Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 42 (27.5.1889)
- Date
- 1889-05-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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737 sphäre (Zustimmung rechts), und der individuellen Gewissensfreiheit (lebhafte Zustimmurg rechts); ferner bei jenen Fragen, welche weder durch Gesetze, noch durch die gesetzliche Praxis geregelt sind, Lösung dieser Fragen nach Thunlichkeit im Einverständnisse mit den betreffenden interessirten Faktoren auf der Grundlage gegenseitigen Vertrauens, aber immer unter Beachtung des staatlichen Interesses. (Zustimmung rechts.) Der Kultusminister Ungarns ist nicht der Kultusminister einer Kirche, einer Konfession (Zustimmung), sondern der Vertreter des Staates auf dem Gebiete der Kultusangelegenheiten, aber innerhalb der Grenzen des Rechtsstaates, des wirklichen Liberalismus, welche entschieden fordern, daß die Interessen der Kirchen und Konfessionen, die Gewissensfreiheit des Individuums allezeit respektirt werden, so lange sie nicht mit den vitalen Interessen des Staates in Widerspruch gerathen. (Zustimmung.) Und gleichwie es nöthig ist, daß die Regierung über die Unverletzlichkeit der Lebensinteressen des Staates nach jeder Richtung hin eifersüchtig mache, muß sie auch die mit denselben nicht in Widerspruch stehenden kirchlichen und konfessionellen Interessen in Hren Schutz nehmen (Zustimmung), indem sie nach Thunlichkeit mit gleichem, gerechtem Maße jede religiöse Ueberzeugung mißt, Mil diese, als einer der mächtigsten Faktoren der Eivilisation, aus der Reihe der eigensten und höchsten Interessen des Staates niemals getilgt werden kann. Italien. Rom, 22. Mai. tonip no’i ntro vvaa imapi £ hbd»i. „Und Samuel starb, worauf sich ganz Israel versammelte, um ihn zu betrauern und sie begruben ihn in seinem Hause zu Ramah." Unser Samuel ist nun ebenfalls gestorben! Vorgestern, Montag, 9 Uhr Abends ist der emer. hochverehrte Präses unserer Cultusgemeinde, der weltbekannte und weltberühmte Samuele Ala tri, im hohen Alter von 84 Jahren, nachdem er vor einigen Wochen erst seinen 51jährigen Sohn Giacobbe zu Grabe geleitet, aus dem Leben geschieden. Die ganze Bevölkerung unserer Stadt ohne Unterschied der Confession ist in Trauer versetzt und noch gestern widmeten alle unsere Tagesblätter, ohne Rücksicht auf ihren religiösen und politischen Standpunkt, dem Heimgegangenen einen tiefempfundenen Nachruf. Das Leiborg an des Papstes, der „Osservatore Romano", schreibt wörtlich: „Gestern, um 9 Uhr Abends, starb in seiner Wohnung, Via Nazionale 160, Samuele Alatri, die wichtigste Person (il personaggio piu importante) der jüdischen Gemeinde unserer Stadt. Höchst populär (popolarissimo) in Rom, wo er während seines langen Lebens wichtige Aemter bekleidet hatte, sowohl in den vorzüglichsten Geldinstituten, sowie auch im Gemeinde- und Provinzialrathe, wird nun sein Tod Alle, welche die Ehre hatten, ihn zu kennen, mögen sie ihm noch so ferne gestanden sein durch ihre Religion oder durch ihre politischen Prinzipien, auf's höchste betrüben, da Jedermann seinen Geist und feine Rechtschaffenheit schätzte. Vertheidiger des religiösen Schul-Unterrichtes im Stadtrathe und Vertheidiger der gerechten Wünsche der Katholiken, zeigte sich Samuele Alatri immer aussöhnend und beseelt vom Gewissen seiner eigenen Pflicht und von jenem angeborenen Gefühl der Ehrenhaftigkeit, von dem ihn weder die Strömung, in der er lebte, noch irgendwelche Vornrtheile abhalten konnten. Vor Kurzem noch höchst thätig, fing er an, nachdem ihn das Unglück getroffen hatte, seinen geliebten Sohn zu verlieren, hinzusiechen und zehrte sich von Tag zu Tag immer mehr auf. Vor seinem Leichname empfinden wir ein Gefühl der Trauer und des Jammers. (Davonti al suo cadavere proviamo un senso di mestizia edi rimpianto)." Das Organ des Ministerpräsidenten Crispi, die „Riforma", erinnert daran, daß der Verstorbene schon 1828 seine Glaubensbrüder gegen die Unmenschlichkeiten Leo's XII. zu schützen gesucht, daß er 1858, 1865 und 1866 die römische Geschäfts- und Fknanzwelt vor einer Katastrophe geschützt hatte und daß er 1870 jener Deputation der Stadt Rom zugetheilt worden war, die Victor Emanuel einlud, die Herrschaft über die Römer zu übernehmen, worauf das Blatt dann mit folgenden Worten schließt: 8uUa tomda di un uomo eosi benemerito tutti gli animi gentili che sanno appre zzare giustamente la virtü si uniranno nel rimpiangere la perdita del comm. 8. Alatri e nell' onorarne la memoria. (Am Grabe eines so hochverdienten Mannes, werden sich alle redlich denkenden Seelen, welche die Tugend richtig zu würdigen wissen, vereinigen, um den Tod des Commendatore S. Alatri zu beweinen und dessen Andenken zu ehren.)" Das offizielle „Popolo Romano" schreibt wieder : „Con la morte di 8. Alatri Roma perde un egregio cittadino un patriota altrettanto sincero per quanto modesto (Mit dem Tode S. Alatri's verliert Rom einen ausgezeichneten Bürger, einen Patrioten, der sowohl aufrichtig wie bescheiden war. Der „Fanfulla" schreibt wieder: „8. Alatri si rnostro e fu sempre e dovunque benefico, intelligente, attivissimo, galantuomo. (S. A. zeigte sich und war auch immer und überall wohlthätia, einsichtsvoll, strebsam und ehrlich.)"