Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 44-45 (3.6.1889)
- Date
- 1889-06-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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( sobr. BuCb ‘jly XXX. Jahrgang. M 44 & 43 Israelit««-. Ieschurun. MWst M Förderung Md. Griges uuö iüö. ftbtns in laus, Geminde und Schule. Aentrak-Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. Herausgegeben von Dr. Lehma«« in Mainz. Montag, de« S Juni 5649 (1889)» WU" Wir geben heute eine Doppel-Nummer, die nächste Nummer (wiederum eine Doppel-Nummer) erscheint Mittwoch den 12. Juni. Leitende Artikel. Z>ie Sprüche der Mater. Viertes Buch. VII. Mainz, 3. Juni. ■pt^N *d I'LO j/’j’ -icwty ,ip^nn no^rt /vtyy inr« .ton 3idi ntn ■psw* awi „Wer ist reich? DerjenM, welcher mit seinem Theile vergnügt ist; denn so heißt es: Das Mühen deiner Hände, wenn du genießest, Heil dir und wohl dir, Heil dir in dieser Welt und wohl dir für die zukünftige Welt." Wie der landläufigen Vorstellung von Weisheit und Heldengröße will ben Soma auch derselben Vorstellung in Bezug auf den Reichthum entgegentreten. Nicht der ist wahrhaft reich, welcher viele und große Güter besitzt, der Schätze von Gold und Silber angesammelt hat und diese noch täglich vermehrt, sondern derjenige, welcher vergnügt ist mit dem, was Gott ihm beschieden hat, sei es viel oder wenig. So Jemand Millionen besitzt, große Ländereien sein eigen nennt und Paläste, die mit allem Schönen und Herrlichen ausgestattet sind, und erfreuet sich nicht seines Besitzes, und alles, was er hat, deucht ihm gering im Vergleiche mit dem, was er noch erwerben möchte, der ist nicht reich, sondern ein Thor und ein Sünder. Wer aber mit dem, was Gott ihm beschieden hat, vergnügt ist und seinem Schöpfer dankt, daß es ihm vergönnt ist, sich und die Seinen durch seiner Hände Fleiß zu ernähren, der ist wahrhaft reich, ihm fehlt nichts, und seine Wünsche beschränken sich auf ein bescheidenes Maaß. Nicht braucht er zu zittern vor Ereignissen, die ihn großer Reichthümer berauben könnten. So hat auch Salomo gesagt (Zeoheleth C. 2, V. 26): „Denn dem Menschen, der gut ist vor Ihm, hat Er gegeben Weisheit und Erkenntniß und Fr eu d e; dem Sünder aber hat Er gegeben den Trieb zu sammeln und aufzuhäufen". Zu der hier ausgesprochenen Wahrheit erbringt ben Soma den Beweis aus der heiligen Schrift (Psalm 128, V. 2): „Das Mühen deiner Hände, wenn du genießen wirft, Heil dir und wohl dir". Und ben Soma fügt hinzu: Heil dir in dieser Welt und wohl dir in der zukünftigen Welt. — Wenn wir den Nachdruck auf das Wort „genießen" legen, so ist der Haupteinwand, der gegen diese Beweisstelle erhoben wird, beseitigt. Derjenige, welcher das, was er mühevoll erwirbt, wirklich genießt, ist auch mit seinem Theile vergnügt. Ein doppelter Gedanke ist in diesem Psalmverse ausgesprochen: erstens, daß man selbst dann, wenn man im Besitze eines ausreichenden Vermögens ist, die Hände nicht müssig in den Schooß legen soll, sondern daß man in allen Fällen verpflichtet ist, durch mühevolle und angestrengte Arbeit die Schuld abzutragen, die wir Gott und den Mitmenschen gegenüber haben. Der Psalm beginnt mit den Worten: Heil jedem Gottessürchtigen, der in Seinen Wegen wandelt". Die Gottesfurcht ist der Weisheit Anfang, die Ueberzeugung, daß wir Gott, dem wir alles verdanken, ehren und lieben sollen. Durch die Fülle der Gnade, die Gott uns hat zu Theil werden lassen, haben wir die Pflicht übernommen, alle diese herrlichen Gaben weise anzuwenden, unfern Beruf hienieden zu erfüllen und uns zu bemühen, durch angestrengte Arbeit dasjenige zu verdienen, was wir im Voraus empfangen haben. Nicht soll der Mensch sagen, er habe genug, so daß er sich dem Müssiggange ergeben könnte. Hast du genug von deinen Vätern ererbt und hältst du es nicht für nöthig, dein irdisches Gut zu vermehren, so bietet dir die Wissenschaft, und namentlich.