Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 43 (30.5.1889)
- Date
- 1889-05-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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ff» 750 die Männer der großen Synode und ordneten an, daß wir in unserem täglichen Gebete die Eigenschaften Gottes wieder so nennen', wie Moscheh eS einst gethan. Sie sprachen: Das gerade lehrt uns das Heldenrhum Gottes bewundern, daß Er Seinen Grimm bezwingt und den Heiden gestattet hat, Sein heiliges Haus zu zerstören, und das gerade lehrt uns die Furchtbarkeit Gottes erkennen, daß es dieser schwachen, ihrer Selbstständigkeit beraubten Nation möglich wird, sich inmitten so vieler ihr feindlich gesinnter, mächtiger Völker zu erhalten. — Wir lernen daraus, daß die Weisheit Gottes Seine Allmacht zurückhält, stch zu entfalten und sich zu zeigen. Israel hatte gesündigt, und der allweise Gott hatte beschlossen, daß Sein heiliges Haus von den Feinden Israels vernichtet werde. Wie leicht wäre es Ihm gewesen, die feindlichen Schaaren zu Atomen zu zermalmen! Er that es nicht. Er selbst setzte Seiner Allmacht Schranken. Daraus lernen wir, daß der wahrhafte Held der ist, welcher nicht immer thut was er kann und was er will, sondern nur das, was die Weisheit zu thun angemessen oder nothwendig findet. Dieser Gedanke ist denn auch in dem von ben Soma angeführten Bibelverse gar herrlich ausgesprochen Ty "dVü inro -nzuo d’dn *pw „Besser ist ein Langmüthiger als ein Held, und wer seinen Geist beherrscht als der Eroberer einer Stadt." Der Langmüthige ist derjenige, welcher sich nicht von den äußeren Eindrücken sofort zum Handeln bestimmen läßt, sondern die Entscheidung aufschiebt. Der Held läßt sich von seinem Muthe fortreißen, und dadurch gelingt es ihm, die Feinde zu bezwingen und in die Flucht zu schlagen. Dieselbe Fülle des Muthes reißt ihn oft zu unüberlegten Thaten fort. Der Langmüthige dagegen gehorcht der Weisheit, der Ueberlegung. So sagt auch Salomo (Mischle, Cap. 19, V. 11): iny imNDni ibk *pKn o*w »tv y&D by „Die Vernunft des Menschen lehrt ihn, langmüthig zu sein, und seinen Ruhm darin zu suchen, Frevelthat zu verzeihen." Wer sich zum Langmuthe erzogen hat, so daß er niemals den Eingebungen seiner Neigungen oder seiner Leidenschaften folgt, sondern vor der That die Ueberlegung walten läßt, um seine Maßnahmen nach den Gesetzen der Weisheit einzurichten, der ist der größte Held. Wir sehen also, daß hier nicht zwei ungleichartige Dinge miteinander verglichen werden, sondern daß der Langmuth eine höhere, ja die höchste Stufe des Heldenthums ist. — Der zweite Theil des Verses vervollständigt das Bild. Ein anderer Ausspruch Salomo's macht uns das deutlich. Es heißt nämlich (Mischle, Cap. 25, V. 28): Mrrb layo pn tf’N ,noin y» nans *vy „Einer ihrer Festungswerke beraubten Stadt, deren Mauer zerstört ist, gleicht der Mann, der seinen Geist nicht zu zähmen vermag." Ein Feldherr belagert eine Festung; er füllt die Gräben aus und reißt die Mauer ein, und so erobert er die Stadt. Der Weise, welcher sich dazu erzogen hat, den Eindrücken des Augenblicks nicht nachzugeben, sondern stets zuvor die reifliche Ueberlegung walten zu lassen, umgibt gleichsam seinen Geist mit Gräben und Festungswerken, umschließt ihn mit Mauern und Riegeln. Der Eroberer einer Stadt füllt die Gräben aus, zerstört die Mauern, öffnet die Thore, während der, welcher seinen Geist beherrscht, gleichsam mächtige Schutzwehren um denselben errichtet. Daher sagt Salomo mit Recht: „Wer seinen Geist beherrscht, ist besser als der Eroberer einer Stadt." Dieser zerstört die Schutzwehren, und Jener baut sie auf. (Fortsetzung folgt.) Erklärung einer dunklen Wijulstelle. Zu den ältesten Pijutim, die wir besitzen, gehören unstreitig die nnniK für Schabuoth, und unter diesen sind die einfachen, kunstlosen, noch nicht mit Endreimen versehenen die allerältesten. Sachs oyiwn vv wj» paip S. 99 will diese bis auf die Saborärepoche zurückführen. Alle Merkmale eines hohen Alters besitzt auch das Pijutstück mit den Worten rrtwn mnw beginnend, welches wir im Mussaph des zweiten Tages von Schabuoth sagen. Auch dieses Stück gehört offenbar zum Anfang einer rmnm-Sammlung, welche wegen *main nni'v von den Gemeinden ausgelassen wurde, wie das folgende Pijutstück den Schluß einer solchen Sammlung bildet. In dem ersten dieser Stücke, welches nach alphabethischer Reihenfolge gearbeitet ist, befindet sich unter dem Buchstaben 'y eine Stelle, die ganz dunkel und unverständlich ist. Dieselbe lautet: 'ist VW rwoji nt-o1 nm r6na pn nö’üy Zu den Worten yin ns’öy bemerkt Heidenheim in seinem Machsorkommentar: *) nvnw rm njn^ b^ pnn Dntr yr»n d’dbivd r\vrb dws d. h. zu wissen, welche Buchstaben mit den sogenannten Krönchen versehen sein müssen." Zugegeben, daß diese Worte eine solche Bedeutung haben können — obgleich es sonderbar erscheinen muß, daß diese pm, die auf den Buchstaben p"j i'ZvM angebracht werden, nv'vy- Etnhüllung genannt werden sollen — so fragt es sich doch, in welchem Zusammenhang diese beiden 1) Bergl. jedoch Schemolh Rabba zu 2. B. M. 33, 12.