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Der Israelit · 1889-06-03 · Heft 44-45 (3.6.1889) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 44-45 (3.6.1889)
Date
1889-06-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
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766 die Gotteslehre, ein reiches Feld segenbringender Thätigkeit, so kannst du dich der Armen und Verlassenen annehmen und für sie dich angelegentlichst bemühen. — Der zweite hier ausgesprochene Gedanke ist der, daß man die Früchte seiner Thätigkeit genieße. Wer freudvoll die Früchte seiner Thätigkeit genießt, der ist mit dem ihm beschiedenen Theile zufrieden. Freilich gibt es auch Gottesfürchtige, die hienieden ihr Leben in Armuth und Kummer verbringen müssen. Daher sagt der Psalmist: Heil jedem Gottesfürchtigen, der in Seinen Wegen wandelt. Wenn das Loos des Gottesfürchtigen sich auch manchmal hienieden trübe gestaltet, so ist er doch glücklich zu preisen, denn ihm ist aufbewahrt der Seligkeiten Fülle für die zukünftige Welt. Ist dir aber das herrliche Loos beschieden, daß du hienieden segensreiche Arbeit vollbringst, dann Heil dir und wohl dir, Heil dir in dieser, und wohl dir in der zukünftigen Welt. Gibt es wohl einen größer« Reichthum, als in dieser Welt glücklich und zufrieden zu leben und über den Tod hinaus eine schönere Welt erhoffen zu dürfen? — So sagt auch der weise König (Koheleth C. 5, V. 17 und ferner): „Fürwahr, wie ich beobachtet habe, ist es so gut wie schön, daß der Mensch mit Freude genieße die Früchte seines Mühens unter der Sonne während der Tage seines Lebens, die ihm Gott beschieden, denn das ist sein Antheil. Auch jeder Mensch, dem Gott verliehen Reichthum und Güter und gab ihm zugleich die Herrschaft, davon zu genießen und seinen Beruf zu erfüllen und seiner Mühewaltung sich zu freuen — das ist eine Gnade Gottes. Er denke stets, daß das irdische Leben nicht lange währt; daher soll er nach Gottes Willen das Gute vollbringen und sich des göttlichen Segens freuen. (Vergleiche Raschi.) Aber es gibt ein Nebel unter der Sonne, das schwer auf vielen Menschen lastet: das ist der Reichthum, den der Besitzer nicht zu genießen vermag, der ihm nur Sorge und Mühe und Kummer bringt und am Ende Fremden anheimfällt. Wenn Jemand noch so lange lebt und unermeßliche Reichthümer besitzt, aber dieselben weder zu genießen noch würdig zu verwenden versteht — ich sage, ein todtgeborenes Kind ist besser denn er." Aus all' dem Gesagtem ist zu entnehmen, daß der wahrhafte Reichthum nicht von der Größe des Besitzes abhängig ist, sondern von der Art und Weise, wie man die Gaben Gottes verwendet und genießt. Der Reiche im gewöhnlichen Sinne des Wortes kann in der That sehr arm und beklagenswerth sein, während oft derjenige, der unter harter Anstrengung seine und seiner Familie Bedürfnisse erringt, froh und glücklich lebt. Der Arme, der mit seiner Familie Roth leidet, ist großen Versuchungen ausgefetzt und ist stets in Gefahr, vom Wege der Tugend und Gottesfurcht abzuweichen, um sich und den Seinen die nothwendigen Bedürfnisse des Lebens zu verschaffen. Weit größeren Gefahren aber noch ist der Besitzer großer Reichthümer ausgesetzt. Seine Mittel gestatten ihm, allen Freuden und Genüssen des Lebens zu fröhnen; sein Besitz erlaubt ihm, sich dem Müssiggange hinzugeben, der zum Laster oder zum Wahnsinn führt. Oft macht Reichthum den Reichen nbermüthig und verführt ihn, Gott zu vergessen und Seine heiligen Gebote zu verachten. Unsere Zeit ist in dieser Beziehung nur zu reich an trüben und traurigen Erfahrungen. Namentlich die Reichen sind es, welche so oft dem Judenthume untreu werden, das himmlische Joch von sich abschütteln, sich mit Nichtjuden verschwägern oder gar den Gott der Väter verleugnen. Allen diesen Menschen ist der Reichthum nicht zum Segen geworden; sie schleppen ihn durch das Leben wie eine schwer drückende Last, und wenn sie ihn am Ende ihrer Tage verlassen müssen, so können sie nur mit Angst und Zagen der Zukunft der unsterblichen Seele entgegenschauen. Nicht der Mangel, nicht der übergroße Besitz sind geeignet, den Menschen hienieden seine Bestimmung erfüllen zu lassen und ihn für die künftige Welt würdig vorzubereiten. Wer so viel erringt, daß er ohne drückende Sorgen zu leben vermag und das, was Gott ihm zutheilt, freudig genießt, das ist der wahrhafte Reiche; er ist beglückt hienieden, und Gott führt ihn über den Tod hinaus in die himmlischen Gefilde der ewigen Seligkeit. (Fortsetzung folgt.) Hleöer jüdische Bereinigungen. Von Isaak Hirsch. VII. Nicht unsere in Unwissenheit, Jrrthum und Frevelmuth befangenen Brüder, die längst mit dem Judenthnm gebrochen haben und dessen Gesetze als nichtverbindlich bezeichnen, nicht die o»yan, o'N&n und innerhalb und außerhalb des Bene-Berith- Ordens sind es, an welche sich diese Beleuchtung des „U. O. B. B." wenven möchte. An die n'ühw und ow, an diejenigen, welche in That und Gesinnung sich als Glieder des großen, heiligen, unauflöslichen rrn fühlen und bewähren, der am Sinai verkündet worden für alle Nachkommen Jakobs, von welchem sich kein Einziger zu keiner Zeit, an keinem Orte, in keiner Beziehung loszusagen vermag, an sie richten sich diese Zeilen.

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