Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 43 (30.5.1889)
- Date
- 1889-05-30
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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XXX. Jahrgang. Beilage)»^ 43 des „Israelit" L„Ikschurun". Zeitungsnachrichten und Correfpondeuzen. Deutschland. Berlin, 37. Mai. Die letzte Woche gehörte König Hu m bert, alles andere trat in den Hintergrund. Am letzten Sabbat wurde in einigen hiesigen Synagogen in einem besonderen Gebete seines Wohles gedacht. Für uns Israeliten war es eine verheißungsvolle Luft, gerade König Humbert, den judenfreundlichsten Fürsten Europas, an der Seite unseres erlauchten Monarchen von der Volksmenge umjubelt zu sehen. König Humbert hat Berlin bereits wieder verlassen; möge Er einen Hauch seines Geistes unserem Vaterlande zum Angebinde hinterlassen Habens — Judenhetze trieb am letzten Donnerstag Abend der conservative Verein der Louisenstadt, der sich mit einer Petition an die Staatsregierung zu wenden beschloß, daß die jüdischen Neligionsbücher näher auf die Stelle» untersucht werden mögen, welche die Abzapfung von Ehristenblut befehlen! Mit dem conservativen Verein der Louisenstadt kämpfen die Götter selbst vergebens. — Der bekannte Antisemiten-Kö ni g in Witten versendet eine Einladung zu dem am 10. Juni in Bochum stattfindenden internationalen Antisemitentag. Die besten Kräften haben zugesagt: Förster, Böckel, Schönerer und noch kleinere Geister. Entree 10 Pfennige. Die Nummern des Programms sind zahlreich; für das Geld könnte man im Circus Renz wahrlich auch nicht mehr verlangen. Ach, du glückliches Bochum! — Der als Talmudist rühmlichst bekannte Kaufmann M. Br oh ist zum Klausrabbiner des posenschen Städtchens Gollanz gewählt worden und tritt sein Amt noch in dieser Woche an. — Die Vorstände der 5 Wahlvereine, die sich mit ca. je 100 Mitgliedern innerhalb der hiesigen Gemeinde gebildet, haben, wie entgegen einem Druckfehler zu berichtigen ist, je 15 Mitglieder. Bl. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Als die erste Nachricht austauchte, daß in Folge der in Wien herrschenden Verhältnisse die Abhaltung des Saatenmarktes in diesem Jahre gefährdet sei, beeilte sich der Handelsminister in einer Unterredung mit dem Präsidenten der Mehl- und Fruchtbörse, Herrn Naschauer, dem dringenden Wunsche Ausdruck zu geben, daß diese Jnstttutton für Wien erhalten bleibe. Der Vorstand der Mehl- und Fruchtbörse hat nun bezüglich derselben Angelegenheit den nachstehenden Erlaß des Handelsministers erhalten: An den geehrten Vorstand der Frucht- und Mehlbörse in Wien. Die Nachricht, daß der internationale Getreide- und Saatenmarkt in diesem Jahre in Wien eventuell nicht abgehalten werde, hat mir den Anlaß geboten, mit dem Herrn Präsidenten der Wiener Frucht- und Mehlbörse, kaiserlichen Rathe Wilhelm Naschauer, im Gegenstände Rücksprache zu pflegen. Ich habe hiebei dem Herrn Präsidenten davon Mtttheilung gemacht, daß ich Werth darauf lege, daß dieser feit Jahren in Wien eingebürgerte Markt, dem die Regierung wie bisher immer ihre volle Unterstützung angedeihen lassen werde, auch dieses Jahr hier stattfinde, und es als höchst wünschenswerth bezeichnet, daß wie in den Vorjahren, so auch im laufenden Jahre ein möglichst zahlreicher Besuch eintrete. Ich beehre mich, hievon auch meinerseits dem geehrten Vorstande Kenntniß zu geben, und erwarte demnach, daß der geehrte Vorstand die geeigneten Schritte einleiten und sich angelegen sein lassen werde, diese in ihrem bisherigen Wirken bewährte Jnstttutton der Stadt Wien zu erhalten und eine zahlreiche Betheiligung am Getreide- und Saatenmarkte im Interesse der landwirthschaftlichen Produktton und der dabei betheiligten Industrie zu erzielen. Ich ergreife diesen Anlaß, den geehrten Vorstand meiner Hochachtung zu versichern. Der k. k. Handelsminister: Bacquehem m. p. Wien, am 16. Mai 1889. Es ist bemerkenswerth, daß dieser Erlaß, welcher die hervorragende Bedeutung des Saatenmarttes für Wien mit ungewöhnlicher Wärme betont, auch nicht durch Ein Wort die peinlichen Ursachen streift, welche die Abhaltung des Saatenmarktes gefährden. Es wäre aber gerade von der größten Wichtigkeit gewesen, wenn die Regierung diesen bedeutsamen und charakteristischen Anlaß benützt hätte, um neuerdings ihre entschieden ablehnende Haltung gegenüber den sozialen Strömungen, welche Wien in so hervorragender Weise schädigen, mit aller Energie hervorzuheben. Es wird auch der Mehl- und Frucht-