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Der Israelit · 1889-05-27 · Heft 42 (27.5.1889) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 42 (27.5.1889)
Date
1889-05-27
Page
– (sequence 11)
Language
German
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743 Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Worms, 9. Mai. Dem greisen Gelehrten und verdienten Pfleger der Geschichte dieser altehrwürdigen Gemeinde, Herrn Josef Mannheimer, ist es gelungen, vier Grabschriften unseres Friedhofes von ihrer fast undurchdringlichen Mooshülle zu befreien und Inschriften bloßzulegen, die gleich sehr der Geschichte wie dem pietätvollen Interesse einer über die Welt verbreiteten Familie angehören. Als Prof. Kaufmann zum Behuse seiner Monographie über Samson Wertheimer hier nach Epitaphien dieser Familie forschen ließ, mußte ihm die Antwort werden, daß hier keine Spur von solchen zu finden sei. Das Moos, das jene von Herrn Mannheimer blosgelegten vier mächtigen Grabsteine überwucherte, hat das Andenken von vier Mitgliedern der Familie Wertheimer bedeckt. Wir haben jetzt die Grabschriften von R. Samson Wertheimer's Vater, dem im Alter von 87 Jahren Heimgegangenen R. Josef Josel, von N. Samsons Bruder, R. Meir, von dessen Frau und dessen Tochter. Das Entzifferungswerk ist nahezu vollendet. Um die kostbaren Denkmäler vor neuem Erlöschen zu schützen, werden dieselben auf Kosten eines Abkömmlings und Namensträgers R. Samson Wertheimer's, des Herrn S. Gomperz in Budapest, unter der Leitung des Herrn Moses Mannheimer mit Oelfarbe überzogen. Möge die Pietät des Gelehrten wie des Verwandten Nachahmung finden und das letzte Archiv unserer Geschichte, das Jnschriftenmaterial der jüdischen Friedhöfe, vor der Zerstörung und vor dem Verfall gerettet werden! Schweiz. Zürich. Die Nachricht wird für Ihre geschätzte Zeitung sicherlich von Interesse sein, daß ich, unbeschadet meiner Confession und jüdisch-theologischen Antecedentien, nach dreijähriger Wirksamkeit als Docent hier gestern vom hohen Bundesrathe zum ordentlichen Professor für Philosophie und Pädagogik ernannt worden bin. Prof. Dr. Ludw. Stein. (Oeflerr. Wchfchr.) Oesterr.-Ungar. Monarchie. Karlsbad. Herr Löbl Jakobsohn, früher in Rotterdam, jetzt in Frankfurt domtzilirend, ein langjähriger Stammgast der Sprudelstadt und wegen seines humanitären Wirkens weit bekannt, hat beschlossen, für die armen polnischen Juden, die so zahlreich in Karlsbad erscheinen und bisher in den entlegensten und schmutzigsten Quartiren nisteten, ein Asyl zu gründen, welches ihnen Wohnung, vollständige Verpflegung, alle Kurmittel, ärztliche Behandlung und — Bekleidung bietet. Herr Jacobsohn stellt nämlich die Bedingung, daß ste während des Aufenthaltes in dem Kurhause die polnische Kleidung gegen die übliche vertauschen müssen. Das „Jacobsohn'sche Kurhaus", auf hundert Betten berechnet, soll in der Nähe des Sprudelsalzsudhauses errichtet, der Bau bereits im Herbste begonnen werden und bis zur Saison 1891 fertiggestellt sein. Galgvez. (Freistadtl.) Am 13. d. M. verschied hier der bekannte und geachtete Viehgroßhändler Herr Hermann Weinberger im Alter von 81 Jahren. Er hinterläßt zehn Kinder, eine zahlreiche Schaar von Enkeln und Urenkeln. Bei seiner vor einigen Jahren stattgehabten goldenen Hochzeitsfeier hatten sich verschiedene Kreise, ohne Unterschied der Confession, betheiligt. Er hatte mehrmals Ehrenämter bet der Stadt und Kultusgemeinde inne. Auch war er Gründer und DtrektionSrath der hiesigen Sparkasse. Persien. Teheran, 24. April. Die kaiserliche Regierung war nicht wenig überrascht, als die vor einigen Tagen hier eingetroffenen Londoner und Berliner Blätter die gänzlich unwahre Nachricht enthielten, Se. Majestät Nasr-Eddin habe den Juden der Provinz Chorassan den grausamen Befehl zukommen lassen, zum Islam überzutteten oder sein Reich für immer zu verlassen. Viele Juden der genannten Provinz hätten sich auch schon zu dem neuen Glauben bekehrt, während andere es völligen, nach der russischen Stadt Merw auszuwandern, um dort dem Glauben ihrer Väter tteu bleiben zu können. Diese falsche Nachricht machte selbstverständlich hier die größte Sensation, da man nicht begreifen konnte, wie man dem Herrscher des persischen Reiches und seinen Ministern, deren Wohlwollen gegen die Juden doch allgemein bekannt ist, einen solchen grausamen Befehl zumuthen und denselben sogar zum Gegenstände eines Zeitungsberichtes machen konnte. Indessen erinnerte man sich, daß die schon vor einigen Tagen hier eingelangten Wiener Blätter eine ähnliche Nachricht enthalten hatten, und so wußte man gleich, daß man es hier mit einer absichtlichen Entstellung oder einem groben Mißverständnisse zu thun habe.

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