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Der Israelit · 1889-05-30 · Heft 43 (30.5.1889) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 43 (30.5.1889)
Date
1889-05-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
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MWW m 752 Freiheit waren auch die seinigen. Noch anläßlich der letzten marokkanischen Wirren richtete er zu der beabsichtigten internationalen Conferenz eine eingehende Bittschrift an den Ministerpräsidenten C r i s p i mit bestem Erfolge, ja, sein Ansehen war in nichtjüdischen Kreisen so bedeutend, daß ihm einst Minister D e pr etis, den er um eine Empfehlung an einen Gesandten anging, antwortete: „Commendatore, Sie wollen, daß ich Sie an den Gesandten jener Großmacht empfehle; Sie sind eher in der Lage, durch das Ansehen Ihrer Person mich an ihn zu empfehlen!" Auch beim Vatikane stand er in bestem Rufe, und da er einmal allein im römischen Gemeinderathe dafür plaidirte, daß der Kirche bei den Beerdigungen keine Hindernisse in den Weg gelegt werden sollten, rief Pius IX.: „Ich habe immer gesagt, daß Signor Alatrt der katholischste unter allen Stadtvertretern sei." Zu diesem beglückenden öffentlichen Wirken trat eine tiefinnerste Religiösität und eine seltene Reinheit des Charakters. Sabbats waren feine Geschäftsräume streng geschloffen, erlebte nach Vorschrift und Gesetz, er selbst hielt nicht selten an Festtagen religiöse Vorträge. Seine Wohlthätigkeit war — und Alatri gehörte nicht zu den Reichsten Roms — beispiellos, und nicht wenige Eltern sagen noch heute von ihren Kindern, die der Verklärte erziehen ließ: „Das sind Signor Samuel's Kinder!" Jeder jüd. Gelehrte, der in Rom eintraf, suchte zuerst ihn auf; für jeden hatte er ein liebevolles Wort, ein williges Ohr, eine offene Hand. Ein inniger Verkehr umschlang ihn mit Salomon Munk und Albert Cohn. Er hatte auch einen großen Antheil an der Berufung des letzten römischen Rabbiners Chazan, dessen segensreiche Wirksamkeit noch heute ihre deutliche Spuren hinterlassen hat. Alatri war der tröstende Halt in den letzten Jahrzehnten des Ghetto's und die einflußreichste Stütze der römischen Gemeinde im geeinigten Italien. Gar oft war er der Gast König Humberts und stets hat er an der Königlichen Tafel aus eigener Küche gespeist. Am Montag Abend hauchte der Edle seine theure Seele aus, am Donnerstag wurden seine irdischen Ueberreste zu Grabe getragen unter einer Betheiligung weitester Kreise, wie sie Rom nur selten geschaut. Um 6 Uhr begannen die Beerdigungsceremonien, um 10 Uhr Abends erreichten sie ihr Ende. Den Leichenzug eröffneten die kleinen Kinder aus dem Asyl, das der Verstorbene mit aller Kraft gefördert, ihnen folgte die ganze römische Stadtvertretung, der Finanzminister D o d a, der Unterstaatssecretär Amadei, viele Parlamentsmitglieder, die gesammte Verwaltung der römischen Bank, eine Verttetung der Nationalbank, alle Notabilitäten der Politik und der Finanzen in 83 Galakutschen und eine unübersehbare Menge Volkes. Die erste Trauerrede hielt der Bürgermeister Marchese Guiccioli, der im Namen der Stadt den Dahingeschiedenen als den Mann mit dem goldreinen Charakter und dem unermüdlichen Streben, und dessen Tod Rom beweine, feierte. Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, Esdra Settimioj, pries ihn als den Wohlthäter der Gemeinde und schloß bewegt mit den Abschiedsworten: „Lebe wohl, bete für uns dort oben, wie du schon auf Erden uns Gutes erwiesen Haft!" Stadtrath Venturi verherrlicht die Verdienste Alatri's um die öffentlichen Wohlthätigkeitsinftitute, und der Rector des römischen Rabbinerseminars, Dr. Ehrenreich, entbot dem Todten in ergreifender Rede den Dankesgruß des Judenthums. Ganz Rom trauert um den herrlichen Mann. „Un uomo di Dio“ — „er war ein Mann Gottes", so rühmt ihn ein neapolitanisches Blatt; „er hatte keinen Feind!" so preist ihn ein anderes. Wir aber wollen mit Bewunderung emporblicken zu seiner glanzvollen Gestalt, die aus dem alten und neuen Rom uns entgegenleuchtet; wir wollen lernen aus seinem Leben, wir wollen leben nach seiner Lehre! vr. A. Berliner. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Pesth. Die Generalversammlung des Pesther israelitischen Frauenvereins fand heute Nachmittags unter dem Vorsitze der Frau Johanna Bischttz statt. Die Präsidentin begrüßte die Anwesenden und führt die großen Verluste an, welche der Verein in der Reihe seiner Stifter, Ehrenmitglieder und Ausschußmitglieder im abgelaufenen Jahre erlitten. Namentlich gedachte sie des Hinscheidens Sr. Hoheit des Kronprinzen Erzherzogs Rudolf, welches die gesammte Nation mit aufrichtiger Trauer erfüllte und auch beim Pesther isr. Frauenverein die innigste Theilnahme wachgerufen hat. Ihre Majestäten, wie auch die Kronprinzessin-Wittwe haben für die aus diesem Anlasse unterbreiteten Kondolenz-Adressen des Vereins ihren allerhöchsten Dank ausgedrückt. Sie gedachte ferner des Ablebens des Kultus- und Unterrichtsminifters August Trdfort, des Schultnspektors Emerich v. Bekei, des Herrn Alois Straffer, die alle eine Zierde in der Reihe der Ehrenmitglieder dieses Vereins gewesen, sowie der Frau Baronin Karoline v. H i r s ch, der Mutter des hochherzigen Philantropen Baron M. v. Hirsch, welche Dame eine warme Förderin aller menschenfreundlichen Bestrebungen gewesen. Präsidentin machte schließlich Mittheilung, daß der Tod erst vor wenigen Tagen eines der hingebungsvollsten Aus-

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