Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 41 (23.5.1889)
- Date
- 1889-05-23
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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mm XXX. Jahrgang. Keilagr juJU41 des„I8raM"L„Ieschurun". Leitender Artikel. Amerikanische Miefe. i. New-Aork, 21. April. A Es ist lange her, seitdem der amerikanische Plauderer im „Israelit" seine Stimmen nicht mehr hören ließ und wenn er heute wiederum die Aufmerksamkeit der geehrten Leser auf sich zu lenken sucht, so hofft er auch diesmal, ebenso wie in früheren Jahren, deren Anerkennung zu finden. Ist es schon für den europäischen Correspondenten schwer, stets den richtigen Stoff zu finden, um wieviel mehr erst für den amerikanischen, der vielfach über Dinge zu berichten hat, die dem Leser in der alten Heimath mehr als unwahrscheinlich erscheinen und daher dem Correfpondenten oft den Titel „Münchhausen" einbringen. Doch dies soll mich auch diesmal nicht beeinfluffen, und ich werde wie früher bestrebt sein, Land und Leute in wahrheitsgetreuer Weise zu schildern. Mein heutiger Brief soll sich mit der Orthodoxie New-Aorks befassen und zwar mit dem offiziellen Organ, der „orthodoxen Vereinigung", die in dem vor 9 Monaten hier angelangten sogenannten „Oberrabbiner" ihr Oberhaupt erblicken. Als vor einem Jahre die Leiter dieser Bewegung den jetzigen Oberrabbtner aus dem fernen Rußland beriefen, da glaubte man allgemein, daß eine neue Aera für die Orthodoxie in Amerika angebrochen sei, und daß Rabbi Josef für New-York das sein würde, was sein großer Namensvetter einst für Egypten war. Damals nahm ich Veranlassung, über den Stand der Dinge einen ausführlichen Brief im „Israelit" erscheinen zu lassen, und die werthen Leser werden sich wohl noch erinnern, daß ich dem neuerwählten Rabbi zurief: „Daß er nur dann erfolgreich wirken könne, wenn er unbekümmert um Einflüsterungen des ihm Vorgesetzten Comits's den großen Weg wandle und sich einen gebildeten frommen Mann zur Seite stelle, der ihn nach Außen vertritt, da er selbst den Sitten und der Sprache des Landes fern steht. Ganz besonders müsse er sich hüten, daß das Eomits ihn nicht zu einer Person degradire, deren Aufgabe es sei, möglichst viel „Money" herbeizuschaffen". Was ich damals schrieb, war und ist noch heute die Ansicht aller wahrhaften Orthodoxen, und diese bedauern mit mir, daß der Rath unbeachtet blieb. Neun Monate sind verflossen, seitdem sich die sogenannte Reorganisation der orthodoxen Partei vollzog; was ist das Resultat? Wohl wird nach Außen geprahlt; wohl spricht man vom „großen Erfolg", von der „Stärkung des religiösen Gefühls". Der im Hebräischen gelehrte Rabbiner hat wohl die besten Absichten, aber was ist geschehen? Man läßt den Herrn Rabbiner anläßlich politischer LandeSfeiertage Proklamationen erlassen, man hat auch Manches im Interesse des nniso für Fleisch unternommen (ob erfolgreich, das wollen wir später einmal klarlegen), man läßt des Rabbiners Reden in's Englische übersetzt in den Zeitungen veröffentlichen, allein das sind ja Phrasen und damit baut man kein solides Gebäude auf. Der wahre Freund des conservativen Judenthums hat der Wirklichkeit Rechnung zu tragen, und deßhalb müssen die Schäden aufgedeckt werden, wenn auch manches Unliebsame hiebei zu Tage ttttt. Die Wochenschrift „American Hebrew", die, obwohl conservativ, ihre Spalten allen Anschauungen offen hält, hatte vorige Woche einen Lettartikel, der die Angelegenheit klar und objektiv darlegt. Diese Auslaffung ist um so werthvoller, als sie der Feder des Redakteurs des „A. H." entspringt, (deS Herrn Max Cohen, Bibliothekar der bekannten Matmonides-Bibliothek des B'ne-Berith-Ordens), der conservativ und ein genauer Beobachter der Verhältnisse ist. Ich lasse den größten Theil des Arttkels (aus der Nr. 10) in der Uebersetzung folgen: „Nach den besten Informationen, die wir erhalten, scheint es, daß die warnenden Worte, welche wir s. Z. an die „orthodoxe Vereinigung" richteten, nämlich Rabbi Josef nicht zu anderen Zwecken zu benutzen, als zu denen er berufen wurde, ganz am Platze waren, und daß die Nichtbeachtung dieser Warnung sich nun fühlbar macht. Die besten Freunde des Rabbiners sowohl, als auch der Sache, die er vertreten soll, müssen zugeftehen, daß große Fehler gemacht wurden und noch gemacht werden und für welche nicht der Rabbi, wohl aber die Leiter der Gesellschaft verantworttich sind. Der erste und größte Fehler war, den Oberrabbiner Anfangs gleich als „Einnahmequelle" zu benützen. Das war eine Entweihung, ein Frevel. Wir wissen