Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 44-45 (3.6.1889)
- Date
- 1889-06-03
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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776 „Wir wenden uns noch einmal an die „Kreuzzeitung". Kommt dem Blatte nie der Gedanke, dnß eine aller Kritik und Besonnenheit baare Unterstützung jeder antisemitischen Massenerregung, wie namentlich der Ultramontanismus sie immer häufiger in Scene setzt, gar keine andere Folge haben kann, als über kurz oder lang einen Umschlag der öffentlichen Stimmung, vielleicht sogar ein Einschreiten der Staatsgewalt zu Gunsten des Judenthums vorzubereiten? Eine von allen Nebenzwecken freie unparteiliche, sich streng an die Thatsachen haltende, von durchdachten Vorschlägen unterstützte Kritik des jüdischen Einflusses könnte ohne Frage noch in der jetzigen Zeitlage viel ausrichten. Da aber nichts als Leidenschaftlichkeit und Maßlosigkeit zu Tage kommt, da jede gewissenhafte Abwägung von Thatsachen und Verhältnissen sogleich mit rohem Terrorismus, mit ungereimten Verdächtigungen zu Boden gerissen werden soll, so können ernsthafte und gewissenhafte Männer sich an dem Kampf nicht beteiligen, wie durchdrungen sie auch von der Ueberzeugung sein möchten, daß eine zweckmäßig geleitete Gegenwirkung gegen das Judenthum geboten sei." Hamburg. Unsere Gemeinde hat den Heimgang eines edlen Mitgliedes, des Herrn Siegmund Marburg, Chef der bekannten Firma M. M. Marburg u. Co., zn beklagen. Der Verstorbene gehörte stets der streng orthodoxen Richtung, hatte viele Ehrenämter sowohl der jüdischen Gemeinde als auch in Communalangelegenheiten. In der Blüthe der Jahre ereilte ihn der Tod in Baden - Baden, die Beerdigung fand hier unter großer Betheiligung auf dem jüd. Begräbnißplatz Langenfelde statt, den s. Z. der unvergeßliche Oberrabbiner Stern seiner Bestimmung übergeben, dessen eifriger Anhänger der Verstorbene stets war. Das frühe Ableben des edlen Verstorbenen wird nicht allein von seiner trauernden Familie, sondern auch von seinen vielen Freuden, die er sich durch seinen überaus edlen Character erworben, innig beweint. Möge Gott der Allmächtige der trauernden Wittwe und den Kindern Trost senden. Oesterr. - Ungar. Monarchie. PLpL, 26. Mai. Eine erhebende Feierlichkeit vollzog sich gestern Nachmittag im hiesigen Beth- Hamidrasch. Unser Oberrabbiner, Herr Dr. Breuer und dessen Frau, Tochter des verstorbenen Rabbiners Hirsch in Frankfurt a. M., spendeten demselben eine neue, überaus prachtvoll ausgeführte Sefer-Thora sammt einer eleganten Ausstattung. Der *p»n wurde mit Feierlichkeit begangen. Vor dem Mincha-Gebet hielt Herr Dr. Breuer über ein talmudisches Gelegenheitsthema vor einer distinguirten Versammlung eine geistreiche und gelungene Dissertation; eine wahrhaft heilige Begeisterung durchwehte der Anwesenden Gemüth beim Anhören derselben. Hieraus zogen die Anwesenden zur Wohnung des Herrn Oberrabbiners und brachten die Sefer-Thora unter Psalmengesängen nach ihrem neuen Bestimmungsort. Dem Mincha-Gebet folgte ein Bankett, bei dem viele min nan gesprochen wurden. Gustav Löwy. Feuilleton. Z>as Gtymon Gestatten Sie mir, hochgeehrter Herr Redacteur, auch meine Ansicht über den Ursprung des Wortes erb& in Ihrem geschätzten Blatte äußern zu dürfen. Die Identität des Etymon mit dem talmudischen Ausdruck b6ie>d könnte meiner Meinung nach auch zutreffend sein, und eine nach mehreren Seiten offene Vorhalle bedeuten; denn nach dem Sinne des Talmuds sollte das Wort ic6iqd eine Bezeichnung der vielseitigen gewölbten Oeffnungen eines Einganges sein (Erubin 7, 26, 95), und mit derartigen gewölbten offenen Eingängen waren die alten Synagogen in den slavischen Ländern versehen. Es läßt sich übrigens auch annehmen, daß das Etymon vbs von dem hebräischen Worte »fern „sich wälzen", z. B. it^srv neto Jecheskel 27, isw ’t^önn Jeremia 6, abgeleitet sei, weil die Synagogen-Vorhalle thasächlich eine Lagerstätte für Bettler und armev^au, die dort die sieben Trauertage zubringen, ist. Ferner könnte man auch der Vermuthung Raum geben, daß das Wort urbs eine Abkürzung von dem an vielen Synagogenhallen angebrachten Vers "ui "irine,, sei. — Nun komme ich zu der citirten Stelle, Synhedrin 89 a. Nach der veränderten Leseart des R. Nathan zur genannten Stelle, — wenn auch derselbe durch seine Erklärung uns zu demselben Resultat, wie unsere führt, daß und rpsrs mit ^»sn nicht identisch sei, — sowie auch nach dem Verfasser der Handschrift — im citirten >pnpn d'-©id des Rabinowitsch — btwv\ -o »aa, (rpn bv wreno), der den Text in der nach den Worten wn noiyi ynj durch folgende Leseart verlängert: rra ti'w N^atoa »na tmi “njn »n ,'ON »a»n »ton 'Hir6 wn 2"li ’ndn jrrnna 'nan irrru nw Njnn«