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Der Israelit · 1889-05-30 · Heft 43 (30.5.1889) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 43 (30.5.1889)
Date
1889-05-30
Page
– (sequence 10)
Language
German
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börse schwer werden, dem Wunsche des Handels- Ministers zu entsprechen. Es haben so viele Corporationen erklärt, dem Saatenmarkt fernbleiben zu wollen, daß es der Energie der Mehl- und Frachtbörse wohl kaum gelingen wird, einen reichbeschickten Saatenmarkt zu erzielen. Diese wichtige Institution, deren Einfluß auf die wirtschaftliche Gestaltung auch vom Handelsminister erkannt wird, ist durch die Vorgänge in Wien erschüttert worden. Wir sind überzeugt, daß auch dieser Verlust jenen Theil der Bevölkerung, welcher das ökonomische Heil vom Racenkampfe erwartet, kaum umstimmen wird. Dieser Wechsel in der Meinung wird aber einst ganz gewiß kommen, und die Wähler werden sich gegen jene Verführer kehren, welche heute bemüht sind, in den Massen den Sozialismus des Neides zu erwecken und durch die allgemeine Verbitterung die Prosperität der Stadt zu untergraben. Auch die frivolen Triebkräfte dieser Bewegung werden sich verbrauchen, aber wir fürchten, daß die Wunden, welche der Stadt Wien geschlagen wurden, nur schwer heilen werden. (Neue fr. Pr.) Frankreich. Paris. (Monatsbericht April der „All. Jsr. Univ.) (Israeliten Marocco's.) Neuerdings sind Mordthaten verübt worden an Israeliten von Fez, Abraham und Messud Pinto. Die Opfer trieben Handel mit den Eingeborenen. Die Unthat geschah in der Nähe der Aduar der Oullad-ben-Elfarrak. Im Monate Juli 1888 hatte ein eingeborener Angestellter der amerikanischen Legation in Tanger versucht, seine Stellung dahin auszunutzen, um von einem Israeliten zu Fez, Namens Moses Benasuli, amerikanischen Schützlings, gewisse Geldvortheile zu erlangen. Auf die abschlägige Antwort des Benasuli, klagte er ihn an, einen Araber umgebracht zu haben; derselbe wurde ins Gefängniß geworfen, und eine Untersuchung gegen ihn eingeleitet. Der Minister der Vereinigten Staaten, Mr. Reed Lewis, dem die Sache vorgelegt worden war, schrieb an Mr. Benoliel, Director der Allianceschule, welcher sich für Benasuli verwendet hatte, daß er die nöthigen Befehle ertheilt, damit er augenblicklich in Freiheit gesetzt, und eine Untersuchung eingeleitet werde gegen den Beamten, der diese Verfolgung in's Werk gesetzt. In diesem Briefe sagte Mr. Reed Lewis unter anderem: „Die Verfolgung, der die Israeliten Maroccos unterworfen sind, verdient die strengste Mißbilligung und — insoweit es unsere Schutzbefohlenen betrifft — werde ich bis an die äußerste Grenze meiner Autorität gehen, um ähnliche Thatsachen zu bestrafen." Dennoch wurde Benasuli im Gefängniß zurückbehalten; am 5. October schrieb Benoliel nochmals in dieser Angelegenheit an Mr. Reed Lewis, der ihm am 6. October antwortete, daß Benasuli sich sogleich nach dem amerikanischen Consulat in Tanger begeben solle, wo die gegen ihn eingereichte Klage abgeurtheilt werden würde. Da er selbst in Fez im Gefängniß zurückbehalten wurde, bat Benasuli Mr. Benoliel, sich nach Tanger zu begeben, um vordem Consulargericht für ihn einzutreten. Da er für unschuldig erklärt wurde, sprach man ihn frei und entließ ihn aus dem Gefängniß. Alsdann sollte er ziemlich bedeutende Summen als Prozeßkosten bezahlen. Benasuli verweigerte dies und begab sich nach Tanger, um sich unter das Protectorat von Mr. Lewis zu stellen, aber derselbe glaubte ihm seine Bitte nicht gewähren zu können. Die Lage Benasulis wurde kritisch; er entwischte aus Tanger und brachte seine Eingabe vor die Regierung von Washington. Der dortige Minister erkannte die Proteftationen Benasulis für begründet. Er ordnete sogleich eine Untersuchung an, und Mr. Strobel, erster Legationssecretär der Vereinigten Staaten in Madrid, wurde beauftragt, sich nach Fez zu begeben, uni die Frage an Ort und Stelle zu studiren; diese Untersuchung bestätigte vollkommen die Richtigkeit der Klagen des Benasuli. Während seines Aufenthaltes in Fez besuchte Mr. Strobel die Allianceschule in jener Stadt; er befragte die Zöglinge in den verschiedenen Lehrgegenständen und zeigte sein Erstaunen und seine Befriedigung über die Fortschritte und gute Haltung derselben. Man weiß, welche Hindernisse die Gouverneure der inneren Städte stets den Israeliten in den Weg legen in Bezug auf die Entwicklung ihres Handels und ihrer Niederlassung außerhalb des Mellah. Der Gouverneur von Fez hat in dieser Hinsicht neue Maßregeln getroffen. Es ist den Israeliten von Fez stets untersagt gewesen in der arabischen Stadt, dem Handelscentrum, Handelshäuser zu eröffnen. Zur Zeit gibt es nur 6 israelitische Handelshäuser, denen das Recht zucrtheilt worden, sich außerhalb des Mellah niederzulassen; auch gehörten diese Häuser israelitischen Schützlingen, denen diese Begünstigung auf Andrängen ihres Consuls gewährt wurde. Von jeher jedoch war es den jüdischen Geldwechslern gestattet, einen bestimmten Raum in der arabischen Stadt einzunehmen, wo sie sich tagsüber ihren Geschäften widmen konnten. Der jetzige Gouverneur hat die jüdischen Wechsler auch von hier vertreiben lassen.

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