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Der Israelit · 1889-06-03 · Heft 44-45 (3.6.1889) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 44-45 (3.6.1889)
Date
1889-06-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
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768 klären, daß es ganz gleichgiltig ist, ob man die übrigen Gebote Gottes anerkennt und erfüllt, oder sie verleugnet und Übertritt. Das und nichts anderes kann der Sinn der Worte sein: „ihre Thore stehen offen allen guten Israeliten jeden Standes und jeder religiösen Richtung." Es ist somit etwas Selbsterklügeltes, was an die Stelle der keinzigen jüdischen Lebenspflicht als das höchste Strebeziel für Juden in dem Orden gestellt wird, für Juden, denen Gott im unmittelbaren Anschluß an die vorhin angeführten die jüdische Lebenspflicht zusammenfassenden Worte die Warnung ertheilt hat: nnrri 0333^ nna mnn DD\ry, für die geistige Erkenntniß, für die sittliche Veredlung, für unser Wirken und Streben irgend eine andere als das von Gott gegebene Gesetz, als die von Gott gegebene Lehre zum Ausgangspunkt und zur Grundlage sich zu erküren. Das ist aber nDmp’sw mm, Leugnung der Verpflichtung des jüdischen Religionsgesetzes, Fälschung der jüdischen Wahrheit, Trübung des jüdischen Pflichtbewußtseins. (Siehe Maimonides Akkmn 2), und mit der Zugehörigkeit zu dem Bene- Berith - Orden bekennt man sich demgemäß zu mm Jrnwch höherm Grade als vollendet heidnischer Wahn ist aber diese von Juden bekannte und geübte Leugnung, Fälschung und Trübung für die jüdische Gesammtheit sowohl wie für das jüdische Jndividuun gefährlich und verderblich. Noch ernster wie vor Elfteren sollen wir deßhalb vor jeder Annäherung an diese, vor jeder Billigung, Anerkennung und Förderung gewarnt sein, und in der That ist auch demgemäß die religionsgesetzliche Norm. Vor ausgesprochen heidnischem Wahn sind wir weit geschützter als vor der Verführung durch Systeme und Institutionen, welche innerhalb der jüdischen Kreise das Bewußtsein der jüdischen Pflicht in unserer Seele ertödten und uns an leichtfertige Veurtheilung des Ungehorsams gegen das jüdische Religionsgesetz gewöhnen. Möge sich darüber Keiner einer Täuschung hiugeben, der vielleicht in den Orden Bene-Berith in der Meinung eintritt, daß es ihm gelingen werde, die Brüder für die jüdische Wahrheit zu gewinnen und sie zur gewissenhaften Beobachtung des jüdischen Religionsgesetzes zu veranlassen, — er wird leichter verführt werden, als daß er Andere belehrt. Wenn wir recht berichtet sind, so sollen in der That einige Männer, welche zu den „Orthodoxen" gezählt werden, in dieser Absicht sich dem Orden angeschlossen haben. Man hat ihnen geschmeichelt, daß es der Macht ihres Einflusses gelingen wird, innerhalb des Logenlebens für die Wiederbelebung des jüdischen Pflichtgefühls und der Erkenntniß der jüdischen Lebensaufgabe in Wahrheit — kurz, für das orthodoxe Judenthum — Bedeutendes zu leisten. Es ist aber dieses geradezu unmöglich. Das Höchste, was vielleicht im allergünstigsten Falle von ihnen erreicht werden kann, ist eine gewisse schonungsvolle gnädige Duldung ihrer orthodoxen Anschauung und Lebensgewohnheit seitens der sich aufgeklärt dünkenden Ordensgenossen. Dagegen aber soll es nicht anzuzweifelndes Faktum sein, daß sie, die Orthodoxen, cs bereits gelernt haben, der Höhnung und Uebertretung des jüdischen Religionsgesetzes ruhig zuzuschauen. Es sind uns in den letzten Wochen in dieser Hinsicht sehr traurige aber höchst lehrreiche Mittheilungen geworden. Wahrlich, unsere manr, haben sehr wohl das menschliche Herz gekannt, wo sie mm für gefährlicher erachteten als ry. Die Verheerung, welche die Verführung der die jüdische Wahrheit verleugnenden Reform, die ja nichts anderes als mm ist, im Kreise der Gegenwart anrichtet, ist uns doch vor Augen. Wie es doch geradezu als ein tollhäuslicher Gedanke betrachtet werden würde, wollte z. B. ein streng orthodoxer Mann in die Berliner Reformgemeinde in der Absicht als Mitglied eintreten, durch seinen Einfluß innerhalb der Reformgemeinde diese zu einer orthodoxen zu gestalten, ebenso unsinnig ist es, wenn Männer in den U. O. V. V. eintreten, um diesen auf Leugnung der jüdischen Wahrheit basirenden Bund zu einer Pflanzstätte gesetzestreuen jüdischen Geistes und Lebens umzuwandeln. Es wird dadurch Niemand zum gesetzestreuen Wandel gefüht, wohl aber sanctioniren Beide den Abfall und fördern den Treubruch durch die eigene That und das eigene Beispiel. Je mehr wir gehalten sind, unsere irrenden Brüder milde zu beurtheilen und ihnen in liebevoller Gesinnung zugethan zu sein, je mehr wir sie p mar sind, da sie ja — vielleicht mit alleiniger Ausnahme der Rabbiner und Lehrer der Reform — aus Unwissenheit das jüdische Religionsgesetz mißachten und übertreten und darum jaiteo, nicht D’ysrfc mdi t3 önbq sündigen, desto mehr haben wir auch gegen sie die heilige Pflicht, ihnen gegenüber den Ernst des Judenthums durch Wort und Beispiel zum Ausdruck zu bringen; denn nur dadurch dürfen wir hoffen, vielleicht sie zur Anerkennung der Wahrheit und zur jüdischen Gesetzestreue zurückzuführen. Desto mehr aber haben wir uns und unsere Kinder und alle Diejenigen, die auf uns schauen und sich unser Verhalten zum Vorbild dienen

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