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Der Israelit · 1889-05-27 · Heft 42 (27.5.1889) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 42 (27.5.1889)
Date
1889-05-27
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Letztere Blätter meldeten nämlich, daß die vor ungefähr fünfzig Jahren vom Großvater des jetzigen Schah, Feth Ali Schah, mit Gewalt zum Islam bekehrten jüdischen Bewohner der Provinz Chorassan, jetzt, da derCzar ihnen die Erlaubniß dazu ertheilt hatte, in Massen nach Merw auswandern um dort wieder zum Judenthume zurückzukehren. Man merkte sogleich, daß diese Nachricht der Wiener Blätter, die auch vollkommen richtig ist und die auch nichts Beleidigendes für die Regierung Nasr-Eddin's enthielt, einfach entstellt nach London gemeldet wurde (der „Daily - Telegraph" hatte sich dieselbe aus Wien telegraphiren lassen), von wo sie dann auch nach Berlin gelangte. Jeder Zweifel, daß man es hier mit einer entstellten Nachricht zu thun habe, schwand aber, als bald darauf auch der jüdischarabische „Pärach" aus Kalkutta hier ankam, der den hebräischen Brief, den die jüdische Gemeinde in Samarkand im heurigen Winter nach Europa gerichtet, und den dann der „Israelit" in deutscher Sprache veröffentlichte, in seinem vollen Wortlaute brachte. In diesem Schreiben fand sich auch die kurze Meldung, daß die Juden der persischen Provinz Chorassan, die vor circa fünfzig Jahren mit Gewalt zum Islam bekehrt wurden, jetzt nach Merw auswandern u. s. w. Vom „Israelit" ist nun diese Notiz in die Wiener Blätter übergegangen, worauf sie dann der Wiener Correspondent des Londoner „Daily Telegraph" seinem Blatte meldete, leider aber in einem ganz entstellten Sinne. So ward unser Gebieter Nasr-Eddin n"T>, in dessen Reich wahre Glaubensfreiheit herrscht und unter dessen Schutz auch Israel ruhig und sicher lebt, das unschuldige Opfer eines Zeitungscorrespondenten und es wurde ihmein intoleranter Akt angedichtet, dessen sich heutzutage nur noch ein Barbar oder ein wüthender Glaubensfanatiker schuldig machen kann. Die Juden im persischen Reiche haben keine Ursache, weder über ihren erhabenen Herrscher noch über dessen Minister zu klagen, da ihnen, wenn auch keine bessere, so auch keine schlechtere Behandlung als allen andern Unterthanen dieses Reiches zu Theil wird. Wenn sich hie und da ein Statthalter oder irgendein anderer Beamter etwasj gegen die Juden erlaubt, so trifft die Schuld davon gewiß nicht den Schah, der nur das Beste seiner Unterthanen will. Auch sind solche Wiükürlichkeiten von Beamten in einem Lande, wo die Rechte der Bürger noch durch kein Gesetz verbrieft und geregelt find — erst vor einigen Manaten hat der Schah auf Andringen Englands einen Ferman erlaßen, in welchem er allen seinen Unterthanen das Leben und Vermögen zusichert — nichts Sonderbares und daher etwas Alltägliches. Weiß doch der erst vor Kurzem von hier abberufene nordamerikanische Gesandte Benjamin, in seinem Buche, das er über Persien veröffentlicht hat, von einem Statthalter, der noch dazu ein naher Anverwandter des Schah ist, zu erzählen, er habe einem armenischen Kaufmanne, weil er es gewagt über ihn am kaiserlichen Hofe hier Beschwerde zu führen, bei lebendigem Leibe das Herz ausschneiden lassen. Nicht über die Regierung im Allgemeinen haben die persischen Juden Ursache sich zu beklagen, sondern über einzelne Statthalter, Beamte und Richter. Gegen die Willkür eines solchen Beamten aber hier an hoher Stelle Beschwerde zu führen, das wagt Niemand, weil er die Rache des Verklagten fürchtet. Wagen doch nicht einmal die persischen Soldaten, wenn der General ihnen wochenlang den Sold vorenthält, über ihn beim Kriegsminister Beschwerde zu führen, da sie wissen, daß ihnen dann ein furchtbares Ende bevorsteht. Sie ziehen es daher vor, zu rauben und zu betteln, um nur nicht den Zorn ihres Vorgesetzten zu erregen. Auch die Haltung der Bevölkerung, die noch sehr roh und fanatisch ist, den Juden gegenüber, läßt noch viel zu wünschen übrig. Wie oft werden Juden auf der freien Gaffe ermordet, und doch bleibt der Mörder unbestraft, da das Zeugniß eines Juden von den persischen Richtern nicht anerkannt wird, die Mohamedaner aber wollen gegen ihren eigenen Glaubensgenossen nicht aussagen. Hat er doch nur einen Juden ermordet! heißt es gewöhnlich in einem solchen Falle. Das Beste wäre daher, wenn die „Anglo-Jewish-Association", die sich auf ihre Regierung stützen kann — in Persien fürchtet man nur Rußland und England, weil diese Nachbarstaaten sind und daher gleich dreinhauen können — hier einen Muchtar (Judenältester) für das ganze persische Reich bestellen und besolden würde, und dieser hätte dann, jedes Unrecht, das einem persischen Juden geschieht, höhern Orts hier zur Kenntniß zu bringen. Dieser Muchtar hätte dann, da er unter englischem Schutze stände, die Rache der persischen Beamten nicht zu fürchten und derselbe würde gewiß auch nie verrathen, wer seine Berichterstatter in den Provinzen sind. Nur auf diese Art könnten die persischen Juden gegen die Willkür ihrer Beamten geschützt werden. Wochen - Kalender. Freitag, 31. Mai. l. Siwan L'NN t£W*i Samstag, l. Juni, 2. Siwan p")S Sabbat-Ausgang 8 Uhr 55 Uhr (Mainzer Uhr).

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