Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 44-45 (3.6.1889)
- Date
- 1889-06-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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767 Wem es heiliger Ernst mit diesem „Bunde" ist, den Gott mit Israel geschlossen, wer sich in Wahrheit zum Judenthum bekennt, d. h. wer seine und seiner Kinder und Enkel Verpflichtung anerkennt nttmpn urrnn nm -2 n« D'pto nns'yyi sorgsam zu hüten, gewissenhaft zu üben, getreulich aufrecht zu erhalten alle Worte unserer heiligen Lehre, des Gesetzes Gottes, das Er uns zur Erfüllung ertheilt hat, da Er uns zu dem D’arra ro^aa und dem vnp in Mitten der Menschheit berufen, — der kann unmöglich einem von Juden errichteten Bunde angehören, der kann unmöglich in einem solchen beharren, falls er aus Jrrthum und Unkenntniß des Wesens und Zieles sich demselben angeschlossen hat, welcher ein anderes als das reine jüdische Ideal, d. i. die Verwirklichung der jüdischen von Gott gebotenen Pflicht, zu seinem Ideale sich erwählt, welcher das Judenthum mißachtet, Übertritt und verhöhnt. Das jüdische Heiligthum, das jüdische Gesetz, ist der einzige Mittelpunkt, um welchen jüdische Männer sich zu schaaren haben, n^rn myn *pno ist aber die Mahnung, wo ein Kreis vorhanden ist, der das jüdische Ideal verleugnet: haltet euch fern, sondert euchab von einemsolchenBunde! Denn dieser Bund, der „Unabhängige Orden B'nai B'rith", welcher im Kreise der Judenheit sich gebildet hat und von Amerika nach Europa und Afrika, speziell aber nach Deutschland hin verpflanzt worden ist, ist ein Verein, welcher die Nichtanerkennung der jüdischen Wahrheit zur Basis hat, für den Abfall vom Judenthum Propaganda macht und die Treue gegen das Gottesgesetz verhöhnt, und verspottet. Wir glauben den Erweis für diese Thatsache in erschöpfender Weise erbracht zu haben. Wir haben gezeigt, daß der Orden nicht, wie man vielfach annimmt und wie öfters gegen uns von Ordensbrüdern behauptet worden ist, eine Vereinigung von Juden darftellt, welche sich lediglich auf gewisse praktische Ziele der Menschenliebe beschränkt. Wir haben vielmehr aus den Urkunden des Ordens dargethan, daß er den „höchsten Interessen" der jüdischen und nichtjüdischen Welt sich zu widmen vorgibt. In der Constitutionsakte der Großloge für Deutschland ist die „geistige Veredlung ihrer Mitglieder" als ein hervorragender Theil der Ordensaufgabe bezeichnet, welche nur „unter Anwendung eines bestimmten Rituals" gelöst werden kann. In dem Vorworte zu den Spezialgesetzen der zu Berlin bestehenden Montefiore-Loge VII Nr. 352 wird von der Ordensverfassung behauptet, daß durch sie der B'nai B'rith sich auch das Ziel gesetzt habe, die g e i st i g e und sittliche Bildung seiner Mitglieder zu fördern —, durch sie hat er sich emporgeschwungen aus den Banden des Materialismus zu der lichten Höhe idealen Strebens." — „In ihren Tempeln", so wird daselbst offiziell von den Ordenslogen ausgesagt, „wird'des Menschen Sinnen und Trachten geläutert, das Menschengeschlecht zu veredeln gesucht"; „ihreThore stehen offen allen guten Israeliten jeden Standes und jeder religiösen Richtung." Wir haben aus einzelnen eklatanten Thatsachen des Ordenslebens und der Bundes-Constitution hinlängliches Bewetsmaterial beigebracht, um das Wesen und Streben des U. O. B. B. als ein unjüdisches, dem Judenthum feindliches und darum gefährliches zu erkennen. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß der Einzelne durch eine reservatio mentalis, unter welcher er sich einem Bunde anschließt, das Grundprinzip desselben nicht im Geringsten aufzuheben vermag. Mit seinem Eintritt in den Bund erkennt er das Bundesprinzip an, mit seinem Verharren in dem Bunde bestätigt er die durch seinen Eintritt bekundete Anerkennung. Wenn dieses im Allgemeinen gilt, so noch im höhern Maße 'bei dem U. O. B. B., seinen Großlogen, Tochterlogen und Ordensbrüdern, dessen einheitliche, straffe Organisation wir kennen gelernt haben. Wenn man den religionsgesetzlichen Begriff feststellen will, unter welchem das Wesen desBene- Berith-Ordens zu fassen ist, so wird man nicht umhin können, dasselbe als vollendetes nwa zu bezeichnen. Der Bene - Berith - Orden stellt für die Juden ein höchstes Lebens-Ideal auf, dessen Verwirklichung die vollendetsten Bethätigung der jüdischen Lebenspflicht sein soll. Die Erweckung und Bethätigung einer humanen Gesinnung gilt ihm als das Höchste, in welchem sich der priesterliche Beruf des jüdischen Stammes erschöpft. Im Gegensatz zu der jüdischen Lehre, welche einem jeden Juden zur Pflicht macht: an« orvtpyi '1 rosa b n« orron aller Gebote Gottes stets eingedenk zu sein und sie zu erfüllen, haben die Begründer im 'günstigsten Falle ein einziges Gebot aus der großen Zahl der göttlichen Gebote herausgegriffen und bezeichnen die Erfüllung dieses einzigen Pflichtgebots als den Inbegriff der gesummten jüdischen Pflicht. Dabei hat ihnen aber auch nicht einmal die volle Religionsbestimmung zur Ausführung dieser einen Pflicht als Richtschnur gedient. Für dieses höchste Ideal, das sie sich geschaffen, suchen sie alle Israeliten zum Einttitt in ihre Genossenschaft zu bewegen, indem sie ausdrücklich er-