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Der Israelit · 1889-05-27 · Heft 42 (27.5.1889) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 42 (27.5.1889)
Date
1889-05-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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736 für Deutschland gar keinen Anlaß zur Rüge und zum Einschreiten, es findet fich auch unter den Hunderten von Ordensbrüdern in Berlin und Breslau und unter den Tausenden des Ordens überhaupt kein einziges Bundesmitglied, welches seine Stimme gegen einen solchen Frevel erhebt und die Logen vor das Distrikts-Groß-Logen-Gericht, oder die Diftrikts-Groß-Loge wegen sträflicherVernachlässigung ihrer Aussichts-Pflicht vor das Conftitutions-Groß- Logen-Gericht zur Rechenschaft zieht!! Wir wollen gern annehmen, daß unter den etwa 2300 Ordensbrüdern in Deutschland sich einige Personen finden mögen, welche die Mißachtung, Übertretung und Verhöhnung des Judenthums im Herzen mißbilligen. Innerhalb des Ordens aber fühlen sie sich nicht berechtigt, dagegen Verwahrung einzulegen, weil diese Mißachtung, Uebertretung und Verhöhnung ein Grundprinzip des Ordens bilden und deßhalb begreiflicher Weise von demselben nicht mißbilligt werden könne. Sie machen sich aber durch ihre trotzdem fortgesetzte Mitgliedschaft des von dem Orden geübten Frevels mitschuldig und verleugnen durch ihre Ordensangehörigkeit das Judenthum, mißachten dessen Religionssatzungen und verhöhnen die Thora, die apjr n$np nmo, das heilige, unschätzbare Erbgut der Gemeinde Jakobs, das Kleinod der Menschheit, sie verzetteln es für den elenden Tand des kindischster Eitelkeit fröhnenden U. O. B. B. (Schluß folgt.) Literarischer Bericht. Die fünf Bücher Mosis mit deutscher Uebersetzung nebst dem Raschi-Commentare, punktirt in leichtfaßlicher Sprache übersetzt und Erklärenden und erläuternden Bemerkungen versehen, von Rabbiner Julius D e s s a u e r. Verlag von M. E. Löwy's Sohn in Budapest. Die Firma M. E. Löwy's Sohn hat durch die abermalige Complettirung des vorliegenden Werkes von dem seit Jahren nur Bruchtheile zu haben waren, einem Bedürfniß entsprochen. Denn dieses Werk ist ein Hilfsbuch im Raschi-Unterricht, sowohl für den Lehrer, als auch für den Lernenden. Wir können daher dasselbe allen Raschi-Freunden bestens empfehlen. Zeitrrrrgs«achrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 24. Mai. So eben ergeht mir vom Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde in Rom, Herr Settimio Esvra, die tkefbetrübende Nachricht zu von dem am Montag (20.) Abends erfolgten Ableben des Ehren-Präsidenten Herrn Samuele Alatri, Commendatore und Groß-Offizier des Kronen - Ordens von Italien. Was er als Mitglied des Parlaments, des Magistrats, vieler Anstalten und Institutionen, vorzüglich aber innerhalb der jüdischen Gemeinde geleistet, bedarf einer eingehenden Darstellung, die ich mir für spätere Zeit Vorbehalte. Noch am Dienstag in voriger Woche, bei meiner Anwesenheit in Rom, saß ich an seinem Krankenbette und hörte ihn lallend von der immer näher heranrückenden Zeit sprechen, in der die Grundsteinlegung des neuen Tempels erfolgen soll. Er sollte sie nicht mehr erleben; aber vorbereitet hat er sie, mehr als Einer. Als die Gemeinde ihm vor einigen Monaten bei der Niederlegung des Vorsitzes innerhalb der Verwaltung das Diplom eines Ehren- Präsidenten überreichen ließ, konnte sie darin mit den Worten der Schrift ihn preisen:! nsm mai ioo vb, ivp n\-i 'm bmvV Er war der Erste unter den Juden Italiens — und dennoch, wer ihn nicht am Thora-Freudenfeste in den nvnn unter den armen Glaubensbrüdern sich bewegen sah, mit ihnen gemeinsam der Freude hingegeben, hat noch niemals die jüdische Freude in ihrem wahren Charakter erkannt. Dr. A. Berliner. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Budapest. In seiner Programmrede konstatirte Graf Czaki, der Unterrichtsminister, im ungarischen Abgeordnetenhause, daß er auf die Zusammenstellung dieses Budgets noch keinen Einfluß genommen, doch enthebe ihn dies nicht der Pflicht, die Abgeordneten mit seinen Ansichten im Allgemeinen bekannt zu machen. (Allgemeiner lebhafter Beifall.) Denn in seinem Wirkungskreise, welcher so viele hochwichtige wissenschaftliche, kirchenpolitische, konfessionelle Unterrichts-, Erziehungs-, Humanitäts- und Kunstangelegenheiten umfasse, sei es unmöglich, im Verlaufe einiger Monate ein Programm festzustellen, das sich auf alle Details erstrecke. Dann fuhr der Minister fort: „Was das allgemeine Programm betrifft, so muß es meines Erachtens eines und dasselbe bleiben, wer immer diesen Ministersitz einnehme (lehhafte Zustimmung rechts); dieses Programm kann in wenige kurze Sätze zusammengefaßt werden. Auf dem Gebiete der Religions-Angelegenheiten: unter voller Wahrung der staatlichen und königlichen Rechte, so wie sie die Gesetze und die gesetzliche Praxis feststellen, volle Respektirung der kirchlichen und konfessionellen Rechts- und Arbeits-

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