Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 41 (23.5.1889)
- Date
- 1889-05-23
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Wohl, daß Mittel nöthig sind, um dem geistlichen Oberhaupt ein standesgemäßes Auftreten zu ermöglichen; wie wißen aber auch, daß es Pflicht der Gemeinden, die den Rabbi beriefen, war, die nöthigen pekuniären Opfer zu bringen, wenn sie sich und das Judenthum zu Ehren bringen wollten. Wir wissen, daß manche der Gemeinden, die zu der Vereinigung gehören, jährlich Tau send e von Dollars für „Chazonim und Meschorrerim" (Chor) ausgeben. Wenn man diesem theuren Luxus fröhnen kann, ist es sehr schön. Allein eine Schmach ist es, wenn dies auf Kosten des gelehrten Mannes geschieht, den man als Haupt hieher berufen hat und den man dann vorschiebt, um das Geld für diese hohe Zwecke, die er zu verfolgen hat, herbeizuschaffen. Es ist wahr, daß zu den Pflichten des Rabbiners die Aufsicht über die nö’rw gehört und daß dies als einen Theil der Einnahmequelle benützt werden kann. Es ist aber auf das Entschiedenste zu bestreiten, daß die Angelegenheit die einzige von ihm zu erledigende ist. Wir fürchten, daß Manche in der Umgebung des Rabbi ihr Augenmerk hauptsächlich auf die geschäftliche Seite lenken; während es den Anschein hat, daß Andere, welche rechtmäßig zu Rathe gezogen werden sollten, vollständig ignorirt werden. Es werden weder reguläre Comitssitzungen abgehalten, noch gibt es (in kurzem Deutsch gesagt) reguläre Bücher, die Einnahmen und Ausgaben aufweisen. All'dies ist traurig und beschämend. Die Umkehr hat sofort zu geschehen; dem Rabbi allein steht das Recht zu, das endgiltige Wort in religiösen Fragen zu sprechen. Das Comits hat nur die finanziellen Angelegenheiten zu regeln und vor Allem zu sorgen, daß so viel Geld aufgebracht wird), daß der Rabbiner befriedigt werden kann, ohne daß er selbst irgend etwas damit zu thun hat. . . . Den Vertretern der „orthodoxen Vereinigung" rufen wir, so eindrucksvoll als möglich, zu, daß sie ein großes Unrecht thaten, daß sie erlaubten, daß das reine „Judenthum" in den Schmutz des amerikanischen Zeitungsgeschwätzes herabgezogen wurde. Sie müsse» ihren Jrrthum sofort verbessern oder sie bringen Schande auf sich und das Judenthum in Amerika. Mögen sie diese Worte beherzigen. Wir waren immer für die Vereinigung und ihren Rabbiner. Wir sprechen als Freunde, als wahre Freunde des Judenthums. So schreibt der „American Hebrew", dem wir nur in allen Theilen zustimmen können. Seit 9 Monaten hört man stets Zänkereien über die rxanw; die Magenfrage ist zwar wichtig. Allein ist die Jugenderziehung geringer? Doch ich wollte heute zur Einleitung meiner Correspondenzen einem erfahrenen Collegen in dieser Sache das Wort gestatten. Ich werde in einem späteren Brief eingehender auf die Sache eingehen. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 19. Mai. Die Radau-Antisemiten der Böckel'schen Observanz haben in den letzten Tagen mehrere Versammlungen abgehalten. In einer kam folgende Frage zur Erörterung: „Stellt sich der Deutsche Antisemitenbund dem Hofprediger Stöcker feindlich gegenüber?" Der Vorsitzende erklärte sich nicht für autorisirt, im Namen des Deutschen Antisemitenbundes eine Erklärung abzugeben. Was die Stellung der Reformpartei zum Hofprediger Stöcker anbelange, so würde sie denselben mit Freuden begrüßt haben, wenn er aus Liebe zur Sache auf sein Amt verzichtet hätte (lebhafter Beifall), wenn er Amt und Würden den antisemitischen Bestrebungen zum Opfer gebracht hätte, wie das der Reichstagsabgeordnete Böckel seiner Zeit gethan. (Lebhaftes Bravo.) Wenn Herr Stöcker aus der konservativen Partei, in der noch so viele Gründer säßen und noch so viele in geschäftlichen Verbindungen mit Juden stünden, austrete und unbekümmert um seine Stellung seine Ueberzeugung hoch halten und den reformatorischen Bestrebungen seine Kraft widmen wollte, so würde er dem deutschen Reformverein willkommen sein. Von diesen reichgesäeten Wenns wird sicherlich nicht ein einziges aufgehen. Wie sich die Antisemiten sonst noch in den letzten Persammlungen belustigt haben, mag man aus folgendem Anathem Böckel's ersehen: „Die Börse darf nicht länger ein Gebäude sein, in dem eine Schaar halbwahnsinniger, von der Sucht nach Reich - thum getriebener Juden herumtobt." Oefterr. - Ungar. Monarchie. Wien, 20. Mai. Der Handelsminister richtete an den Vorstand der Fruchtbörse einen Erlaß, worin er sich auf eine Rücksprache mit dem Präsidenten beruft, wonach derselbe Werth darauf lege, daß der in Wien eingebürgerte Getreide- und Saatenmarkt, dem die Regierung volle Unterstützung angedeihen lassen werde, auch dieses Jahr hier stattfinde, sund als höchst wünschenswert bezeichnet, daß ein möglichst zahlreicher Besuch eintrete. Der Minister erwartet, daß der Vorstand sich angelegen lassen sein werde, diese in ihrem bisherigen Wirken bewährte