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Der Israelit · 1889-05-30 · Heft 43 (30.5.1889) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 43 (30.5.1889)
Date
1889-05-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
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753 schußmttglteder, Frau Rosa Munk hinweggerafft hat. Die Generalversammlung beschloß, ihrem Beileid ob der hier angeführten Verluste protokollarisch Ausdruck zu verleihen. Den vom Vereinssecretär Herrn F o r r a i verlesenen Jahresberichte entnehmen wir Folgendes: Im abgelaufenen Verwaltungsjahre wurden als ambulante Unterstützungen 10,464 fl. 50 kr., als monatliche Stipendien 5846 fl., als vierteljährige Zinsbeiträge 4039 fl., zusammen daher 20.349 fl. 50 kr. in Baarem vertheilt. Im Mädchen-Waisenhause dieses Vereins wurden 50 gänzlich verwaiste Kinder, im Waisenasyl 44 halbverwaiste Kinder erzogen und betrugen die Ausgaben für beide Anstalten sowohl, als für die außer denselben erhaltenen 23 externen Mädchen insgesammt also für 117 Waisen 22,023 fl. 24 kr. Die Verpflegung eines Kindes stellt sich durchschnittlich auf 180 fl. im Waisenhause, auf 155 fl. im Waisenasyle und 93—100 fl. für die externen Waisen. Die dritte Woblthätigkeits-Anstalt des Pesther isr. Frauenvereins ist dessen Volksküche. In der Zeit vom 1. April 1888 bis 1. April 1889 speisten daselb 122,962 Personen ohne Unterschied der Konfession; davon gänzlich gratis 24,231 Personen, zumeist arme Studirende, und in der Zeit vom 15. November bis Ende März, also während 41/2 Monaten, 13,135 arme Schulkinder zum ermäßigten Preise von 6 kr. per Mittagessen. Die Verwaltungskosten dieser Anstalt betrugen 14,429 fl. 11 kr. Die Gesammtausgaben für sämmtliche Zweige seiner philantropischen Wirksamkeit inklusive der allgemeinen Verwaltungskosten betrugen 58,160 fl. 97 kr., welchen nur Einnahmen im Betrage von 49,015 fl. 83 kr. gegenüberstehen. Das Verwaltungs-Defizit wurde von den einzelnen Fonds abgeschrieben. Die Bauschuld für das neue Waisenasyl und Volksküchengebäude, zu deren Begleichung bei der Ung. Allg. Kreditbank auf Grund der dort deponirten Werthpapiere ein Darlehen ausgenommen wurde, betrug am Schluffe des abgelaufenen Verwaltungsjahres 20,991 Gulden. Herr Baron Moritz v. Hirsch, der es freiwillig übernommen hatte, während des Zeitraumes von drei Jahren die Zinsen als Spende regelmäßig zu ersetzen, hat dieser munifizenten Zusage zufolge auch im abgelaufenen Jahre den Betrag von 2250 fl. als dritte Rate übersendet und nahm die Generalversammlung Veranlassung, für diesen neuen Beweis eines nie versiegenden Wohlwollens den tiefgefühltesten Dank auszusprechen. Eines der erfreulichsten Momente in der vorjährigen Geschichte des Vereins war die Bereicherung des Waisenhaus-Vermögens um 12,490 fl. 58 kr. als Stiftung des „Jo ssiv"-Vereins. Anläßlich dieser großartigen Spende wurde seinerzeit der Präsidentin des genannten Vereins, der Frau Koloman v. Tiß a der Dank durch eine Deputation des Vereins-Ausschusses übermittelt. Der Bericht wurde zur Kenntniß genommen und sowohl der Präsidentin und Vicepräsidentin, resp. Kassirerin, als auch dem Ausschüsse und dem Vereinssekretär für ihr hingebungsvolles und ersprießliches Wirken, ferner der Regierung, dem hauptstädtischen Magistrate, sowie der hauptstädtischen Presse für ihr bei jeder Gelegenheit dem Vereine gegenüber bewiesenes Wohlwollen und schließlich allen Gönnern und Spendern der beste Dank der Generalversammlung ausgesprochen. A u st r a l i e n. Melbourne. Unter den Institutionen der jüdischen Gemeinde von Melbourne nimmt die „Jüdischliterarische Gesellschaft (Jewish Literary Society)" den ersten Rang ein und verdient sie es auch, in den weitesten Kreisen bekannt zu werden. Vor ungefähr drei Jahren traten einige Herren zusammen, um einen Verein zur Förderung des Studiums der jüdischen Literatur und Geschichte zu gründen. Die Gründung dieser Gesellschaft war nicht so leicht in einem Lande, wo es nur wenige jüdische Literaten und Geschichtsforscher gibt. Jndeß mit Beharrlichkeit und Ausdauer gelangte man doch zum Ziele und die Gesellschaft konnte sich endlich constituiren. In der ersten Versammlung derselben wurde Reverend B. Myers zum Präsidenten, die Herren Rev. Friedländer und M. Moses zu Vicepräsidenten, Herr Sniders zum Cassirer und Herr Davis zum Ehren-Sekretär gewählt. Selbstverständlich waren die Vorträge in dieser Gesellschaft im Anfänge nur schwach besucht. Nach und nach nahm jedoch die Zahl der Besucher zu und mit derselben wurden auch die Vorträge interessanter und anregender. Bald begannen auch die Tagesblätter Melbournes, zumal der „Argus", diesen Vorträgen ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden, indem sie dieselben anfangs blos kritisirten, später aber sie im Auszuge Wiedergaben, so daß auch das nichtjüdische Publikum dieselben zu beachten anfing. So las Rev. Davis über „Jerusalem", Rev. Abraham über „Das Heidenthum in der jüdischen Literatur", Rev. Blaubaum über „Judenthum und Christenthum", Rev. Friedländer über „Den jüdischen Krieg zur Zeit Hadrian's", Rev. Moses über „Lessing", Herr Goldstein über Shakespeare's „Shylok", Herr Mendelssohn über „Das Buch Hiob", Herr Cantor über „Josephus" 2c. Auch zahlreiche Nichtmitglieder der Gesellschaft fanden sich nach und

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