Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 44-45 (3.6.1889)
- Date
- 1889-06-03
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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774 Während bei der Gesammtbevölkerung dem Irrsinn als eine sehr häufige Ursache die Trunksucht zu Grunde liegt, fällt dieses so wichtige Moment bet den Juden fast ganz hinweg, und trotz dieses Ausfalls einer der wichtigsten Ursachen des Irrsinns, bei den Juden mehr Geisteskranke! Die Trunksucht führt häufig da zum Wahnsinn, wo große Mengen Alkohol in conccntrirter Form, und in schlechter Qualität wie der Fusel in den Consum treten und den Gewohnheitstrinker langsam aber sicher, wenn ihn nicht vorher ein anderes Ende erreicht, ins Irrenhaus führen. Besonders jene Unglücklichen, die „ihr Elend vergessen wollen", sich in Schnaps berauschen, in der untersten Volksklaffe sind die häufigsten Jrrenhauscandidaten. Aber auch bei den ungebildetsten Juden sind solche Individuen äußerst selten, ein Umstand, den Statistiker wie selbst sehr hervorragende Forscher, wie uns dünkt, bisher nicht voll berücksichtigt haben, der aber gerade, weil ja demgemäß das Irresein bei den Juden seltener sein müßte, beweist, daß die Disposition zu diesem Uebel unter ihnen eine weit größere fein muß, als unter der christlichen Bevölkerung. Denn sonst müßten die statistischen Ausweise weit günstiger für uns sein, und das Gegenteil ist der Fall i Angesichts einer so furchtbaren Wahrheit müssen wir ernstlich fragen, welche Faktoren denn in der Gegenwart hinzugetreten sein müssen , um ein sozial wie individuell gleich großes Unglück, wie es der Irrsinn ist, in so beunruhigender Weise verbreiten zu helfen. Hier gebeut uns Pflicht und Gewissen mit fester Hand und ruhigem Blick nach den Schäden zu suchen, die das Judenthum geistig und körperlich bedrohen, hier gilt es Ursache und Wirkung mit gleicher Offenheit zu besprechen, und die Schäden, die geeignet sind, das bedrohliche Uebel weiter zu verbreiten, energisch zu bekämpfen. Anders handeln hieße die Rolle des Vogels Strauß spielen, was gewiß kein Wohlgesinnter wünschen kann. Ueber den Irrsinn bei den Juden äußert sich v. Krafft-Ebing nun folgendermaßen: „Die Statistik hat sich große Mühe gegeben, den Prozentsatz des Jrrseins bei den verschiedenen Confessionen zu ermitteln und beispielsweise gefunden, daß bei Juden und gewissen Sekten der Prozentsatz ein ungewöhnlich hoher ist. Die Thatsache steht mit dem Religionsbekenntntß nur insofern in Zusammenhang, als dieses vielfach ein Ehehinderniß bildet und seinen Bekennern, zumal wo sie gering an Zahl sind, zu ungenügender Kreuzung der Race, zu fortgesetzter Inzucht Anlaß gibt." „Es besteht somit hier eine anologe Erscheinung wie bei Familien der hohen Aristokratie, die aus Adels- oder Geldrücksichten beständig ineinander heirathen und so häufig irrsinnige Angehörige haben. Auch hier ist die Ursache keine ethische, sondern eine anthropologische." 3) Gegenüber dieser Ausführung des citirten Forschers haben wir indeß einen Einwand zu erheben, der nicht ohne Berechtigung sein dürste. Die Juden besitzen nämlich ein großes Adaptionsvermögen, das sie befähigt sich allen Klimaten und Zonen und den Völkern, unter denen sie leben, völlig anzupassen. Kraft dieses Anpassungsvermögens nehmen sie mit Leichtigkeit Sitten und Gewohnheiten der verschiedenen Völker an, vermögen sich also im vollsten Sinne zu adaptiren und sogar äußerlich das ganze Gepräge ihrer Nation in die eigne Individualität aufzunehmen. Damit gehen leicht erkenntliche Merkmale Hand in Hand, die als Unterschiedsmerkmale auch einzelnen Nationen eigen sind. Wie weit verschieden sind beispielsweise in ihrem äußeren Wesen französische und deutsche, englische und ungarische Juden, von den polnischen und russischen Juden gar nicht zu reden. Durch diese individuellen Differenzirungen entstehen Ausgleichungspunkte, die, unseres Erachtens, hinlänglich die Schäden einer Inzucht aufheben können. Außerdem aber ist die Zahl der Juden, die doch einige Millionen Seelen beträgt, immerhin groß genug, um bei der Wahl Ehehinderniffe nicht abzugeben. In früheren Zeiten, in denen die Seelenzahl der Juden sicherlich kleiner war als heute, hat es wahrscheinlich, trotz faktischer behinderter Wahl in der Ehe, und trotz der durch Communikations- und Reisebeschränkungen beengter Wahlverhältnisse, weniger Geisteskranke gegeben, als heute. Zudem ist bis jetzt weder durch statistisches Material noch durch anderweitige Beobachtungen dargethan, daß aus der Descendenz der gemischten Ehen keine oder weniger zu Geisteskrankheiten disponirten Individuen hervor gegangen sind. Diesereinzige aberauch nur sehr bedingt geltende Beweis ist aber bis jetzt noch nicht erbracht. Ferner müssen wir unsern Bedenken gegen den von dem Autor angezogenen Vergleichungspunkt mitden Heirathen der Familien der hohen Aristokratie untereinander und mit denen der Juden unter einander geltend machen, denn bei diesen ist allerdings die Ehe durch 3) Wie weit die Heirath unter Blutsverwandten als begünstigendes Moment des Irrsinns in der Descendenz gelten kann, scheint uns überhaupt noch lange nicht ausreichend begründet, wenn auch zugestanden werden muß, daß Anhaltspunkte sür diese Ansicht existiren. Die individuelle Veranlagung solch' ehelicher Blutsverwandten scheint vielmehr von Bedeutung zu sein. D. V.