebing durchaus nicht beitreten. Anders liegen die Verhältnisse allerdings, wenn wir die anderen allgemein anwendbaren Ursachen, die der geistvolle Forscher an der Zunahme der Geistesd krankheiten beschuldigt, beachten, denn sie finden ihre Berechtigung für die Juden im selben, wenn nicht gar in höherem Maße. Es kann allerdings nicht die Aufgabe eines Zeitungsartikels sein, alle Ursachendie geistigen Erkrankungen zu Grunde liegen, anzugeben, oder man müßte eines der complizirtesten und dunkelsten Gebiete der Psychologie zugleich miteinfchließen. Auch hätte eine solche Darlegung durchaus keinen Zweck, denn nur was durch gemeinsames Handeln gebessert werden kann, soll xar ££oxijv in den Bereich unserer Betrachtungen gezogen werden, das Uebrige gehört dem Fachmanne, dem Arzt und dem Forscher an. Um jedoch unser schwieriges Thema gemeinverständlich und lückenlos durchzuführen, um dem Laien den Ausblick zu gewähren, wo und wie er an der Bekämpfung des Größten aller Uebel Mitwirken kann, werden wir nur die ethischen Ursachen des Irreseins erörtern. Ihrer sind so unendlich viele und mannigfache, daß ihre Besprechung allein schon ein reiches Kapitel umfaßt, aus ihnen werden wir wiederum nur jenen unsere Aufmerksamkeit zuwenden, die auf die jüdischen Verhältnisse zwanglos bezogen werden können. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 29. Mai. Die „Kons. Korr." bringt, inspirirt vom Parteiausschuß, eine Kundgebung gegen den deutschen Antisemitentag, in dem es heißt: „Dr. König-Witten erläßt im Aufträge der rheinisch - westfälischen Reformvereine nachstehenden Aufruf zur Abhaltung eines deutschen Antisemitentages : „Alle Deutschen, welche von dem Vorhandensein und der Lösungsbedürftigkeit der Judenfrage überzeugt sind, gleichviel welcher Konfession oder politischer Partei sie auch angehören mögen, werden hierdurch dringend zu dem deutschen Antisemitentag in Bochum auf Pfingstmontag und Pfingstdienstag eingeladen." Dieser Aufruf findet sich u. A. in der „Neuen Preußischen Zeitung" („Kreuzztg.") vom 25. Mai d. I. abgedruckt. Wir sind hiernach wohl zu der Annahme berechtigt, daß zu Denen, welche gleich viel welcher politischen Pattei sie angehören, zur Theilnahme an dem deutschen Antisemitentag eingeladen werden, auch die Konservativen gerechnet werden. Damit jedoch unsere Gesinnungsgenossen sich selbst darüber ein Urtheil bilden können, wie sich die deutschen Reformer bezw. Antisemiten zur konservativen Partei stellen, theilen wir nachstehende Stellen aus der „Deutschen Wacht", Organ der deutschen Reformpartei, mit." Es folgt nun ein Auszug aus einem Artikel, in welchem gesagt wird, daß die Konservattven durchaus kein Verständuiß für eine soziale Reformpartei haben, daß es ihnen auch an der erforderlichen Unabhängigkeit und am ernsten Willen dazu fehlt. Dann fährt der „Kons. Korr." fort: „Wir brauchen unsere Leser wohl nicht erst darauf aufmerksam zu machen, daß dieses Urtheil über die gesammte konservative Partei gefällt wird. Nicht einmal die „Kreuzz.", welche obigen Aufruf des Dr. König-Witten abdruckt, sich auch sonst nicht unfreundlich gegen die „Deutsche Reformpartei" gezeigt hat, wird hier ausgenommen. Wir können endlich noch hinzufügen, daß diese Stelle nur eine einzelne Probe von den Schimpfereien gibt, welche jede Nummer des eben erwähnten Organs der „Deutschen Reformpartei" in gleicher Fülle enthält. Unter Zugrundelegung von maßlosen Unwahrheiten und Erfindungen werden die „Cohn—servativen" — so wird die Partei stets genannt — des Zusammenwirkens mit allen dem Judenthum zur Last gelegten Schlechtigkeiten beschuldigt. Der Redakteur der Zeitung, ein gewisser Zimmermann aus Dresden, wird in dem erwähnten Aufruf des Dr. König- Witten ausdrücklich als hervorragender Antisemit bezeichnet; derselbe ist Deutschkatholik und will mit der Philosophie von Schopenhauer — man weiß nicht genau — ob die Juden oder die konservattven Elemente im Staate ausrotten. Die „Deutsche Reformpartei" könnte man um solche großen Männer beneiden. Daß sich unter diesem Antisemitismus nur ein rohes Demagogenthum verbirgt, brauchen wir wohl kaum noch zu bemerken." Diese Auslassung des konservativen Parteiorganes ist an sich, dann aber auch deßhalb interessant, weil sie eine unverkennbare Spitze gegen den Antisemitismus der „Kreuzzeitung" enthält. Es ist vielleicht kein Zufall, daß gleichzeitig die freikonservative „Post", eine der hervorragendsten Nährmütter des Antisemitismus in seinen Kinderjahren, sich gegen die extreme Judenhetze wendet und unter Anderem sagt:

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