Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 43 (30.5.1889)
- Date
- 1889-05-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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f 754 mtä) mit Vorträgen ein. Zwar zeichnete sich keiner dieser Vorträge durch eine besondere Originalität aus; aber immerhin enthielten sie viel Interessantes und Beachtenswerthes. Nach dem letzten Jahresberichte zählt diese Gesellschaft jetzt 156 Mitglieder, von denen gewöhnlich zwei Drittel bei jeder Vorlesung anwesend sind. In Verbindung mit dieser Gesellschaft befindet sich auch eine kleine Bibliothek, die schon jetzt manches interessante und seltene Buch aufzuweisen hat. Der Hauptantheil an dem Aufblühen der Gesellschaft fällt ihrem Präsidenten, Herrn Myres zu, der sich noch heute große Mühe gibt, um derselben immer neue Gönner und Mitglieder zuzuführen. Auch Herr Louis Waxmann, der unlängst Ehren-Sekretär dieser Gesellschaft war, der aber jetzt in England lebt, hat nicht wenig zur Popularität dieser Gesellschaft, deren sie sich jetzt erfreut, beigetragen. Auch eine andere Gesellschaft, die erst kürzlich gegründet wurde, verdient hier erwähnt zu werden. Reverend I. Myers und Herr Blaschki haben den Anstoß dazu gegeben, daß hier ein Vorschußverein nach dem Muster des vom Board of Guardians in London geschaffenen, errichtet wurde. Die Beittäge zu dieser Stiftung wurden schnell und großmüthig geleistet, und binnen nur kurzer Zeit waren 1000 Pfund beisammen. Der Name dieser Stiftung lautet „Jüdischer Aushilfsverein „(Jew’s Aid Society)“ und gewährt dieselbe an in Geldverlegenheit gerathene jüdische Geschäftsleute unverzinsliche Darlehen gegen die bloße Beschaffung einer Sicherheit. Dann haben wir noch einen Wohlthätigkeitsverein „Melbourner jüdisch - philantropische Gesellschaft".', deren Präsident Herr Jakob Marks ist. Dieselbe erhält auch eine Subvention vom Staate. Auch die Frauen hier haben einen Wohlthätigkeitsverein ins Leben gerufen, wie überhaupt die jüdischen Frauen Melbournes sich durch ihre große Mildthätigkett auszetchnen. In Kilda Road befindet sich auch ein ganzer Block von Gebäuden, der dazu bestimmt ist, alte jüdische Arme aufzunehmen und dann existirt noch eine Gesellschaft zur Unterstützung der Waisen. Außer in Melbourne, wo sich das Hauptconttngent der jüdischen Bevölkerung der Colonie Victoria befindet, gibt es noch jüdische Gemeinden in Ballarat und Sandhust; beide sind aber heute nicht mehr so blühend, wie ehedem. Die Goldgräberei hat seit Kurzem bedeutend abgenommen, so daß die armen Geschäftsleute sich nach anderen Bezirken wendeten, um dort Handel zu treiben, während die Reichen nach Melbourne zogen. Vor einigen Jahren gab es auch in Genlong noch eine Gemeinde die sich aber ebenfalls aufgelöst hat, und wohnen heute kaum noch vier jüdische Familien dort. Dagegen existirt in Südaustralien in der Hauptstadt Adelaide, die man ihrer reizenden Lage halber, die Königin des Südens nennt, eine ansehnliche Gemeinde von ungefähr zweihundundfünfzig Seelen. Unter den Gründern dieser Stadt befand sich auch ein Israelit, Herr Jacob Montefiore, der noch heute am Leben und dessen von Marks in London gemaltes Portrait in der Kunstgallerie von Adelaide aufgehängt ist. Ein Hügel, der im Innern der Stadt liegt und noch unbebaut ist, heißt Montefiorehügel und unweit von demselben liegt die Montefioreloge, in der der oberste Richter der Colonie residirt. Im Unterhause der Colonie sitzen zwei Juden, die Herren Louis Cohen nnd Saul Salomon und im gesetzgebenden Rath der Israelit Salom. Auch im Gemeinderathe der Stadt, dann unter den Friedensrichtern befinden sich mehrere Juden. Man wird daraus ersehen, daß die Juden in Südaustralien nicht schlechter gestellt sind, als in den anderen Colonien des Landes. Die Synagoge der Stadt liegt in Rundle Street; dieselbe ist zwar klein, entspricht jedoch vollkommen den Bedürfnissen der Gemeinde. An hundert Knaben nehmen an dem hebräischen Unterricht THell, der von dem Chasan der Gemeinde, Mev. M. Boas, und einigen Lehrern ertheilt wird. Die Leitung der jüdischen Schule ist einem eigenen Comitö, an dessen Spitze Herr Saunders steht, anvertraut, das strenge darauf schaut^ daß. de« Zöglingen nebst der weltlichen auch' eine entsprechende religiöse Erziehung und Ausbildung zu Theil werde. Zu wünschen bleibt es nun, daß wir auch von unseren anderen Glaubensbrüdern, die aus der Erdenrunde zerstreut sind, solche erfreuliche Nachrichten vernehmen sollen, wie von denen in Australien. .*nt rnörm niyw» nnie nnira -»omi yowff Feuilleton. Schuld und Sühne. Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzung.) XIII. Doch es war ein Anderer vorhanden, der ihren Dank begehrte. In glühender Leidenschaft rollte Orloffski's Blut durch seine Adern. Er war ein